Was tun, wenn Schüler streiken?

Zur Aktion "Fridays For Future"

Liebling, die Kinder streiken! Nicht wegen Handy-Entzugs. Nein, in der Schule. Wegen des Klimas, wegen ihrer Angst, das ausbaden zu müssen, was ihre Eltern nicht geregelt bekamen. Dürfen die das, streiken, diese neunmalklugen Smartphonesklaven?

Um es kurz zu machen: nein. In Deutschland herrscht Schulpflicht. Ein Streikrecht für Schüler gibt es nicht. Und deshalb darf man nicht einfach schwänzen, auch wenn man das aus einem gewichtigen Grund tut, wie man glaubt. Tut man es trotzdem, muss man die Konsequenzen hinnehmen, die die Schule zieht, solange die in einem angemessenen Rahmen bleiben. Das ist Gesetz. Aber das ist nicht die ganze Geschichte.

Die Debatte damit zu beenden, verbietet sich. Haben sich die Erwachsenen nicht gerade darüber beschwert, dass Deutschland in der Regierungszeit Angela Merkels das Streiten verlernt habe? Und dann sollen wir den Kindern einfach sagen: "Ihr dürft das nicht, geht in die Schule? Ende der Debatte." Es wäre der Beweis, dass Erwachsene nicht mehr lernfähig sind.

Wenn Teenies und Jugendliche für ihre Interessen streiten, dann sind Eltern und Schulen gut beraten, dieses Engagement aufzugreifen. Zu Hause und im Unterricht. Der Streit um den Klimawandel passt in viele Schulfächer. Nicht als Belehrung, sondern als Befähigung der Kinder, ein Thema zu durchdenken, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln.

Die Aktion "Fridays For Future" zeigt zum einen, dass Kinder mehr im Kopf haben und sich über weit mehr Gedanken machen als nur über das Gelingen der nächsten Instagram-Story. Und sie lässt sie Erfahrungen machen, die kein Schulbuch vermitteln kann.

Durch ihr Engagement lernen sie, ihre eigenen Positionen zu vertreten. Sie werden aber auch erleben, dass sie nicht mit jeder Forderung durchkommen. Sie werden auf andere Meinungen treffen, auf Menschen, die beim Kohleausstieg zum Beispiel davon überzeugt sind, dass man der Lausitz nicht die nächste Deindustrialisierung einfach so zumuten kann, ohne sich um die politischen Folgen zu kümmern. Sie werden erfahren, dass auch die gute Gründe haben, die sich um die Energiesicherheit Deutschlands sorgen, wenn außer Wind und Sonne kein einheimischer Energieträger mehr zur Verfügung steht. Wenn es gut läuft, werden sie lernen, diese Argumente abzuwägen, Toleranz zu entwickeln.

Schule soll die Schüler zum "gestaltenden Mitwirken in der demokratischen Gesellschaft" befähigen. So formuliert es die Landesregierung auf ihren Internetseiten. Gut so. Aktuell wäre demnach zu klären, wie man es interessierten Schülern ermöglichen kann, für ihren Standpunkt einzutreten. Es liegt im Ermessen der Schulen, auf Antrag der Eltern, Freistellungen zu genehmigen. Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Auf jeden Fall aber wäre schon viel gewonnen, das Anliegen der Kinder im Unterricht aufzugreifen, in der Schule den Raum zu geben, über die Klimapolitik zu diskutieren. Vielleicht findet sich dann auch ein Weg, damit sich Schule und Protest nicht im Weg stehen.

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16Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    6
    Interessierte
    28.01.2019

    Hier noch etwas für die 8 roten Daumen :
    Unter "Schulschwänzer in Haft" findet man noch mehr

    In diesem Keller sollen die Schüler in der Haft untergebracht sein …
    Das wäre dann wohl noch schlimmer/schlechter als zu DDR-Zeiten

    https://behoerdenstress.de/halle-schulschwaenzer-in-haft-2016-kamen-204-schulkinder-in-den-arrest/

