Es fehlten der Biss und Hosiners Tore

Es ist passiert: Nach nur einem Jahr muss der Chemnitzer FC die Dritte Liga wieder im Fahrstuhl nach unten in die Regionalliga verlassen. "Ohne Hosiner-Tore steigt der CFC ab", ahnte ein Kollege schon am zehntletzten Spieltag bei der verhängnisvollen 0:1-Heimniederlage gegen Großaspach. "Das wird schon wieder", beruhigte ich. Es wurde erst wieder, als nichts mehr zu retten war. Ich hatte keine Ahnung.

Es ist ein bitterer Abstieg. Einer, der sich in den vergangenen Wochen immer deutlicher ankündigte, der viele Ursachen hat, der vielleicht zu vermeiden gewesen wäre. "Der FSV Zwickau kann Abstiegskampf", lobte der Chemnitzer Trainer Patrick Glöckner den vorletzten Gegner. Und sagte damit gleichzeitig, was seinem Team nicht nur zum Saisonabschluss fehlte: die letzte Entschlossenheit, der letzte Biss, die hundertprozentige Konzentration auf diese eine, so überlebenswichtige Aufgabe.

Es gab in den vergangenen Wochen etliche Gelegenheiten, die ein, zwei, drei mehr nötigen Punkte für den Klassenerhalt einzusammeln. Doch zu lange fühlte man sich mit himmelblauer Gelassenheit sicher. Schließlich war es mit und vor allem dank Glöckner gelungen, die schon einmal totgesagte Truppe auf Vordermann zu bringen, mit sehenswertem und oft auch erfolgreichem Fußball aus dem Keller zu hieven. Und mit dem 1:0-Sieg über Schlusslicht Jena zum Re-Start nach der Coronapause schien alle Gefahr gebannt. Doch die lauerte weiter, wurde von Spieltag zu Spieltag bedrohlicher.

Keine Zeit, in diesen anstrengenden Wochen mit Partien aller drei Tage darüber nachzudenken. Und schon gar keine Zeit für den Trainer, um mit seinen Jungs an fußballerischen Details zu feilen. Es ging nur noch darum, bei jedem Match ein spielfähiges Aufgebot auf den Rasen zu schicken. Während Kontrahenten munter durchtauschten, auch schon mal die komplette Elf auswechselten, schwitzten beim CFC mehr oder weniger immer dieselben. Zu schmal war der Kader für eine Rotation ohne Qualitätsverlust, zu groß der Leistungsunterschied zwischen Stamm- und Wechselspielern. Glöckner hatte Ergänzungen auf der Bank, keine Verstärkungen. Keiner der Winterzugänge hat sich durchgesetzt, das Niveau bestimmten die Männer, die in der Saison davor den Aufstieg bewerkstelligten hatten oder im Sommer 2019 noch von Sportdirektor Thomas Sobotzik nach Chemnitz gelotst worden waren. Vor allem Philipp Hosiner. Der Österreicher kam als Ersatz für den öffentlichkeitswirksam entfernten Daniel Frahn und ließ den "Fußballgott" recht schnell vergessen. 16 Tore erzielte Hosiner von September bis Anfang März in 19 Partien. Eine Bank, eine Lebensversicherung. Dann war das Virus da. Corona hieß die Krankheit, von der sich der CFC und insbesondere Hosiner lange nicht erholten. Nach seiner Quarantäne brauchte der 31-Jährige zu viel Zeit, bis er seine alte Form wiederfand. Dreimal traf er beim Finale gegen Rostock. Es war zu spät.

Was nun aus dem CFC wird, ist ungewiss: Da ist ein Club ohne Mannschaft, wohl auch ohne Trainer, und ohne großes Geld, der ab August in der vierten Liga mitmischen wird. Mit Aufstiegsambitionen, wie der aktuelle Sportdirektor Armin Causevic berichtet. Daran zu glauben, fällt dieser Tage schwer. Aber vielleicht habe ich einfach keine Ahnung.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 12
    1
    Schwimmerin
    05.07.2020

    Traurig, immer wieder nur traurig ...
    Aber Corona kann nichts dafür!