Zwickauer Graffiti-Streit beigelegt

Stadt und Star-Tätowierer Randy Engelhard haben sich geeinigt. Künstler- kollege Tasso darf nun doch loslegen - mit einer Änderung.

Zwickau.

Gottvater darf nicht tätowiert sein. Das ist die Auflage, die nach dem Gespräch gestern Vormittag im Zwickauer Rathaus zwischen Stadtverwaltung und Star-Tätowierer Randy Engelhard übrig geblieben ist. Wenn sich Künstlerkollege Jens "Tasso" Müller daran macht, seine Version von Michelangelos "Die Erschaffung Adams" an einer Hauswand in der Peter-Breuer-Straße anzubringen, dürfen die Figuren entgegen dem ursprünglichen Entwurf keine Tattoos tragen. Darauf hatte die Stadtverwaltung bestanden, sagt Stadtrat Friedrich Hähner-Springmühl (CDU), der als Vermittler beim Treffen dabei war. Andernfalls könnte man das als Werbung für Engelhards Tattoo-Studio gegenüber interpretieren, so das Argument. "Ich werte das als guten Kompromiss, mit dem beide leben können", sagt Hähner-Springmühl.

Damit ist der Graffiti-Streit beigelegt, der am Mittwoch so unvermittelt begonnen hatte. An dem Tag machten sich Engelhard und Tasso an die Gestaltung der Wände auf der inzwischen als Parkplatz genutzten Abrissfläche. Die Stadtverwaltung stoppte die Arbeiten, da keine Genehmigung vorlag. Gespräche im Vorfeld hatten offenbar kein Ergebnis gebracht. Verschiedene Medien berichteten darüber, der MDR startete sogar eine Online-Umfrage, in der mehr als 4500 Klicks für die Kunst an der Wand zusammenkamen.

Nach den Medienberichten schalteten sich mehrere Lokalpolitiker in die Angelegenheit ein. Der Landtagsabgeordnete Gerald Otto (CDU) beispielsweise drängte auf eine schnelle Lösung, um einen unnötigen Imageschaden von der Stadt abzuwenden. Die FDP veröffentlichte auf der Facebook-Seite ihres Bundestagskandidaten Jürgen Martens eine Stellungnahme, in der es heißt: "Wieder ein Beispiel für staatliche Überregulierung und Bevormundung der Bürger." Die Jungliberalen forderten: "Freie Kunst für Freie Menschen!"

Randy Engelhard war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Künstler Tasso, der die Arbeiten ausführen soll, freut sich, am Montag weitermachen zu können. Er sagt aber auch: "Wenn die Tätowierungen die einzige Auflage waren, dann ist das absolut albern." Heutzutage sei doch fast jeder tätowiert. "Natürlich halte ich mich aber daran. Ich freue mich, dass uns die Stadt entgegengekommen ist." Für die Gestaltung der Wände rechnet er mit mindestens einem Monat reiner Arbeitszeit. Neben der Bibelszene sind als Motive unter anderem das Stadtwappen sowie Jack Nicholson, Marilyn Monroe und Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister vorgesehen. Dauerhaft bleiben sollen die Kunstwerke aber trotzdem nicht. Wie Rathaussprecher Mathias Merz betont, gilt die Gestaltung nur als Interimslösung. Zwar wurde kein konkreter Zeitraum vereinbart, doch grundsätzliches Anliegen sei, dass die Fläche in unmittelbarer Nähe zum Dom wieder bebaut wird. Erst zu Jahresbeginn hatte der Immobilienunternehmer Kurt Fliegerbauer dort seinen Containerblock abgerissen.

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