Santos' Wandel verdient Respekt

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos erhält Friedensnobelpreis

Hand aufs Herz: Hätten Sie auf Anhieb gewusst, wer im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis bekommen hat? Es war das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Sicher eine gute Wahl. Die Uno, die Europäische Union oder US-Präsident Barack Obama waren schon Preisträger. Ob sie alle dem Geiste von Preisgründer Alfred Nobel entsprochen haben, ist zumindest zweifelhaft. Nach Nobel sollte der Preis an die gehen, die die "meiste oder beste Arbeit für die Verbrüderung von Nationen, für die Abschaffung oder Reduzierung stehender Armeen und für das Durchführen und Fördern von Friedenskongressen geleistet haben".

In der Gegenwart ist die Preisverleihung zumindest noch ein Symbol für die Hoffnung auf Frieden. Das gilt auch für den diesjährigen Preisträger Juan Manuel Santos. Er hat einen Friedensvertrag mit den Farc-Rebellen geschlossen. Schon allein deswegen ist Santos erst einmal eine gute Wahl des Nobelpreiskomitees.

Noch besser aber ist die Begründung des Komitees: Denn der Preis soll auch als Anerkennung des kolumbianischen Volkes gesehen werden, das trotz großer Not und Missbräuche die Hoffnung auf einen gerechten Frieden nicht aufgegeben habe. Leider hat eben dieses Volk den mühsam ausgehandelten Friedensvertrag jüngst in einer Volksabstimmung abgelehnt.

In dieser schwierigen Situation in Kolumbien kommt der Nobelpreis wohl gerade richtig. Er soll die Kolumbianer ermuntern und stärken, den begonnenen Friedensprozess weiterzuführen. Die Wunden des Bürgerkriegs sind tief, nicht alle wollen den neuen Weg mitgehen.

Kann man verstehen, aber zum Frieden gibt es nun mal keine wirkliche Alternative. Das dürfte auch Präsident Santos in seiner zweiten Amtszeit ab 2014 endlich so erkannt haben. Auch er hat Blut an den Händen. Er hat die Farc-Rebellen als Präsident und früher als Verteidigungsminister ebenso gnadenlos bekämpft wie sein gegenwärtiger Gegenspieler Álvaro Uribe. Der Santos-Clan gehört zu den mächtigsten im Land der Drogenbarone. Auch deswegen bleibt der neue Preisträgere eine eher undurchsichtige Figur. Aber sein persönlicher Wandel vom Krieger zum Friedensstifter - ob aus Einsicht oder aus anderen Gründen - verdient Respekt. Santos selbst geht jetzt nach der Entscheidung der Osloer Jury gestärkt in die Verhandlungen mit den Friedensskeptikern in Kolumbien.

Konkrete Aussichten auf Frieden nach 50 Jahren Bürgerkrieg - schon allein das wäre für andere Weltgegenden ein frommer Wunsch. Da muss man nicht nur nach Syrien schauen. Im übrigen hatte die Nobel-Jury in diesem Jahr so viele vorgeschlagene Anwärter auf den Preis wie noch nie. Gehen wir mal davon aus, dass nicht allzu viele Jux-Vorschläge darunter waren. Die Rekordzahl von "Preisverdächtigen" ist auch ein Parameter dafür, wie groß die Hoffnung auf und die Sehnsucht nach Frieden auf der Welt in diesen Tagen ist. Kriege werden schnell und oft auch skrupellos angezettelt, weil es eben unterschiedliche Interessen gibt. Der Weg zum Frieden hingegen ist ein unendlich mühsamer - wie Kolumbien gerade zeigt.

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