  • 2
    5
    Malleo
    27.01.2019

    Wer instrumentalisiert wird, und das darf man hier voraussetzen, ohne sich wehren zu können, ist immer Opfer zumal die Initiatoren bewusst Recht beugen, denn Schulpflicht geht vor Demorecht.
    Als sich erst kürzlich bayrische Polizei vor Flughäfen postierte, um Eltern mit ihren Kindern abzufangen, die es vorzogen, vor Ferienbeginn in den Flieger zu steigen, gab es keine medialen Beifallsstürme.
    Selbstverständlich haben Schüler auch in unserem Land das Recht zu demonstrieren – allerdings in der unterrichtsfreien Zeit.
    Die Initiative FfF und die Jugendorganisation der Grünen vereinnahmen trotzdem und ohne Skrupel die Schüler für ihre kollektive Klimahysterie zum Zwecke der politischen Indoktrination.
    Vergleiche zur DDR bieten sich hier zwanglos an.
    Der erlaubte Gang auf die Straße lässt aber noch ganz andere Schlüsse zu.
    Offensichtlich ist man im Rahmen des Lehrplans nicht allumfassend in der Lage- und hier böten sich viele Möglichkeiten in diversen Fächern an- die Klimathematik im normalen Unterricht zu vermitteln.
    Natürlich gehe ich davon aus, dass es sich ausschließlich bei den demonstrierenden Schülern um jene handelt, die die Klimaproblematik, ob durch Unterricht oder ihre klimabewussten Eltern vermittelt, verstanden haben.
    Leichte Zweifel ergeben sich bei mir aber insofern, dass in einem Land, wo der Schulbesuch inzwischen nicht nur kostenlos sondern oft auch umsonst ist, das wirklich auch so ist.
    Warum?
    Es gibt hinlänglich Beweise dafür, dass solche Zweifel durchaus berechtigt sein könnten.
    Wenn etwa jeder fünfte Zehnjährige nicht einwandfrei lesen kann, läuft es in der Bildungspolitik wohl doch nicht so, dass man das Verstehen der Klimathematik per se den Demonstranten unterstellen muss.
    Aber um gegen etwas zu sein, ist das auch nicht zwingend notwendig.
    Wem dieses Beispiel nicht reicht, dem sei auf das Selbstexperiment der ARD Starmoderatorin Frau Reschke in Klasse 6 einer Schule in Hamburg Wilhelmsburg verwiesen.
    Es ist selbsterklärend. (https://youto.be/Ew8frW54XGU.)
    In der Vorschau lassen die Bildungsabschlüsse dieser Schüler alles andere erwarten als über Zukunftsthemen argumentativ zu streiten oder gar sie zu gestalten.
    Deshalb sollte man mit sehr bescheidenen Schritten anfangen.
    Der Schulweg ist ab sofort ohne SUV der Eltern und mit dem öffentlichen Nahverkehr zu bewältigen.
    Wenn das aber nicht schon wieder ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte ist?

  • 6
    5
    Hinterfragt
    27.01.2019

    @Blackadder; es war mir neu, dass die Schüler bezahlt werden für's zur Schule gehen.

    Im Übrigen: wie Sie immer so schön bei anderen schwadronieren - Whataboutism - Ihrer Art, der ist natürlich gaaaaanz was anderes ...

  • 2
    3
    vomdorf
    27.01.2019

    Die wollten was für die Umwelt tun....keine Sicherheitsabfertigung- kein Flug- weniger Flugzeuge in der Luft....

    Hat im Prinzip aber nichts damit zu tun, dass Kinder mal nen Tag blau machen.

  • 7
    3
    grummholz
    26.01.2019

    Wenn man die Schule schwänzt und dann noch als Gutmensch dasteht, macht das Demonstrieren richtig Spaß.Welchen Grund gibt es eigentlich die Demo nicht Sonnabend oder Sonntag zu machen?
    Bei der angespannten Lage in unsrem Schulsystem ist die Freitags-Demo eib schlechtes Signal. Vielleicht war bei manchen am Freitag im Unterricht sogar Themen aus der Umwelt aktuell. Kommt nicht darauf an!!!

  • 3
    9
    Blackadder
    26.01.2019

    @vomdorf: Ehrlich, warum haben die Flughafenmitarbeiter letztens nicht in ihrer Freizeit gestreikt? Das hätte viele Flugausfälle verhindert!

  • 11
    4
    vomdorf
    26.01.2019

    Warum streiken die nicht sonnabends?

    Saturday For Future ....naja, da müssten sie ja ihre Freizeit opfern....

  • 5
    10
    Interessierte
    26.01.2019

    Für diese 4 roten Daumen :

