Leipziger Leiden und eine Insel des Glücks

Straßen und Botschafter, ungewöhnliche Orte, Promis: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht einen Teil seiner Berichte. Teil 19: Robert Schumann in der Messestadt.

Zwickau/Leipzig.

Die Messestadt ist nach Zwickau der Ort, an dem der Komponist Robert Schumann (1810-1856) die längste Zeit gelebt hat - Anfangs, um 1828, ergreift ihn Sehnsucht nach der westsächsischen Heimat. An seine Mutter schreibt der junge Schumann: "Die Natur, wo finde ich sie hier? Alles durch Kunst verschnörkelt: kein Thal, kein Berg, kein Wald, wo ich so recht meinen Gedanken nachhängen könnte. (...) Grüße alle herzlich von mir und sag' Allen, daß ich mich eben so wieder nach Zwickau zurücksehne, wie ich mich früher nach Leipzig sehnte." In einem weiteren Brief seufzt er: "Oh ich habe in Zwickau Stunden genossen, die Tage in Leipzig aufwiegen; jene stillen Herbstabende der Heimath, zugleiche Wonneabende des Herzens, jene vergoldete Höhen und die blühenden Täler, oh dieses ganze Stillleben der Natur und der freundlichen Menschheit wiegt kein Leipzig mit all seinen Concerten, Theater pp. auf." In Leipzig studiert der gebürtige Zwickauer erst Jura, nimmt bei Friedrich Wieck Klavierstunden und lernt dessen Tochter, das klavierspielende Wunderkind Clara Wieck, kennen. 1840 heiratet Schumann sie in der Gedächtniskirche Leipzig-Schönefeld. Das Paar zieht in ein klassizistisches Wohnhaus in der heutigen Inselstraße 18, wo es bis 1844 lebt.

Das Gebäude ist heute Etappenort des Weges "Leipziger Notenspur", der Wohn- und Schaffensstätten wichtiger Komponisten verbindet. Laut Gedenktafel verbrachten Schumanns hier "eine Zeit großen Glücks und fruchtbarer musikalischer Zusammenarbeit." Es entstand unter anderem die Frühlingssinfonie, 1841 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt. Das Schumann-Haus dient heute als Musik- und Kunstschule "Clara Schumann". Der Schumann-Verein Leipzig erinnert mit einer Ausstellung und Veranstaltungen an die Geschichte des Gebäudes und seine berühmten Bewohner.

Im Schillerpark wurde bereits 1875 ein Schumann-Denkmal eingeweiht. Der Obelisk steht in direkter Nachbarschaft zum Studentenclub "Moritzbastei", dem neuen Gewandhaus und dem 142 Meter hohen City-Hochhaus - im Volksmund dank ehemaliger Nutzung durch die Universität auch "Weisheitszahn" genannt. Im Musikerviertel trägt eine Straße den Namen des Zwickauers. Jugendstilfassaden, wuchtige DDR-Plattenbauten und moderne Wohnklötzer ergeben dort ein eigenwilliges Nebeneinander. Buslinie 89, die ihre Nummer in Anlehnung an das Jahr der Friedlichen Revolution erhielt, stoppt an der Robert-Schumann-Straße.

Die von Schumann gegründete "Neue Zeitschrift für Musik", erstmals erschienen am 3. April 1834 in Leipzig, besteht seit 182 Jahren und ist damit die älteste deutsche Musikzeitschrift. Und geht mit der Zeit: Es gibt sie auch als App, E-Paper und auf Facebook. www.zwickautopia.de

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