Anwältin: Augenärztin erhält Kassenzulassung nicht zurück

Der Zulassungsausschuss Chemnitz hat den Kompromissvorschlag der Brand-Erbisdorfer Medizinerin abgelehnt. Im Ringen um die Versorgung nahe Freiberg kehrt dafür ein Ruheständler ab Februar in den Dienst zurück.

Brand-Erbisdorf/Chemnitz.

Für die augenärztlichen Kassenpatienten von Brand-Erbisdorf und Umgebung ist es eine schlechte Nachricht: Die Augenärztin Boryana Krasteva wird ihre kassenärztliche Zulassung nicht wieder erhalten und demzufolge künftig keine Kassenpatienten mehr behandeln. "Der Zulassungsausschuss hat den Antrag meiner Mandantin abgelehnt", sagte gestern Rechtsanwältin Silke Aigeltinger. Deshalb werde die Fachärztin - wie schon seit Jahresbeginn - auch weiterhin nur Privatpatienten und selbst zahlende Patienten behandeln.

Eine Einigung in dem seit vorigem Jahr schwelenden Streit zwischen der Augenärztin und der Kassenärztlichen Vereinigung konnte damit laut Anwältin nicht erzielt werden. "Wir haben die Entscheidung des Ausschusses mündlich von der KV erhalten", sagte Silke Aigeltinger. Eine schriftliche Begründung der Entscheidung sei ihr für Februar angekündigt worden - wenn der Zulassungsausschuss erneut getagt habe. "Danach werden meine Mandantin und ich über das weitere Vorgehen entscheiden", fügte die Anwältin an.

Im November hatte die Augenärztin Boryana Krasteva ihren Patienten zunächst angekündigt, ihre kassenärztliche Zulassung zurückzugeben, weil sie an dem seit Sommer 2017 geltenden Bereitschaftsdienstsystem für Augenärzte in Mittelsachsen nicht teilnehmen könne. Vor allem gesundheitliche Gründe sowie die hohe Arbeitsbelastung und lange Anfahrtswege nannte sie als Gründe. Der Bereitschaftsdienst der Augenärzte findet nun zentralisiert in Räumen am Chemnitzer Klinikum statt. Ein bis zwei Dienste seien dort monatlich zu leisten.

Krasteva hatte nach eigenen Aussagen vorgeschlagen, die Dienste wie bisher in ihrer Praxis in Brand-Erbisdorf abhalten zu können. Sie erklärte dazu, dass nur wenige ihrer Patienten die Fahrt nach Chemnitz organisieren könnten. "Sie warten bis zum nächsten Tag, um in der Praxis vor Ort behandelt zu werden." Den Vorschlag hatte die KV mit Bezug auf die anderen Augenärzte, die an dem System teilnehmen, abgelehnt. Daraufhin gab die Medizinerin ihre Zulassung zurück.

Nach einem weiteren Gespräch jedoch hatte die Anwältin im Dezember erklärt: "Wir haben jetzt einen Antrag auf Zulassung unter eingeschränkten Voraussetzungen gestellt." Danach wolle die Augenärztin einen Bereitschaftsdienst pro Quartal in Chemnitz absolvieren. Sei der Kompromiss möglich, wollte sie weiter Kassenpatienten behandeln.

Die KV begründete gestern auf Nachfrage von "Freie Presse" die Ablehnung des Kompromissvorschlages unter anderem damit, dass "auf diese Weise der mit jeder Zulassungsentscheidung verbundene gesetzliche Auftrag zur Sicherstellung der Versorgung von Patientinnen und Patienten auch außerhalb der regulären Sprechzeiten konterkariert" würde.

Dagegen erreichte die Stadtverwaltung Brand-Erbisdorf laut Oberbürgermeister Martin Antonow (parteilos) eine Patienteninformation der KV: Augenarzt Hans-Peter Schittkowski werde ab Februar wieder praktizieren. Der 76-Jährige war vor reichlich drei Jahren in den Ruhestand gegangen.

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