    Außerdem müssen Schul­ver­wei­gerer, die älter als 14 Jahre alt sind, mit Bußgelder von bis zu 1.000 Euro rechnen. „Wenn die Jugend­lichen diese Geldbuße nicht selbst zahlen können, kann der Jugen­d­richter festsetzen, dass sie statt­dessen eine bestimmte Arbeits­leistung erbringen müssen“, sagt Rechts­anwalt Dr. Schulze.
    https://anwaltauskunft.de/magazin/leben/ehe-familie/schule-schwaenzen-welche-strafen-drohen
    >
    Es wurde in 181 Fällen eine Erzwingungshaft beim Amtsgericht beantragt.
    Das heißt, dass die Eltern im schlimmsten Fall ins Gefängnis müssen, wenn ihre Kinder die Schule schwänzen.
    https://www.huffingtonpost.de/entry/neukoelln-berlin-eltern-haft-schule-schwaenzen_de_5ae6d60ee4b04aa23f24a35f
    >
    Weil der 20-jährige notorische Schulschwänzer bislang nicht zahlte, muss er nun für mehr als zwei Monate hinter Gitter.
    http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bussgelder-nicht-bezahlt-schulschwaenzer-muss-63-tage-in-haft-a-763840.html
    >
    Niedersachsen schickte 2016 über 680 Schulschwänzer in den Jugendarrest
    Die zweitmeisten Schulschwänzer landen in Bayern im Jugendarrest: 336 waren es 2017. Es folgen Sachsen mit 200 Arresten
    Auch eine schöne Übersicht :
    https://www.vice.com/de/article/a3yme5/jedes-jahr-landen-weit-uber-1000-schuler-wegen-schulschwanzens-im-jugendknast

  • 7
    3
    Tauchsieder
    26.01.2019

    Mit schulfrei lockst du den Letzten hinterm Ofen vor. Ansonsten können sie weiter froh sein, davon hält sie niemand ab.

  • 4
    11
    Interessierte
    26.01.2019

    Um es kurz zu machen: nein. In Deutschland herrscht Schulpflicht …

    Das Ganze reicht aber noch nicht , um die Kinder einzusperren , wurde gesagt ...
    Und es hatte sich schon mal eine Schülerin aus dem Fenster gestürzt , weil sie abgeholt werden sollte ...
    Ich wußte gar nicht , dass man für das Schulschwänzen eingesperrt wird ...

    Ich kenne nur Arbeitspflicht und bei Verweigerung wurde man eingesperrt , das ist aber wohl heute nicht mehr so , es besteht ja wohl keine Arbeitspflicht mehr , wo jeder seines eigenen Glückes Schmied ist ..
    Aber wenn Erwachsene streiken , während der Arbeitszeit demonstrieren , das ist dann wohl nicht Arbeitsverweigerung , weil es keine Arbeitspflicht gibt ???
    Oder werden die in diesen Streik-Stunden nicht bezahlt , davon hat man noch gar nichts gehört ...

  • 6
    5
    kartracer
    26.01.2019

    @SimpleMan, und Nachts ist es kälter als Draußen.

  • 3
    8
    Distelblüte
    26.01.2019

    @Tauchsieder: Hätten Lehrer welcher Fachrichtung auch immer die Demos organisiert, würden sich die teilnehmenden Schüler jetzt nicht dem permanenten Vorwurf des Schuleschwänzens ausgesetzt sehen. Und seit wann folgen Teenager einer Bitte, stellvertretend (für wen eigentlich?) zu demonstrieren?
    Ich bin wirklich froh, dass junge Menschen selbst politisch aktiv werden, auch wenn das persönliche Konsequenzen haben kann.

  • 5
    6
    SimpleMan
    26.01.2019

    Die Jungen werden die Folgen des Klimawandels länger spüren als Ältere.

  • 17
    3
    Hinterfragt
    26.01.2019

    Dann sollten die Schüler auch alle zur Schule laufen oder den ÖPNV nutzen und sich nicht mit den Autos der Eltern chauffieren lassen, das wäre schon mal ein Anfang um die Umweltbelastung einzudämmen ...

  • 9
    4
    Tauchsieder
    26.01.2019

    Man kann sich an diesem Zhema abarbeiten oder auch nicht.
    Waren dies Aktionen z.B. von Sozialkundelehrerinnen/-lehrern organisiert, kamen die Kinder nur weil sie dadurch schulfrei hatten, geschah dies aus eigener Überzeugung oder wurden sie "höflichst" darum gebeten.
    Keiner sollte auf dem Rücken der Kinder sein Süppchen kochen. Da gibt es genügend schlechte Beispiele aus einem Staat der nur 40 Jahre existierte und 89` sang - und klanglos verschwand. Das erinnert einen fatal an den damaligen "Wahlspruch" dieser politisch missbrauchten Kinder - Seid bereit - immer bereit -.

  • 7
    6
    2drea5
    25.01.2019

    Dass die Kinder die folgenden Konsequenzen auch in der Schule erfahren, sollte der Unterricht aber auch in alle Richtungen ausgelegt werden. Es nützt ja nichts, wenn der SUV fahrende, rauchende, aus dem Kaffe to Go Becher trinkende Lehrer hier seinen Standpunkt und den der herrschenden Politik vermittelt.



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