Es braucht ein Wunder

Von Frank Hommel.

Sollten wir in diesem Jahr doch Weihnachten nicht nur im engsten Familienkreis feiern können, so wäre das ein Wunder. Es schaut nicht danach aus. Fast drei Wochen leben wir im Lockdown light, dennoch sinkt die Anzahl der Neuinfektionen in Sachsen nicht. Kritiker der Corona-Politik mögen einwenden, dass das weiter wachsende Infektionsgeschehen nur die Untauglichkeit der Maßnahmen demonstriert. Dem ist entgegenzuhalten: In anderen Bundesländern zeigt sich durchaus ein Effekt.

Warum nicht in Sachsen? Womöglich, weil wir uns zu sicher fühlen. Wir waren Corona-Musterland. Und noch immer findet die Pandemie vor allem im Radio, im Fernsehen, in der Zeitung statt. Uns betrifft sie meist "nur" in Form von Quarantäne, geschlossenen Kneipen, Maskenpflicht. Der Anblick des Leids in den Intensivstationen bleibt uns erspart. Hautnah aber spüren wir all die Maßnahmen. Es fällt schwer, ein Gefühl für deren Wichtigkeit zu entwickeln, da doch alles "normal" zu sein scheint.

Und dennoch ist es an der Zeit, dass wir uns am Riemen reißen. Ja, von 20 Kontakten am Tag sind womöglich 19 harmlos. Wir wissen aber nicht, wann doch dieser eine Fall kommt, in dem wir besser Abstand halten, Maske tragen. Wir werden es auch hinterher nicht wissen. Die Infektionsketten lassen sich nur noch lose rekonstruieren. Da hilft nur, jede Situation, jede Begegnung als potenzielle Infektionsgefahr zu erkennen. Und danach zu handeln. Das hat nichts mit Angst zu tun. Schon gar nichts mit Lieb- oder Gefühllosigkeit. Das Gegenteil ist der Fall. Die Vernunft weist uns den Weg aus dem derzeitigen Dilemma. Würden wir alle das stets beherzigen, die Pandemie verlöre in vier Wochen ihren Schrecken. Weihnachten wäre gerettet. Ich weiß, es käme einem Wunder gleich - einem Weihnachtswunder.

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