Welche Renten-Vorsorge lohnt sich noch?

Riester, Fonds oder betriebliche Verträge - Finanzexperten erklären am Lesertelefon, was zu beachten ist

Viele Sachsen haben Angst vor Altersarmut, wissen aber nicht, welchen Finanzprodukten sie trauen können. Am "Freie Presse"-Lesertelefon erhielten sie kostenlos Rat. Gabriele Fleischer hat die Fragen zusammengefasst.

Mein Arbeitgeber hat mir eine betriebliche Altersvorsorge angeboten. Verliere ich diese Rente, wenn ich die Firma wechsle?

Die betriebliche Altersvorsorge bleibt. In bestimmten Fällen kann diese auch zum neuen Arbeitgeber mitgenommen oder übertragen werden - wenn er ein gleichartiges Produkt anbietet oder sich auf kein bestimmtes Produkt festgelegt hat.

Ich bekomme eine betriebliche Altersvorsorge, die ich in Form einer Direktversicherung abgeschlossen habe, ausgezahlt. Muss ich darauf Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen?

Das müssen Sie dann, wenn der Freibetrag überschritten ist. Der beträgt derzeit 145,25 Euro bei monatlicher Auszahlung. Bei einer Einmalzahlung sind es derzeit 17.430 Euro. Der Freibetrag wird laut Sozialgesetz jährlich angepasst.

Ich verdiene wenig, würde aber gern etwas für die Altersvorsorge tun. Was empfehlen Sie?

Mit überschaubaren Beiträgen, meist ab 25 Euro pro Monat, kann man sich schon eine zusätzliche private Altersvorsorge aufbauen. Dabei ist auf Kosten und Flexibilität zu achten. Möglich wäre für Sie auch ein kostengünstiger Fondssparplan.

Im August wird für mich eine Auszahlung aus einer Lebensversicherung fällig. Aber mein Versicherungsschein ist verloren gegangen. Was soll ich tun?

Das Geld geht Ihnen nicht verloren. Sie müssen sich bei Ihrem Versicherungsvertreter oder Ihrer Bank melden. Dort erhalten sie Formulare für eine Verlusterklärung, die Sie ausfüllen müssen.

Ich bin 60 und möchte noch vorsorgen. Was ist da sinnvoll?

Wenn Sie genügend Eigenkapital haben und je nach Risikoneigung wäre eine Anlage in Fonds oder eine fondsgebundene Versicherung durchaus möglich. Bei einer fondsgebundenen Versicherung ist zudem nur die Hälfte der Gewinne zu versteuern. Allerdings müssen Sie darauf achten, dass der Vertrag flexibel und kostentransparent ist und Sie jederzeit an die Geldanlage herankommen. Entscheidend ist auch die Fondswahl. Die hängt davon ab, welche Sicherheit oder Rendite und Laufzeit Sie anstreben. Möglich ist es auch, Immobilien zu kaufen, zu vermieten oder zu verpachten.

Meine Eltern sind 87, haben zusammen 2100 Euro Rente und 100.000 Euro gespart. Ihnen wurde empfohlen, 9000 Euro in einem offenen Immobilienfonds anzulegen. Lohnt sich das?

Als Ergänzung zu anderen Sparanlagen ist das eine Möglichkeit. Aber Sie müssen bedenken, dass in den ersten Jahren die Gewinne durch anfallende Kosten reduziert werden. Beim Kauf sind Ausgabekosten zu zahlen - in der Regel fünf Prozent des angelegten Betrages. Verwaltungskosten entstehen immer. Verkauft man die Fonds, gilt der aktuelle Kurswert. Der schwankt meist nicht so stark wie bei Aktienfonds.

Ich bin 80, meine Frau 75. Jetzt wurde uns am Telefon eine Sterbeversicherung angeboten. Darin enthalten sind 5000 Euro Sterbegeld und 1000 Euro monatliche Pflegerente für 28 Euro im Monat. Bringt uns das was?

Das klingt nicht sehr seriös. Das Risiko scheint nicht kalkulierbar. Zunächst sollten Sie aber alle Unterlagen anfordern, damit das Produkt eingeschätzt werden kann. So ist es wichtig zu erfahren, ab welcher Pflegestufe die Versicherung zahlt. Sie müssten überlegen, ob Sie überhaupt Bedarf haben. Um sicherzugehen, sollten Sie mit den Unterlagen zur Verbraucherzentrale gehen.

Ich habe 1997 für meinen Sohn eine Kapitallebensversicherung mit einem Garantiezins von vier Prozent abgeschlossen. Hat es Sinn, den Vertrag zu kündigen?

