Engpass: Hausärzte dringend gesucht

Mediziner arbeiten derzeit vielerorts im Landkreis an der Belastungsgrenze. Schnelle Besserung der Zustände ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Zwickau.

Der Hausarztengpass in der Stadt Zwickau und im südlichen Umkreis hat sich verschärft. Derzeit sind laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) 20 Stellen offen. Im vergangenen Jahr gab es laut KV-Geschäftsführerin Carmen Baumgart lediglich zwei Praxisübergaben. Auch Prämien für Neuzugänge hatten einen überschaubaren Effekt: Vier neu angesiedelte Hausärzte wurden vom Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen extra gefördert. Im Kreis sind weitere Stellen zu besetzen, so beispielsweise im Planungsbereich Hohenstein-Ernstthal, wo es zwei offene Hausarztstellen gibt. Die Lage ist für die Allgemeinmediziner eine zusätzliche Belastung zum ohnehin anspruchsvollen Arbeitspensum: "Wir hatten jetzt den Fall, dass ein Kollege verstorben ist", sagt der Diplom-Mediziner Thomas Dürr, der in Zwickau-Neuplanitz praktiziert. "Dann stehen natürlich viele Patienten an meiner Tür und sagen, dass sie einen Hausarzt suchen. Da haben wir kaum jemanden weggeschickt. Wir arbeiten schon am Limit und sollen dann noch neue Patienten aufnehmen, von denen viele chronisch krank sind."

In den Krankenhäusern der Re- gion herrscht in den Rettungsstellen mehr Betrieb als früher. "Wir haben zweistellige Steigerungsraten in der Notaufnahme", sagt Erk Scheel, Regionaldirektor der Paracelsuskliniken. "Die Patienten kommen immer öfter zu uns, wenn kein Arzt für sie erreichbar ist. Ein Teil des Anstiegs geht auch auf die Demografie zurück: Wer älter ist, ist auch öfter mal krank." Den Statistiken zufolge sucht der Ostdeutsche zudem öfter den Arzt auf als der Westdeutsche. "Der Sachse geht im Jahr 18-mal zum Doktor", sagt Amtsärztin Dr. Carola Pilling. "Die Erwartungshaltung ist sehr hoch: Wir müssen alles abklären, sofort. Und wehe, ich komme nicht sofort dran."

Die Hausarztdichte könnte sich weiter verringern, allein aus Altersgründen. Zahlen des Gesundheitsamtes zufolge sind mehr als 30 Prozent der im Landkreis gemeldeten Hausärzte über 60 Jahre alt. Per Januar 2014 lag der Altersschnitt der Allgemeinmediziner bei 54 Jahren.

Auch Fachärzte sind lokal begrenzt Mangelware. So wird derzeit nach einem Augenarzt in den Kommunen Werdau, Langenbernsdorf und Fraureuth gesucht. Am Beispiel Augenärzte zeigt sich aber auch, dass die Rechnungen der Kassenärzte und die Wirklichkeit in den Wartezimmern nicht immer übereinstimmen. Während die KV von einer Überversorgung im Raum Zwickau spricht, müssen Patienten monatelang auf einen Termin warten. "Die Frage ist doch auch, wie sieht es in den Nachbarkreisen aus, wie viele Augenärzte gibt es dort?", sagt Amtsärztin Pilling. Viele Patienten aus Nachbarkreisen würden sich im Landkreis behandeln lassen.

Ein allgemein gültiges Rezept gegen den Ärztemangel gibt es nicht. Hausarzt Dürr hat mehrere Ansatzpunkte ausgemacht: "Wir brauchen Leute aus der Region als Hausärzte. Es wäre schon zu diskutieren, wie die Zugangsvoraussetzungen für Medizinstudenten aussehen sollten. Und in der Ausbildung sollte die Allgemeinmedizin mehr in den Mittelpunkt gerückt werden."

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