Der Unsinn sollte enden

Zur Umfrage der EU-Kommission zum Thema Zeitumstellung

Warum es am letzten März-Sonntag statt zwei plötzlich drei Uhr sein soll und mit welcher Begründung sich diese Unerklärlichkeit Ende Oktober in umgekehrter Reihenfolge wiederholt, war noch nie wirklich plausibel. Weil die Sommerzeit selbst im Winter mehr Sinn ergibt. Schließlich ist es egal, ob man - chronologisch gesehen - um sechs oder um sieben Uhr aufsteht: Es ist gleichbleibend dunkel. Nur am Nachmittag hätten wir länger und mehr von der ohnehin kargen Helligkeit. Und die Faszination langer Sommernächte kann ohnehin jeder nachvollziehen.

Was bei der Diskussion um die Uhrenumstellung - denn tatsächlich stellen wir ja nur die Zeitmesser, nicht aber die Zeit um - am Ende an sachdienlichen Argumenten bleibt, ist all das, was sich nach der künstlichen Veränderung unseres Zeitgefühls abspielt. Auch wenn die Studien sich unterscheiden, so sind sie sich doch in einem wichtigen Punkt einig: Es geht weder am Menschen noch an den Tieren spurlos vorüber. Tagelang leiden alle irgendwie unter dem, was Chrono-Biologen als "sozialen Jetlag" bezeichnen, der zu körperlichen Symptomen und Fahruntüchtigkeit führt. Die Folgen der anderen Uhrzeit, die für uns plötzlich wieder gilt, reichen, um den bisherigen Unsinn zu beenden. Es wäre eine große Überraschung, wenn die Abstimmung der EU-Bürger ein anderes Ergebnis brächte.

Aber selbst dann muss die Brüsseler EU-Verwaltung einen Vorschlag präsentieren, der zum einen den Binnenmarkt zusammenhält und zum anderen den Bürgerwillen ebenso respektiert wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Hilfs-Argumente wie die vermeintliche Energie-Einsparung, die nie auch nur ein annähernd überzeugendes Ausmaß erreicht hat, gehören dann endlich in den Müll. Ob Europas Uhren künftig dauerhaft im Winter- oder im Sommermodus laufen, mag letztlich Geschmackssache sein. Dennoch spricht viel für die dauerhafte Beibehaltung der Stunde, die wir uns in den hellen Monaten gönnen. Vor allem aber würde der Verzicht auf die zweimalige Korrektur unserer Uhren viele Probleme beseitigen, die wir uns bisher künstlich selber gemacht haben. Es bleibt unverständlich, dass sich ausgerechnet die Europäische Kommission, die sonst doch nur allzu gern den Wächter über die Gesundheit der 510 Millionen europäischen Bürger spielt, eine Reform so lange hinausgezögert hat.

Dann aber hat man sich zu einem überaus bemerkenswerten Weg entschlossen. Zwar sind öffentliche Konsultationen zu Sachfragen, bei denen eine gemeinschaftliche Gesetzgebung anstand, nichts Neues. Nun aber hat man die Bürger selbst aufgerufen, sich an der Meinungsfindung zu beteiligen. Das Echo gibt den Initiatoren Recht: Es hat sich gelohnt. Dies wird man künftig nicht in jedem Fall machen können, weil andere Themen sperrig sind und sich nicht auf eine klare Frage verkürzen lassen. Aber dass Brüssel dem Votum seiner Mitbürger Gehör schenkt, war ein Versuch, der durchaus öfter gewagt werden kann.

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5Kommentare
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  • 4
    4
    vomdorf
    15.08.2018

    Warum muss der Mensch immer an irgendwas „rumschrauben“ ?
    Lasst die ganz normale Mitteleuropäische Zeit und gut.

    Für die Schichtarbeiter ist das ständige Wechseln eh ungesund, und unseren Kindern bekommt das frühe Aufstehen nicht.

    Wer arbeiten geht und zeitig aufstehen muss hat sowieso keine Zeit, abends lange draußen zu sitzen. Das wird ja gern als Argument angeführt, dass die Sommerzeit so was tolles sei.

  • 5
    4
    cn3boj00
    15.08.2018

    Wozu soll eine zweimalige Uhrumstellung im Jahr gut sein? Niemand, auch meine Vorredner hier, haben dafür eine sinnvolle Begründung. Was hat sich daran denn "bewährt"? Zum Glück können wir den Sonnenauf- und -untergang nicht beeinflussen. Wir können bestenfalls beeinflussen, ob wir morgens früher oder später aufstehen, abends früher oder später ins Bett gehen und wann wir gefühlt Mittag haben wollen. Das sollte aber jeder freiwillig für sich entscheiden, und nicht durch eine erzwungene Uhrumschaltung aufgezwungen bekommen. Das wichtigste Argument wäre eine gefühlt spätere Abenddämmerung, wenn die Sonne 1 Uhr statt 12 Uhr im Zenit steht. Unsere veränderte Arbeitswelt und neue Ansprüche an Familienfreizeit profitieren davon. Dies gilt aber im Sommer genau so wie im Winter. Der eine freut sich, wenn es im Winter statt 9 Uhr schon 8 Uhr hell wird , der andere würde sich freuen, wenn es erst 17 Uhr statt schon 16 Uhr dunkel wird - vor allem der Berufstätige. Wieso also sollte das ein Argument für die Zeitumstellung sein?
    Und die Ablehnung der Abschaffung damit zu begründen, dass es wichtigere Probleme gibt, ist ja nun an Engstirnigkeit kaum zu übertreffen: mit diesem Argument könnte man jedes Problem schönreden, denn es gibt immer ein wichtigeres. Wenn mit dieser Begründung Probleme nicht mehr angegangen würden wäre es traurig bestellt.

  • 5
    6
    Deluxe
    15.08.2018

    Ich habe für die Beibehaltung der bisherigen Regelung gestimmt.

    Freigeist14 hat die Gründe schon aufgezählt. Die ganze Debatte ist müßig - wir haben andere Probleme in Europa als die Zeitumstellung.

    Übrigens - am meisten "leiden" komischerweise im Bekanntenkreis immer diejenigen, die in ihren Urlauben Tausende Kilometer weit fliegen und mit 6-8-10 Stunden Zeitversatz dort dann keinerlei Probleme haben.
    Daraus folgt für mich der Verdacht, daß zumindest ein Teil dieser Probleme eher eingebildet ist als real.

  • 6
    7
    lothaar
    15.08.2018

    @freigeist: Ich kann ihnen nur voll und ganz zustimmen, sie haben es treffend zusammengefasst. Der Mehrwert besteht doch eindeutig darin seine aktive Zeit am Tag in den hellen Stunden zu verbringen. Dann ist der Mensch doch auch wesentlich produktiver und motivierter.

  • 9
    7
    Freigeist14
    14.08.2018

    Was heißt hier Unsinn !? Lässt sich kein ökonomischer Vorteil erzielen wird wieder über die Abschaffung salbadert. Die Sommerzeit lässt die schönen langen Abende zu und es wird nicht schon 3 Uhr hell . Und im Winter wird es statt 9 Uhr mit der MEZ 8 Uhr hell. Es hat sich so bewährt und das Gejammere der Zeitumstellungsgegner geht mir auf den Zeiger. Hypochonder können ja mal eine Nachtschicht-Woche mitmachen,wie ich und viele andere auch.



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