Freibergs mutige Entscheidung

50 bis 60 Schulen mit dem Namen "Geschwister Scholl" gibt es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Als erstes hatte Freiberg seine Oberschule nach den Widerstandskämpfern umbenannt.

Freiberg/München.

In der Gedenkstätte im Lichthof der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ist ein Dokument zu sehen, dass die früheste bekannte Schulbenennung nach Mitgliedern der Weißen Rose belegt. "Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Freiberg ist nach unserer Kenntnis die erste Schule in Deutschland, die so benannt wurde", sagt Hildegard Kronawitter, Vorstandschefin der Weiße Rose-Stiftung.

Bislang war nicht ganz klar, ob Freiberg tatsächlich die erste Stadt mit einer "Geschwister Scholl"-Schule war, doch die Weiße Rose- Stiftung ist sich nun sicher: Der Freiberger Beschluss zur Benennung der Geschwister-Scholl-Schule datiert vom 23. September 1949, zwei Wochen vor Gründung der DDR. "Wir wissen, dass zum Beispiel die FDJ anfangs dazu aufforderte, Schulen und Straßen nach den Geschwistern Scholl zu benennen", sagt Hildegard Kronawitter. "Später gab es auch Bestrebungen, den eigenen, kommunistischen Widerstand mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Dennoch wurden auch in 1950er-Jahren und später in der DDR Schulen nach den Geschwistern Scholl benannt." Heute gibt es 50 bis 60 Geschwister-Scholl-Schulen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.

Für das Freiberger Gymnasium ist die Geschichte und das Schicksal der Scholls "stets präsent", sagte Schulleiterin Kerstin Salomon gestern. "Wir planen, im Schuljahr 2018/2019 wieder ein großes Scholl-Programm zu machen", sagte sie. Musiklehrerin Isolde Lommatzsch hatte sich 2009 zum 60. Jubiläum der Namensgebung mit Zehntklässlern des künstlerischen Profils auf die Spuren von Hans und Sophie Scholl begeben und ein Programm konzipiert. Dabei ist auch das Mobile mit symbolisierenden Flugblättern im Treppenaufgang der Schule entstanden. "Das wollen wir nun ergänzen, erweitern." Aktuell arbeitet sie mit Schülern der 9. Klasse des künstlerischen Profils am Programm zum 70. Jubiläum der Namensgebung. Im Februar 2019 wollen die Schüler Szenen der Weißen Rose nachstellen, Textstellen aus den Flugblättern aufgreifen und Musik einfließen lassen. "Die Szenen wählen die Schüler selbst aus, damit sie einen eigenen Zugang zu dem Thema finden." Die Widerstandsgruppe Weiße Rose, der Hans und Sophie Scholl im Zweiten Weltkrieg angehörten, soll im ganzen Jahr 2019 an der Schule Thema sein.

Die "Denkstätte", in der das Freiberger Dokument zu sehen ist, wird am historischen Schauplatz im Lichthof der Münchner Universität von der Weiße Rose-Stiftung betreut. Hildegard Kronawitter, frühere SPD-Landtagsabgeordnete und Witwe des langjährigen Münchner OB Georg Kronawitter, leitet den Stiftungsvorstand. 300 Fördermitglieder leisten ideelle und materielle Unterstützung. Die Stiftung verleiht Wanderausstellungen in mehreren Sprachen. So war die deutsche Ausstellung vor Jahren auch am Freiberger Gymnasium zu sehen. Eine englischsprachige Version tourt seit dem durch die USA. Jedes Jahr besuchen rund 40.000 Menschen die "DenkStätte". Ein reichliches Drittel der Besucher kommt aus dem Ausland. Das Interesse am Thema sei nach wie groß, sagt Kronawitter.

Tipp Am 16. Februar widmet ARD Alpha ab 20.15 Uhr der Weißen Rose einen Themenabend mit drei Sendungen.


Vor 75 Jahren ermordet

Die Weiße Rose war eine Widerstandsgruppe, deren engstem Kreis die fünf Studenten Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Christoph Probst und Willi Graf sowie der Universitätsprofessor Kurt Huber angehörten. Hans Scholl und Alexander Schmorell gaben im Juni 1942 die ersten vier Flugblätter heraus, in denen sie zum Widerstand gegen das NS-System aufriefen. Das fünfte und sechste Flugblatt wurden in vieltausendfacher Auflage gedruckt und verteilt. Am 18. Februar 1943 gerieten die Scholls in die Fänge der Gestapo. Binnen weniger Tage wurden auch die anderen Mitglieder der Weißen Rose festgenommen. Alle starben von der Hand des Henkers. (ros)

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