Zwickauer Südwesten dominiert den Stadtrat

Kurioses aus der ersten Ratssitzung: Marienthal und Planitz kratzen an der absoluten Mehrheit, der Jugendbeirat wird noch jünger, und eine Stadträtin darf nicht zurücktreten.

Wohnort: Wo genau die Stadträte wohnen, ist nicht nur interessant, weil Mario Pecher (SPD) wegen eines Umzugs aus dem Stadtrat geflogen ist. Nein, Stadtratsmitglieder sind schließlich am nächsten an ihren Stadtteilen dran und vertreten diese im Stadtrat, und sei es, wenn sie sich über ungemähte Wiesen beschweren. Im neuen Zwickauer Stadtrat dominieren die Vertreter aus dem Südwesten der Stadt. Würden sich alle Stadträte aus Marienthal, Ober- und Niederplanitz sowie Cainsdorf zusammentun, sie hätten die absolute Mehrheit im Stadtrat. Und das, obwohl in den genannten Gebieten gerade einmal 31 Prozent der Einwohner leben.

Besonders stark vertreten ist Planitz. 13 der insgesamt 48 Stadtratsmitglieder wohnen in Ober- oder Niederplanitz (zusammen 11.300 Einwohner). Marienthal mit seinen 14.800 Einwohnern entsendet immerhin neun davon in den Stadtrat, Cainsdorf mit 2200 Einwohnern stolze fünf. Weitgehend abgehängt sind dagegen die Neubaugebiete Eckersbach (10.100 Einwohner) und Neuplanitz (7900) mit jeweils nur einem Vertreter im Stadtrat. Kein einziger der gewählten Stadträte hat angegeben, in Schedewitz (2300 Einwohner) oder Oberhohndorf (2200) zu wohnen. Crossen mit seinen 1700 Einwohnern fehlt ebenfalls ein Vertreter, nachdem Ortsvorsteher Stefan Kramer (CDU) nicht mehr für den Stadtrat kandidiert hatte.


Jugendbeirat: Die Jugendlichen im Jugendbeirat müssen sich an ein neues Gesicht gewöhnen. Denn der Stadtrat hat seine beiden Vertreter am Donnerstag neu gewählt. Lars Dörner (Jahrgang 1982, Grüne) trat nicht mehr an, dafür wurde Kay Leonhard (Jahrgang 1999, SPD) gewählt. René Hahn (Jahrgang 1981, Die Linke) wurde im Amt bestätigt.

Sitzanordnung: Die Fraktionen sitzen nun etwas anders als zuvor, wodurch sich die politische Ausrichtung aber besser abbildet. Von der Oberbürgermeisterin aus gesehen ganz rechts befindet sich jetzt die rechtsextreme Wählervereinigung Zukunft Zwickau mit ihrem Vertreter. Daneben folgen AfD und CDU/FDP. Die Fraktion Bürger für Zwickau (BfZ) rutscht von linksaußen in die Mitte, bevor die Fraktion SPD/Grüne/Tierschutzpartei folgt. Ganz links nimmt die Linke Platz.

Rücktritt: Eigentlich ist die Tierschutzpartei eine der großen Gewinnerinnen der Wahl. Sie hat aus dem Nichts 3,6 Prozent geholt, jeder der drei Kandidaten bekam mehr als 1000 Stimmen. Nur: Die eigentlich mit 1720 Stimmen in den Stadtrat gewählte Kerstin Junge würde gerne ihr Mandat abgeben. Aus gesundheitlichen Gründen, wie sie der Stadtverwaltung mitgeteilt hat. Ihr Ersatzmann wäre Matthias Sawert, der 300 Stimmen weniger bekommen hatte. Sawert hat offenbar auch die Verhandlungen über die künftige Fraktionsbildung geführt und hatte - zum Erstaunen mancher SPD-Ratsmitglieder - anstatt Junge an der konstituierenden Fraktionssitzung teilgenommen.

Problem: Der Rest des Stadtrats spielte am Donnerstagabend nicht mit. Viele Stadträte zweifeln an der Erkrankung von Kerstin Junge. Fritz Binder (FDP), von Beruf Rechtsanwalt, schimpfte über das Vorgehen der Tierschutzpartei: "So etwas kann man nicht hinnehmen. Das Wahlrecht ist ein sehr hochstehendes Recht." Im Endeffekt stimmten die Stadträte mehrheitlich gegen den Rücktritt. Es liege kein dringender Grund vor, fanden sie. Junge muss jetzt entweder ihr Amt als Stadträtin antreten oder vor dem Verwaltungsgericht gegen die Entscheidung des Stadtrats klagen.

Auf Anfrage bestätigte sie, dass ihr Gesundheitszustand der Grund für ihren geplanten Rückzug gewesen sei. "Manchmal ändert das Leben von jetzt auf gleich die Spielregeln", sagte Junge. In der kommenden Woche soll es eine Besprechung geben, wie es nun weitergeht.

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