Kostenfalle Strom

Zu Plänen der Stromanbieter, die EEG-Umlage zu erhöhen

Das erweckt nicht gerade Vertrauen in das geplante Klimapaket der Bundesregierung. Bekanntlich sollen im Gegenzug zu einer CO2-Bepreisung in den Sektoren Verkehr und Gebäude private Haushalte beim Strompreis ab 2021 entlastet werden. 2020 aber wird die Umlage zur Förderung von Ökostrom zunächst steigen, erklärten am Dienstag die Betreiber der großen Stromnetze. Dabei bezahlen Verbraucher in Deutschland europaweit nach den Dänen schon die höchsten Strompreise. Damit nicht genug: Auch die Netzentgelte, die ebenfalls ein Viertel des Strompreises ausmachen, sollen im kommenden Jahr ansteigen. Schlechte Nachrichten für die Stromkunden.

Das Motto der Regierung für ihr umstrittenes Klimapaket lautete vollmundig: "Wir wollen die Menschen nicht umerziehen, sondern sie mitnehmen." So wird das aber nichts. Rund drei Viertel des Verbraucherstrompreises sind mittlerweile staatlich veranlasste oder regulierte Preisbestandteile (Steuern, Abgaben und Umlagen), die den Strom teuer machen und ihn im Wettbewerb gegenüber anderen Energieträgern benachteiligen.

Wie sollen strombasierte Zukunftstechnologien wie etwa Wärmepumpen oder Elektrofahrzeuge einmal den Markt beherrschen, wenn der Strom zu teuer ist? Abgesehen von der Frage, woher der ganze Strom eigentlich kommen soll. Hier ist die Politik gefordert.

Die nun angekündigte Strompreiserhöhung ist kein Grund für Alarmismus. Mit der Erhöhung bleibt man unter dem Stand von 2018 und 2017. Umweltexperten sagen dass der Kostenscheitel der EEG-Umlage sowieso 2021 erreicht sein wird, weil erneuerbarer Strom heutzutage viel günstiger ist als früher. Verbraucher wollen verständlicherweise so wenig wie möglich für den Strom zahlen. Die jüngste Ankündigung der Stromanbieter ist daher ärgerlich. Aber andersherum: Eine Reduzierung der Umlage muss auch nicht zwangsläufig zu niedrigeren Strompreisen führen. Es würde damit ja nur die Kostenlast der Unternehmen reduziert. Ob die das dann an die Verbraucher weitergeben, ist völlig offen. Es ist eine Frage des Wettbewerbs. Die Hoffnung, mit einer Senkung der Umlage würden automatisch die Preise runtergehen, ist trügerisch. Das muss auch mal gesagt werden.

Strom ist ein knappes Gut, wenn man nicht allzu viel aus dem Ausland importieren will. Und es wird hierzulande knapper, je schwieriger es wird, aus einer Landschaft mit ökologischen und sozialen Widerständen mehr regenerativen Strom zu ziehen. Erst recht, wenn künftig auch noch der Wärmesektor und der Verkehr elektrifiziert werden sollen. Sollten wir alle daher nicht vor allem endlich dafür sorgen, dass mit Strom sorgsam umgegangen wird? Energieeffizienz und Stromsparen wird schon seit Jahren gepredigt, aber nicht umgesetzt. Erinnert sei an das Ziel der Bundesregierung: Bis 2050 sollen 25 Prozent Strom eingespart werden. Jetzt ist man gerade mal bei unter zwei Prozent.

Zur Wahrheit gehört auch: Das Versprechen auf immer mehr und immer billigeren Strom, damit die Party irgendwie weitergeht, wird nicht zu erfüllen sein.

Bewertung des Artikels: Ø 4.2 Sterne bei 5 Bewertungen
6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    0
    Tauchsieder
    17.10.2019

    Mit solchen Denksportaufgaben "Zeit....." sind einige der Kommentatoren überfordert.

  • 7
    0
    Hinterfragt
    17.10.2019

    Langsam wird die "Katze im Sack" sichtbar ...
    https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/klimapaket-aermere-haushalte-staerker-belastet-studie-a-1292010.html

  • 7
    0
    Zeitungss
    17.10.2019

    Liebe Stromfreunde, es ist erst der Anfang der kommenden Entwicklung was den Strompreis betrifft. Deutschland verschenkt seinen Strom bei Überangebot an das Ausland um das Netz stabil zu halten, solche Kuriositäten müssen auch finanziert werden, auch wenn es einige nicht wahrhaben wollen. Der Mineralölsteuerschwund in den nächsten Jahren wird auch noch umgelegt und so sollte sich jeder ein Bild machen wo die Reise mit dem Strompreis hingeht.

  • 17
    4
    ths1
    16.10.2019

    Erst wenn in Deutschland auch das letzte Kernkraftwerk, das letzte Kohlekraftwerk, das letzte Gaskraftwerk abgeschaltet ist, wird man merken, dass man saubere Luft nicht essen kann.

  • 20
    3
    Tauchsieder
    16.10.2019

    Ich möchte meinen Kommentar mit einem Zitat beginnen: - Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber -.
    Wie haben doch die "grün gestrickten Politiker" uns erklärt, je mehr von dem angeblich so grünen Strom ins Netz eingespeist wird, um so mehr sinkt der Strompreis.
    Jeder der einen halbwegs gesunden Menschenverstand besitzt wusste, dass dies nur eine Mogelpackung ist. Viele der Leserkommentatoren hier in der Presse sind auf diese "Bauernfänger" herein gefallen und glauben immer noch an das Gute im Menschen. Ruhig mal die freitäglichen Demonstranten, beim laden ihrer Handys, darüber aufklären. Dies ist noch nicht das Ende der Preisschraube, dass sollte jedem bewusst sein. Sobald das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht kommt der nächste Preissprung.

  • 14
    2
    saxon1965
    16.10.2019

    Bei der CO2-Bepreisung, also dem Versuch CO2 einzusparen, kann man sich dem Eindruck nicht erwehren, dass hier das "Brett an der dünnsten Stelle gebohrt werden soll". Nur Waren und Kraftstoffe zu verteuern, führt neben einem gewissen Rückgang der Nachfrage vor allem zu höheren Preisen für den Verbraucher und wer es sich leisten kann wird drauf gschi... Also vergrößert man damit auch weiter die Schere zwischen Reich und Arm.
    Man muss die waren Ursachen reduzieren. Wenn zum Beispiel im gleichen Umfang Milch importiert, wie exportiert oder andere Ware rund um den Globus transportiert wird, dann ist so etwas sinnlose CO2-Produktion.
    Bei der Stromerzeugung muss man sich als Deutscher fragen, was uns und der Welt die Abschaltung der Atomkraftwerke nutzt. Ja, A-Strom kann gefährlich werden und die Entsorgung der Brennstäbe ein teures Geschäft. Vielleicht sollte man daran forschen diese in die Sonne zu schießen?
    Solange jedoch unsere Nachbarn A-Kraftwerke betreiben, bleibt unsere Sicherheit eine trügerische und seht teuer obendrein.



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