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Die Angeklagte verbirgt ihr Gesicht vor Prozessbeginn hinter einem Ordner.

Foto: Andreas Wohland/Archiv

Neue Version im Mordprozess

Die 17-jährige Angeklagte bestreitet ihre Beteiligung an der Bluttat in Gera. Es gibt aber Hinweise darauf, dass das Zwickauer Paar schon früh den Vorsatz zu töten gefasst hat.

Von Michael Stellner
erschienen am 16.05.2018

Zwickau. Der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen ein junges Liebespaar aus Zwickau, das in Gera einen Mann ermordet haben soll, beginnt mit einer Erklärung der 17-jährigen Angeklagten. Über ihre Anwältin lässt sie schildern, dass sie an dem Mord nicht beteiligt gewesen sein will. Sie habe nicht gewusst, was ihr 20-jähriger Freund plane. Nach der Tat sei sie erschüttert gewesen, habe die gemeinsame Flucht aber fortgesetzt, da sie Angst gehabt habe, Johnny H. würde auch sie umbringen. Nachfragen wollte sie nicht beantworten.

In der polizeilichen Vernehmung kurz nach der Tat hatte sie ebenfalls bereits eine Beteiligung am Mord bestritten. Laut Protokoll sagte sie dort unter Tränen: "Ich hab doch den Hund nicht umgebracht." Das Paar hatte sich am 4. November 2017 zusammen mit einem gemeinsamen Freund entschieden, mit dem Fahrrad in die Schweiz zu flüchten, weil das Trio nach einem gescheiterten Drogenkauf Konsequenzen fürchtete. Der Dritte blies seine Flucht ab und verließ das Paar nach wenigen Tagen. Sarah P. und Johnny H. gelangten mit dem Rad, zu Fuß und per Anhalter nach Gera. In der Nacht vom 10. auf den 11. November erstach Johnny H. dort einen Mann, um dessen Auto zu stehlen. Die Leiche warfen sie in Hessen in die Fulda. Der 20-Jährige hatte die Tat am ersten Prozesstag gestanden. Allerdings gab er an, seine Freundin habe ihn dazu veranlasst.

Der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann verliert am zweiten Verhandlungstag gleich mehrfach die Geduld. Dass er manche Angaben im Geständnis des 20-Jährigen für nicht plausibel hält, vor allem bezüglich der Fluchtgründe, hat er schon zum Prozessauftakt moniert. Auch zur 17-Jährigen sagte er nach deren Äußerungen: "Da bleiben zahlreiche Fragen offen."

Fragen, die der dritte an der Flucht Beteiligte beantworten könnte. Doch der Zeuge leidet unter starken Erinnerungslücken. Das Trio habe sich zur Flucht entschieden, weil der Kauf von 30 Gramm Marihuana übers Internet schief gelaufen sei und man Angst vor Strafverfolgung gehabt habe. Richter Hartmann zweifelt stark daran. Erst fährt er den Zeugen an: "Da fährt man doch nach Holland und holt das Zeug", dann bemerkt er süffisant: "Also der Superdeal." Außerdem: "Das soll der Grund sein, abzuhauen?" - und schließlich: "Das ist doch alles Käse."

Erst nachdem der Richter ihm seine früher bei der Polizei getroffene Aussage vorhält, entsinnt sich der Zeuge, dass Sarah P. und Johnny H. schon zu einem frühen Zeitpunkt mit dem Gedanken an Mord gespielt haben sollen. "Sie haben gesagt, dass sie jemandem ein Auto mausen, oder zusammenschlagen oder umbringen wollen", ist der Zeuge im Polizeiprotokoll zitiert. Das würde die Version von Johnny H. entkräften, der zuvor behauptet hatte, die Idee, jemanden für ein Auto umzubringen, sei erst entstanden, als man aufgrund schwindender Kräfte nicht mehr weiter konnte.

Ist das Paar also schon mit der Absicht losgezogen, einen Menschen zu ermorden und ein kriminelles Leben zu führen? Dass er diese Vermutung für plausibel hält, hatte der Richter schon am ersten Verhandlungstag durchscheinen lassen. In der brüchigen Erinnerung des Zeugen hatte das Paar aber die fragliche Äußerung als Scherz bezeichnet.

Michael Windisch, der Verteidiger des 20-jährigen Angeklagten, übergab dem Gericht gestern 15 Liebesbriefe, die Sarah P. aus der Haft an Johnny H. geschrieben hat. Möglicherweise ergeben sich daraus Hinweise auf die Frage, wer von beiden die treibende Kraft gewesen ist. "Wir haben es hier nicht mit reifen, erwachsenen Menschen zu tun, sondern mit einem paar Kindsköpfen", sagte Windisch. Oder wie es eine Prozessbesucherin in der Pause in Hinblick auf das Mordopfer ausdrückte: "Das Traurigste ist, dass er wegen so dummer Leute sterben musste." Der Prozess wird voraussichtlich am 30. Mai fortgesetzt.

 
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