Eine Wette auf die Zukunft

Zum beschlossenen Lehrerpaket für Sachsen

Ein bisschen mehr Demut wäre vonseiten der CDU durchaus angebracht gewesen, als der Landtag am Dienstag einen vor Jahren noch undenkbaren Beschluss fasste. Da hatte es die Linke-Abgeordnete Cornelia Falken - als GEW-Funktionärin seit Jahren auf dem Kieker der Union - doch tatsächlich gewagt, die neu eingeführte Lehrerverbeamtung als "späte Rache der CDU" zu bezeichnen. Man kann diesen Vergleich durchaus für verunglückt halten - aber man muss der Bildungspolitikerin, deren beharrlich gestellte Anträge innerhalb der vergangenen 14 Jahre übrigens ausnahmslos abgelehnt wurden, weder "Hetze" noch "Lüge" noch "Demagogie" vorhalten - wie es ihr am Dienstag im Plenum widerfuhr.

Falken hatte offensichtlich die noch in der DDR ausgebildete Lehrergeneration im Sinn, die jahrelang Verzicht geübt hatte - als sie sich etwa bereit erklärte, in einer Phase zurückgehender Schülerzahlen zur Vermeidung von Kündigungen nur noch in Teilzeit zu arbeiten. Die Generation, die Sachsen in diversen Bildungsvergleichen ziemlich gut hat aussehen lassen - die aber nun einfach zu alt dafür ist, sich verbeamten zu lassen.

Mag sein, dass an dieser - parteiübergreifend von CDU bis Linke ungeliebten - Lehrerverbeamtung tatsächlich kein Weg vorbei führt, um den Unterricht der nächsten Jahre abzusichern. Mag sein, dass sich junge Leute gerade tatsächlich vom Beamtenstatus mit den verlockend schmalen Abzügen und der Aussicht auf Pension im Ruhestand so sehr leiten lassen, dass ein Verbleib nach dem Lehramtsstudium in Sachsen für sie sonst nicht infrage kommt. Doch wirklich wissen kann das keiner.

Bis vor kurzem wurde in Sachsens Union noch jeder schief angeguckt, der das Wort "Lehrerverbeamtung" auch nur in den Mund nahm. Dass sich das aufgrund bestimmter Umstände auch ändern und genau eine solche Korrektur auch ein Zeichen von Stärke sein kann, ist zweifellos richtig. Insofern sind die Argumente der CDU nicht von der Hand zu weisen, dass sowohl die "Rente mit 63" als auch die Abstellung von mehr als 500 Lehrkräften für den Unterricht von Migranten von der Landespolitik so nicht vorhersehbar und erst recht nicht beeinflussbar waren.

Nur: Allein entscheidend für die massiv fehlenden Lehrer waren diese externen Faktoren mit Sicherheit nicht. Das Versagen sämtlicher Frühwarnsysteme in einem der wesentlichen Kernbereiche der Landespolitik - der nun mal tatsächlich seit 1990 von der CDU geführt wird - darf durchaus hinterfragt werden.

Dazu gehört nicht nur das Agieren der bisherigen Kultusminister, sondern auch das der Verwaltung bei der (Nicht-)Gewinnung neuer Lehrer, beim Umgang mit älteren Pädagogen oder bei der Beurteilung, welche Möglichkeiten zur Vergütung der Lehrer im bundesdeutschen Tarifdschungel tatsächlich offenstehen. Wer Schulfrieden will und nun trotz der Lohnunterschiede auf ein Miteinander in den Lehrerzimmern hofft, sollte diese Haltung vorleben - auch im Landtag.

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1Kommentare
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    12.12.2018

    'Der Wurm muss dem Angler nicht schmecken.'

    Wer derart respektlos von einem Berufsstand spricht, der den Schülern 'solche Werte wie Ehrfurcht vor allem Lebendigen, Nächstenliebe, Frieden und Erhaltung der Umwelt, Heimatliebe, sittliches und politisches Verantwortungsbewusstsein' u.A. vermitteln soll, darf sich überlegen, ob er für die Position des Kultusministers die geeignete Person ist.

    Respekt verdient speziell die ältere sächsische Lehrergeneration, deren Gehalt bei gleicher Qualifikation heute noch unter dem der westdeutschen liegt.

    Die knappe Mehrheit der Angehörigen des Lehrerstandes in Sachsen gehört der Altersgruppe 50 Jahre und älter an, d.h. diese Lehrer haben ihre Ausbildung in der Ex-DDR genossen, haben mit hohen Kompetenz und großem Engagement den Umbruch und Neuaufbau des sächsischen Bildungswesens in der Wendezeit bewältigt und gestaltet, dominieren Pisa-Wettbewerbe, wurden dafür mit Teilzeitverträgen und Gehaltseinbußen von ihren Dienstherren 'belohnt' und sind heute zu 'alt', um die Vorzüge einer möglichen Verbeamtung genießen zu können.

    Sie gehören der Lehrergeneration an, die sich heute in allererster Linie um die bitteren Konsequenzen der schlampigen Arbeit der sächsischen Kultusminister der vergangen Jahrzehnte kümmern, indem sie wegen des grassierenden Lehrermangels bei der Betreuung und Anleitung von Seiteneinsteigern wertvolle Arbeit leisten.

    Man hat den Eindruck, das den Lehrern klargemacht werden soll, dass sich Engagement nicht lohnt.



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