Besser abgesichert in die Rente

Abzüge für Berufstätige, längere Zurechnungszeiten und Übertragen von Ansprüchen: Fachleute erklären am Lesertelefon die Regeln

Mit dem neuen Jahr gibt es für Rentner neue Regelungen - aber nicht für jeden treffen sie zu. In welchen Fällen diese wirksam werden, dazu hatten die Leser viele Fragen. Gabriele Fleischer hat sie zusammengefasst.

Ich bin seit zwölf Wochen arbeitsunfähig. Kann ich, auch wenn ich erst in der sechsten Woche des Krankengeldbezuges bin, Erwerbsminderungsrente beantragen? Ich bin unheilbar an Krebs erkrankt. Im Januar werde ich 60. Was passiert, wenn ich während der Beantragung versterbe? Wird die Rente dann an meine Ehefrau gezahlt?

In der Regel ist der Krankengeldanspruch deutlich höher als die Erwerbsminderungsrente. Sie sollten daher keinen Antrag stellen, sondern erst, wenn Sie von der Krankenkasse dazu aufgefordert werden. Krankengeldanspruch besteht wegen derselben Krankheit maximal für 78 Wochen. Wenn Sie während des Antragsverfahrens sterben, geht der Anspruch auf Ihre Ehefrau über. Dies bezieht sich auf die Zeit ab Antragstellung bis zum Todestag. Danach bekommt sie Witwenrente.

Mein Mann war Außendienstler und darf aufgrund einer Augenerkrankung nicht mehr gewerblich Auto fahren. Seine Firma hat ihm Teilarbeit für täglich vier Stunden angeboten. Damit hat er Einbußen von zwei Dritteln seines Einkommens und wurde zweimal begutachtet. Die Erwerbsminderung ist noch nicht festgestellt.

Sie sollten in Erwägung ziehen, den alten Antrag auf Erwerbsminderungsrente zurückzuziehen und 2019 einen neuen Antrag stellen. Im Fall einer Rentenbewilligung des neuen Antrags würden Sie dann von der verlängerten Zurechnungszeit profitieren. Sie werden ab nächstes Jahr so gestellt, als hätten Sie bis 65 Jahre und acht Monate gearbeitet.

Derzeit beziehe ich Rente wegen Erwerbsminderung und werde demnächst in Regelaltersrente übergehen. Wird meine Altersrente dann geringer sein?

Nein, denn Sie genießen sogenannten Bestandsschutz. Das heißt, selbst wenn Ihre Regelaltersrente niedriger wäre, behalten Sie Ihre bisherige Rentenhöhe bei.

2016 wurde ich viermal am Herzen operiert. Auf Anraten meiner Kardiologin habe ich Erwerbsminderungsrente beantragt. Antrag und Widerspruch wurden abgelehnt. Jetzt habe ich Klage erhoben. Die Richterin hat mir mehr als zwei Jahre Bearbeitungszeit in Aussicht gestellt. Ich bekomme aber seit Juli kein Geld mehr. Was kann ich tun?

Sie können allenfalls Hartz IV beantragen. Dort zählen allerdings Einkommen und Vermögen des Partners mit. Andere Sozialleistungen kommen derzeit für Sie nicht in Betracht.

Ich beziehe seit Oktober 2015 Erwerbsminderungsrente. Gilt die Verlängerung der Zurechnungszeit auch für mich?

Nein, die verlängerte Zurechnungszeit gibt es nur für Renten, die ab 2019 beginnen.

Mein Mann ist Rentner und freiwillig gesetzlich krankenversichert. Wirkt sich das Rentenpaket 2019 auf den Zuschuss zur freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung aus?

Das Rentenpaket hat keine Auswirkung. Aber der Rentenversicherungsträger zahlt künftig einen zusätzlichen Beitragszuschuss in Höhe des halben Zusatzbeitrages.

Ich habe einen 15 Jahre alten Rentenbescheid. Kürzlich fand ich Unterlagen, aus denen sich ergibt, dass für einige Jahre zu niedrige Entgelte meiner Rentenberechnung zugrundegelegt worden sind. Kann ich den Rentenbescheid noch ändern lassen, obwohl ich damals keinen Widerspruch eingelegt habe?

Ja. Sie können jederzeit Ihren Rentenbescheid überprüfen lassen. Wenn sich dabei eine höhere Rente ergibt, erhalten Sie die letzten vier Jahre nachgezahlt, wobei das Jahr der Antragstellung nicht mitgerechnet wird. Beispiel: Wenn Sie den Antrag dieses Jahr stellen, bekommen Sie die Nachzahlung rückwirkend bis 1. Januar 2015. Stellen Sie den Antrag erst nächstes Jahr, gibt es die Nachzahlung bis 1. Januar 2016.

Ich habe nur einen Minijob, von dem keine Rentenbeiträge abgeführt werden, weil ich nur sehr wenig verdiene. Zählen diese Jahre trotzdem als Beitragszeiten?

Nur bedingt. Der Arbeitgeberanteil wird zwar in Wartezeit (Mindestversicherungszeit, um einen Rentenanspruch zu erwerben) umgerechnet. Jedoch entspricht ein Beschäftigungsjahr dann nicht einem Wartezeitjahr. Wenn Sie Ihren Minijob bereits vor 2013 aufgenommen haben, können Sie Ihrem Arbeitgeber eine Erklärung geben, dass Sie künftig auf die Versicherungsfreiheit verzichten. Dann zahlen Sie in Zukunft Ihren eigenen Beitrag. Dann wird die Zeit vollständig komplett für die Wartezeit berücksichtigt. Dann entspricht ein Beschäftigungsjahr einem Wartezeitjahr.

Ich habe vor Jahren einen Vertrag über eine private BU-Rente abgeschlossen. Ist es entscheidend, wann man diese Rente beantragt, oder ist dies generell in den Vertragsbedingungen geregelt und von der Einreichung des Antrages auf staatliche Rente unabhängig?

Das ist von der staatlichen Rente unabhängig. Der Auszahlungsmodus richtet sich nach den vertraglichen Regelungen der jeweiligen privaten Versicherung.

Handelt es sich bei dem neuen Höchstsatz von 1300 Euro für den Übergangsbereich bei Geringverdienern um Brutto- oder Nettobeträge? Und was versteht man unter reduziertem Sozialversicherungsbeitrag?

Es handelt sich um brutto. Der Arbeitnehmeranteil bei den Beiträgen beträgt weniger als 50 Prozent. Den Rest zahlt der Arbeitgeber. Diese Regelung gehört zwar zum Rentenpaket, tritt aber erst am 1. Juli 2019 in Kraft. Dann wird sich der niedrigere Arbeitnehmeranteil auch nicht mehr negativ auf die Rentenhöhe auswirken.

Auch die Mütterrente wird aufgestockt. Aber: Wer während der Kindererziehungszeit beruflich tätig war und deshalb gekürzte Mütterrente erhält, kann nach Erhalt des Rentenbescheides klagen. Ein Musterwiderspruch dafür findet sich unter folgendem Link: www.freiepresse.de/musterwiderspr

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