10,2 Millionen Euro für Helmholtz-Institut

Für ein neues Technikum an der Chemnitzer Straße in Freiberg fließt europäisches Fördergeld. Die Metallurgen stellen damit die Weichen in Richtung Zukunft. Auch bei der Ausbildung tut sich etwas.

Freiberg.

Fördersegen für das Helmholtz-Institut Freiberg (HIF): Rund 10,2 Millionen Euro fließen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) für den Bau einer neuen Technologiehalle. Sie soll mit dem Hauptgebäude durch eine Brücke verbunden und mit modernsten technischen Anlagen ausgestattet sein.

Von Pyro- bis zur Hydrometallurgie wird auf den etwa 1100 Quadratmetern die ganze Breite metallurgischer Forschung abgedeckt. "Die Idee dazu gibt es bereits seit unserer Gründung im Jahr 2011", sagt Jens Gutzmer, einer der beiden Direktoren des HIF. "Als wir in das sanierte Gebäude an der Chemnitzer Straße zogen, war von Anfang an geplant, für die Metallurgie dieses neue Technikum zu schaffen", fügt er an.

Schon bei den Vorbereitungen arbeite man sehr eng mit dem wichtigsten Partner vor Ort, der TU Bergakademie, zusammen, berichtet sein Amtskollege, Professor Markus Reuter. "Wir wollen schließlich nicht, dass sich unser beider Möglichkeiten an irgendeiner Stelle doppeln", fährt er fort. Das Technikum werde eine wesentliche Ergänzung sein, "wir schließen damit eine Lücke".

Neben den metallurgischen Prozessen spielt die Digitalisierung eine wesentliche Rolle. In speziellen Messräumen können sämtliche Daten, die etwa in den Schmelzöfen anfallen, abgerufen werden. "Wir schauen sozusagen über die Sensorik in die Öfen hinein", erläutert Reuter.

Man werde nicht mehr nur im Labormaßstab, sondern im industriellen Maßstab arbeiten können, ergänzt Jens Gutzmer. Damit werde der Faktor Nachhaltigkeit in der Kreislaufwirtschaft stärker in den Fokus gerückt, denn unter praxisnahen Bedingungen können Wissenschaftler dann Simulationsmodelle überprüfen, die zur Bewertung des Material- und Energieverbrauchs von Technologien und Produkten entwickelt wurden. "Das kann man nur untermauern,wenn man gute Daten hat", so Markus Reuter. "Wir werden zeigen können, wo die Möglichkeiten und wo die Beschränkungen liegen."

Acht bis zehn neue Mitarbeiter wenigstens werden nach Bauabschluss zu den bislang 110 in Freiberg hinzu kommen. Mit dem Technikum verfüge man dann über Möglichkeiten, die in Europa einmalig seien.

"Wir haben nicht nur die Baugenehmigung erhalten, sondern auch die Genehmigung für den vorfristigen Baubeginn", sagt Simone Raatz, zuständig für das Wissenschaftsmanagement am Helmholtz-Institut Freiberg. "Am 20. August beginnen bereits die ersten Vorbereitungen durch das Unternehmen Landschaftsgestaltung, Straßen-, Tief- und Wasserbau Freiberg."

Ab dem 15. Oktober gehen die Arbeiten in die Hände des HIF über, am 17. Oktober folgt der symbolische erste Spatenstich. Ab März 2019 werden die Freiberger die Bauarbeiten beobachten können, und für das zweite Quartal 2021 peilt man die Fertigstellung des Projektes an. Vor rund zwei Jahren ist das sanierte Gebäude des HIF an der Chemnitzer Straße eingeweiht worden. Seither wird dort intensiv auf dem Gebiet der Ressourcentechnologie geforscht.

Dazu gehört zum Beispiel die Zertifizierung, die die Industrie- und Handelskammer Chemnitz für das Helmholtz-Institut Freiberg, das zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf gehört, im Juli vorgenommen hat. Dem HIF ist es damit möglich, ab dem Ausbildungsjahr 2019/20 erstmals ein bis zwei Ausbildungsplätze für zukünftige Chemie- oder Physiklaboranten anzubieten. Bislang konnte eine solche Ausbildung lediglich im bereits länger dafür zertifizierten Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf absolviert werden.

Um schon einmal zu testen und Erfahrungen als Ausbildungsbetrieb zu sammeln, waren im Juni und Juli aus Dresden dort bereits zwei angehende Physiklaboranten für ein dreiwöchiges Praktikum in Freiberg zu Gast.

Ab Oktober nimmt das HIF qualifizierte Bewerbungen entgegen. Noch ist nicht ganz geklärt, unter welchem IHK-Dach - dem in Chemnitz oder Dresden - die Ausbildungsverträge laufen werden. Doch wird darüber bald eine Entscheidung fallen. "Ein ganz wichtiger Schritt für unsere weitere Entwicklung hier am Standort", betont Jens Gutzmer.

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