Paukenschlag aus China

In der Lausitz soll ein Fahrzeugwerk für Elektroautos gebaut werden E-Autos

Der Wettbewerb in der europäischen Automobilindustrie um die künftigen Anteile auf dem Markt für Elektroautos gewinnt an Fahrt. Die Ankündigung eines chinesischen Investors, in Sachsen ein Fahrzeugwerk für Premium-Elektroautos zu errichten, ist ein Paukenschlag. Schon in zwei bis drei Jahren könnten damit die Karten in Europa neu gemischt werden. Ein neuer Anbieter, der bisher gar keine kompletten Fahrzeuge produziert hat, wird den etablierten Herstellern Konkurrenz machen. Das wird zu neuer Dynamik in Sachen Elektromobilität führen. Denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Die Ankündigung der chinesischen Investoren unterstreicht auch die These, dass der Umbruch in der Automobilindustrie vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb Chancen für ganz neue Unternehmen bietet. Dieser Strukturwandel hatte bereits mit dem Markteintritt von Tesla in den USA begonnen.

Dass die Investoren für die Elektromobilität aus China kommen, ist kein Zufall. In dem Riesenland entwickelt sich die Elektromobilität nicht zuletzt durch staatliche Vorgaben rasant. Im vergangenen Jahr stieg der Absatz von E-Autos in China um 64 Prozent auf fast 340.000 Fahrzeuge. Hinzu kommt, dass in der chinesischen Automobilindustrie in den vergangenen Jahren viel Geld verdient wurde, das jetzt auch auf anderen Kontinenten investiert werden kann. Seit Beginn des Jahrzehnts hat sich der Pkw-Absatz in China mehr als verdoppelt von 11,3 Millionen Autos im Jahr 2010 auf rund 23,7 Millionen Pkw im vergangenen Jahr. Die Investoren nutzen jetzt die Chance, mit der neuen Elektrotechnik auf dem westeuropäischen Markt gegen die etablierten Hersteller einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Für das Autoland Sachsen könnte diese Entwicklung zu einem neuen Wachstumsschub führen. Denn die Beijing WKW Automotive hat angekündigt, ein vollwertiges Fahrzeugwerk in der Lausitz zu errichten. Das bietet sächsischen Zulieferern die Chance, einen neuen Kunden zu gewinnen und an der Entwicklung der Elektromobilität teilzuhaben. Gleichzeitig ist die Investitionsentscheidung ein Signal für eine sächsische Region, die sich im Strukturwandel befindet. In der Braunkohleindustrie wird nicht noch über Jahrzehnte die Zukunft liegen. Jeder neue Investor ist da ein Hoffnungszeichen.

Aber die Investition aus China hat noch eine andere Dimension. Sie zeigt die weiterhin wachsende Bedeutung der Globalisierung selbst in Zeiten weltweiter Unsicherheit und eines zunehmenden Protektionismus, wie ihn derzeit US-Präsident Donald Trump zelebriert. Deutschland hat offene Märkte, wir laden nicht nur chinesische Investoren ein, in Sachsen zu investieren. Doch das darf keine Einbahnstraße sein. Die Welt braucht nachhaltige und wettbewerbsneutrale Rahmenbedingungen. Dabei sind Marktzugänge ohne Diskriminierung und die Sicherheit eines funktionierenden Rechtsstaats von großer Bedeutung. Direktinvestitionen und freier Handel gehören zusammen.

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1Kommentare
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  • 2
    1
    Interessierte
    04.05.2017

    Nunja , wenn die die Autos in China verkaufen wollen ; aber hier in D will die ja gar niemand ....
    Und Kritiker wie Dudenhöfer hatten heute früh im MDRInfo gewarnt .....
    Hier wird in der Lausitz wieder ein schönes Gelände mit ´Zweckbauten` bebaut , die irgendwann wieder leer stehen ...



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