Nein, vor allem, wenn Sie danach etwas Neues abschließen wollen. Garantierte Zinsen liegen bei Neuabschlüssen derzeit bei maximal 1,25 Prozent. Zudem ist Ihr Vertrag noch steuerfrei. Für Verträge, die seit 2005 abgeschlossen werden, müssen die Erträge zur Hälfte oder sogar voll versteuert werden. Statt zu kündigen, sollten Sie sich bei der Verbraucherzentrale die Rendite für die Restlaufzeit der Versicherung errechnen lassen und danach entscheiden.

Ich habe zur Vorsorge einen Bausparvertrag mit einem günstigen Zinssatz laufen. Jetzt droht mir die Bausparkasse mit Kündigung. Geht das?

In der Regel ist das vor Erreichen der vereinbarten Bausparsumme nicht möglich. Auch die Rechtssprechung verschiedener Gerichte bestätigt das. Allerdings berufen sich viele Bausparkassen auf die gesetzlich geregelte Kündigungsfrist nach zehn Jahren. Sie sollten die Kündigung zurückweisen und auf der Fortführung des Vertrages bestehen. Lässt sich die Bausparkasse darauf nicht ein, müssten Sie zur Verbraucherzentrale oder zum Anwalt gehen.

Ich bin 57, seit einem Jahr krank und rechne damit, dass ich erwerbsunfähig werde. Ich möchte deshalb Geld als Reserve anlegen. Mir wurde eine Rentenversicherung mit einer Laufzeit von zehn Jahren angeboten. Ich bin aber nicht sicher, ob ich das Geld nicht eher benötige. Ist das Produkt für mich trotzdem geeignet?

Es eignet sich für Sie eher nicht. Bei dem Vertrag fallen für Abschluss und Verwaltung Kosten an, sodass bei Kündigung in den ersten Jahren der ausgezahlte Wert unter dem eingezahlten Betrag liegt. Sie sollten lieber auf ein flexibles Produkt umsteigen, was jederzeit kündbar ist und keine Kosten verursacht. Das könnten Sparbrief oder Tagesgeld sein. Denkbar wären auch abschlusskostenfreie Geldanlagen oder Versicherungen, wenn sie das Geld länger als zehn Jahre anlegen und dennoch darüber verfügen wollen.

Ich bekomme 6,46 Euro monatlich Riester-Rente. Laut Vertrag müsste sie durch Überschüsse dieses Jahr steigen. Allerdings rechnet der Versicherer monatlich 1,55 Euro an Gebühren dagegen, sodass die Erhöhung ausgeblieben ist. Ist das rechtens?

Es erscheint nicht rechtens. Denn im Vertrag sind Rente, Überschüsse, Kosten und Auszahlbetrag zugesagt. Um das aber genau prüfen zu können, müssen Sie mit dem Vertrag und der Abrechnung zur Verbraucherzentrale gehen. Die Riester-Produkte sind allerdings oft sehr teuer - insbesondere dann, wenn kostenunabhängig von der Rentenhöhe absolute Beträge zu zahlen sind. Bei geringen Rentenbeträgen kann es daher sehr ungünstig sein, sich diese monatlich auszahlen zu lassen.

Kann ich anstelle der monatlichen Rente aus dem Riester-Vertrag als Rentner noch eine einmalige Abfindung beantragen?

Im Regelfall nicht. Es könnte aber im Vertrag eine Sonderregelung geben. Da müsste stehen, dass während der Rentenzahlung eine Barauszahlung möglich ist. Das ist aber nur möglich, wenn die Riester-Rente nicht mehr als 25 Euro pro Monat beträgt. Vielleicht können Sie die Rentenzahlung als Jahresbetrag vereinbaren, damit die Kosten sinken.

Ich erhalte 1300 Euro netto, bin alleinstehend mit einem Kind. Mir wurde empfohlen, den monatlichen Riester-Betrag von 45 auf 70 Euro anzuheben. Bringt mir das was?

Möglicherweise für die staatliche Zulage nicht. Dafür muss man eine bestimmte Höhe erreichen. Es empfiehlt sich für Geringerverdienende also nur so hoch anzulegen, wie auch Förderung gezahlt wird.

Ich bin Berufsanfänger. Rente ist für mich noch kein Thema. Ich habe aber gehört, dass es bei der Riester-Rente Geld für Berufsanfänger gibt. Stimmt das?

Ja, für Berufsstarter gibt es einen einmaligen Bonus von 200 Euro. Aber nur, wenn Sie nicht älter als 25 Jahre alt sind. Trotzdem bietet es sich an, frühzeitig an die Rente zu denken. Durch langfristiges Sparen sind geringere Beiträge zu zahlen. Bevor Sie damit beginnen, sollten Sie sich aber ein kleines Polster für Notfälle zurücklegen.

Am Telefon waren Ulrike Kater, Finanzberaterin bei der Verbraucherzentrale Sachsen , Stefan Pflicke, Sparkassenversicherung Sachsen, und Nico Grawert, unabhängiger Versicherungsberater.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...