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Offen für Fachkräfte: Nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer ist der Fachkräftemangel der größte Risikofaktor für die Wirtschaft in Mittelsachsen. 2017 seien zwar 5,4 Prozent mehr Lehrverträge als im Jahr zuvor abgeschlossen worden, die Anzahl der Bewerbungen aber sinke.

Foto: Toni SöllBild 1 / 2

Mittelsachsen unter "ferner liefen" im Focus-Wirtschaftsranking

Der Landkreis gehört nach Analysen zu den Bummelletzten in ganz Deutschland. Über die Ursachen dafür gibt es verschiedene Ansichten.

Von Steffen Jankowski
erschienen am 10.01.2018

Freiberg. Für "Focus Money" zählt Mittelsachsen zu den Flops der Republik: Im Wirtschaftsranking, das die Zeitschrift in ihrer jüngsten Ausgabe veröffentlicht hat, findet sich der Landkreis auf Platz 375 unter 381 Kommunen aus ganz Deutschland wieder. Er ist damit noch weiter abgerutscht und jetzt sogar das Schlusslicht in Sachsen. Für die Studie waren neben Arbeitslosenquote, Bruttoinlandsprodukt und Wertschöpfung je Erwerbstätigem auch die Haushaltseinkommen, die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe sowie die Entwicklung der Bevölkerungs- und Erwerbstätigenzahlen betrachtet worden.

Es sei "schmerzlich, sich als Landkreis auf einer hinteren Platzierung wiederzufinden", urteilt Vize-Landrat Lothar Beier und fügt hinzu: "Im Wissen um die tatsächlichen Ursachen relativiert sich das." Die Wirtschaft im Kreis sei geprägt durch einen vielfältigen Branchenmix und viele kleine Unternehmen. Dies führe einerseits zu mehr Flexibilität in Krisensituationen. Andererseits würden Kriterien der Focus-Studie wie Investitionen in verarbeitendes Gewerbe je Beschäftigtem für kleine Betriebe statistisch nicht erfasst.

Der Kreis unterstütze die Fachkräftesicherung mit einer intensiven Berufsorientierung bereits an den Schulen, durch Jobbörsen bis hin zu speziellen Angeboten für Rückkehrer. Wie Landrat Matthias Damm (CDU) kürzlich erklärte, hatten voriges Jahr 53 Unternehmen im Landkreis Förderanträge für Neu- und Erweiterungsinvestitionen im Programm "Gemeinschaftsaufgabe - Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur". Damit verbunden seien Investitionen von 75 Millionen Euro, was dem dreifachen Wert des Jahres 2016 entspreche. Laut Beier werden damit 1811 Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten und 120 neue geschaffen.

Die Platzierung sei bedauerlich, sagt auch Markus Schlimbach vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Der Landkreis habe zwar Zuwächse in den meisten Indikatoren des Rankings, so der sächsische DGB-Chef: "Andere Regionen haben aber offenbar stärker zugelegt." Beim Haushaltseinkommen und beim Bevölkerungswachstum schneide Mittelsachsen unterdurchschnittlich ab. "Attraktive Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen sind für Fachkräfte und ihre Familien relevante Faktoren bei der Auswahl des Arbeits- und Lebensmittelpunktes. Tarifliche Entlohnung spielt eine entscheidende Rolle", so Schlimbach.

Er verweist zugleich darauf, dass die Industriedichte in Mittelsachsen mit 97 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe je 1000 Einwohner über dem sächsischen (76) und dem bundesdeutschen Durchschnitt (81) liege. Das sei nicht berücksichtigt worden: "Deshalb stellt sich die Frage, inwieweit solche Rankings überhaupt aussagefähig sind und ob eine andere Auswahl und Gewichtung von Indikatoren nicht zu einem anderen Ergebnis geführt hätte."

Ähnlich argumentiert die Kreisverwaltung. Anders als zuvor habe "Focus Money" nicht nur die aktuellen Jahreswerte verglichen, sondern auch die vorangegangenen fünf Jahre einbezogen. Daraus könnten sich Verschiebungen und negative Auswirkungen ergeben, so Pressereferentin Cornelia Kluge: "Die Wirtschaft im Landkreis Mittelsachsen hat sich stabil entwickelt."

 
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