Olympia setzt auf den Sog der Bilder

Winterspiele in Pyeongchang wurden am Freitag eröffnet

Die olympische Hatz nach Ruhm und Medaillen im fernen Pyeongchang wird für viele Sportfans die nächsten Wochen bestimmen. Die Macher vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) setzen in dem knallharten Milliardengeschäft auf ein altbewährtes Konzept: pure Emotionen und makellose Bilder. Es wird auch dieses Mal wieder funktionieren. Sportliche Dramen und Höchstleistungen sind schließlich das Elixier von Olympia. Wenn die deutschen Athleten um Gold, Silber und Bronzen laufen, schießen und kämpfen, ist der Sportfan dabei. Und Hand aufs Herz: Wer hier in unserer Region hat sich nicht darüber gefreut, dass der Oberwiesenthaler Eric Frenzel am Freitag die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier ins olympische Stadion getragen hat?

Die sportlichen Wettkämpfe werden faszinieren wie eh und je. Jeder pflegt beim Zuschauen seine olympische Naivität, ignoriert die dunkle Seite der Spiele. Wer denkt nach der ersten Medaille für einen seiner Lieblinge noch an die Knebelverträge für Veranstalter und die immer absurdere kommerzielle Vermarktung der Spiele, die Doping-skandale? Kaum jemand.

Dabei sieht die Zukunft der olympischen Bewegung eher düster aus. Als der beschauliche ostkoreanische Landkreis Pyeongchang damals gegenüber Mitbewerber München den Zuschlag erhielt, galten die Winterspiele in Asien als Verschnaufpause von der Gigantomanie früherer Jahre. Im Vergleich zu den vielfach kritisierten Mega-Projekten in Sotschi und in Brasilien waren die Spiele in Südkorea vergleichsweise preiswert. Statt umgerechnet 34 Milliarden Euro wie in Sotschi wurden "nur" etwa neun Milliarden Euro verpulvert. Eigentlich immer noch viel zu viel. Auf Umwelt- und Naturschutz wurde beim Bau der Sportstätten gepfiffen. Pyeongchang sind nicht die "einfachen" Spiele, die vom IOC als Weg für die olympische Idee ausgegeben wurden. Und für den jeweiligen Austragungsort waren die Spiele in den vergangenen Jahrzehnten sowieso fast immer ein Verlustgeschäft. Der IOC hingegen verdient mit der Vermarktung der Spiele und dem Verkauf der TV-Rechte Unsummen. Das Gastgeberland sieht davon nichts. Es verwundert daher, dass sich immer noch Ausrichter finden.

Pyeongchang erhielt damals den Zuschlag, weil das IOC Asien als Markt für den Wintersport erobern wollte. Bislang ist davon noch nichts zu spüren. Zweifel bleiben, ob sich die Koreaner oder Japaner jemals wirklich für Biathlon interessieren werden. Die olympische Idee bewegt sich in eine Sackgasse, die zur tödlichen Falle werden könnte, wenn nicht endlich auch beim Doping im Sport Regeln eingehalten und durchgesetzt werden sowie vor allem Transparenz geschaffen wird. Doping wird auch diese Spiele überschatten. Jede Nation sollte da übrigens auch vor der eigenen Haustür kehren und nicht immer nur auf die russischen Sportler zeigen.

Flotte Sprüche wie die von Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, Fairplay müsse "zum Markenzeichen der Pyeongchang-Spiele werden", reichen da nicht. Sonst wird Olympia tatsächlich zum Auslaufmodell.

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