Beifall über alles

Seine Gefallsucht ist ihm am Ende zum Verhängnis geworden. Der Chef der rechtsnationalen italienischen Partei Lega, Matteo Salvini, wollte noch mehr von dem, was für Populisten so wichtig ist: Applaus. In seiner rund 14-monatigen Amtszeit hat der bisherige Innenminister und Vizepremier Italiens kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sich mit flüchtlingsfeindlichen Gesetzen, derben EU-Beschimpfungen und grotesken Auftritten in den Vordergrund zu spielen. Salvini zieht alle Register. Er gibt plakative Antworten auf komplexe Fragen, er schürt Ängste, um sich selbst als Retter zu feiern. Gibt es Probleme, haben sie grundsätzlich andere verursacht - mal Brüssel, mal Migranten, mal Merkel.

Salvinis Kurs ist erfolgreich, seine Anhängerschar wächst. Nur, der Erfolg hat den Lega-Chef berauscht. Die guten Umfragewerte seiner Partei und die Aussicht, selbst Regierungschef zu werden, hatten ihn dazu gebracht, die Koalition mit der Fünf-Sterne-Bewegung mitten in der Sommerpause aufzukündigen. Sein Ziel: Er wollte als Sieger aus Neuwahlen hervorgehen. Mal wieder ging es Salvini vor allem um eines: Salvini. Das politische Chaos hätte er hierfür in Kauf genommen. Doch der Lega-Chef hat sich verzockt. Wie es aussieht, könnte er sogar bald gezwungen sein, wieder auf der Oppositionsbank Platz zu nehmen. Mal sehen, wem Salvini dafür die Schuld gibt. Sich selbst sicher nicht.

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