Der falsche Friedensstifter

Putin trifft sich mit Erdogan

Recep Tayyip Erdogan lässt in Syrien einen Angriffskrieg führen. Darin hat sich der türkische Präsident bislang von niemandem stoppen lassen. US-Vize Mike Pence konnte zwar eine Waffenruhe aushandeln, die aber am Dienstag endet. Fast zeitgleich reist Erdogan zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, und dann geht es ans Eingemachte. Der Kremlchef ist derzeit der Einzige, der die Macht hat, Erdogan Einhalt zu gebieten. Das sagt viel über den weltpolitischen Bedeutungsverlust des Westens aus und wirft ein Schlaglicht auf die globale Rolle Putins.

Zur Erinnerung: Russlands Eingreifen in Syrien 2015 hatte zwei Ziele. Putin wollte das Assad-Regime festigen und so der US-Strategie des "Regime Change" den Boden entziehen. Das gelang ihm auch, weil sich die USA unter Barack Obama vom Interventionismus verabschiedeten. Putin deutete Obamas Zögern als Einladung, Russlands volle Handlungsbereitschaft zu demonstrieren. Genau das war und ist Putins zweites zentrales Ziel in Syrien: Er etablierte Russland wieder als Großmacht. Die unheilvolle Rolle Erdogans brachte Putin sogar in die Lage, die Nato-Partner USA und Türkei gegeneinander auszuspielen und die Hilflosigkeit der EU vorzuführen. Und doch hat die Sache für den Kremlchef gleich mehrere Haken. So ist der Syrien-Einsatz in Russland extrem unbeliebt. Wichtiger noch ist die Frage nach dem Kriegsziel. Mit der endgültigen Stabilisierung der Assad-Herrschaft hätte Putin zwar bewiesen, dass man sich gegen die Regime-Change-Politik der USA zur Wehr setzen kann. Dauerhafte Stabilität jedoch ist etwas, das der Kremlchef nur im eigenen Land für gut hält. Frieden in Syrien würde ihn der Möglichkeit berauben, den Westen weiter zu spalten. Wer also auf einen Friedensstifter Putin hofft, sollte sich gegen Enttäuschungen wappnen.

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2Kommentare
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  • 2
    2
    Freigeist14
    22.10.2019

    Seit 8 Jahren herrscht Krieg in Syrien . Die Menschen in Allepo oder Damaskus können wieder trotz westlichen Sanktionen mit dem Wiederaufbau beginnen . Der Westen hat auf voller Breite versagt und verweigert weiter die Stabilisierung . Was also schreiben ? Am Besten , da Russland eigene Interessen hat, Putin unterstellen ,den Krieg an Köcheln halten zu wollen und die Dauerschleife vom EU/NATO-Spalter Bösewicht zu pflegen . Wo sind denn Ihre westlichen Friedensstifter , Herr Krökel ?

  • 1
    2
    Freigeist14
    22.10.2019

    "(...)während der Westen Zuschauer bleibt . " Ab da habe ich aufgehört , keinen tendenziösen Kommentar von Herrn Krökel zu erwarten .



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