Ärztepaar eröffnet Familienpraxis in Freiberg

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In der Region Freiberg fehlen aktuell 21 Hausärzte und drei Kinderärzte. Anne und Marcus Münch füllen ab 1. Oktober mit einer neuen Praxis gleich mehrere Lücken. Termine werden schon vergeben.

Freiberg.

Junge Menschen, Studenten, Zugezogene: Nicht jeder findet einen Hausarzt, zu dem er mit einer Erkältung oder einer Sportverletzung gehen kann. In Freiberg sind die Hausarztpraxen ausgelastet. Aktuell kommen 78 Hausärzte im Planungsbereich Freiberg auf 128.423 Einwohner. 21 Stellen sind unbesetzt (Stand: 1. Juli 2020). Das heißt drohende Unterversorgung. So teilt es die Kassenärztliche Vereinigung auf Anfrage von "Freie Presse" mit. Das sind quasi mehr als 1600 Patienten pro Arzt. Bei den Kinderärzten in Freiberg sieht es noch prekärer aus: Fünf Kinderärzte kümmern sich um 20.066 Kinder und Jugendliche im Versorgungsbereich Freiberg. Das sind gut 4000 Patienten pro Arzt. Drei Stellen sind unbesetzt.

Ein Lichtblick ist daher die Eröffnung der Gemeinschaftspraxis von Marcus und Anne Münch. Ab Oktober eröffnen die beiden Allgemeinmediziner ihre Praxis. Die Räume befinden sich im ersten Geschoss des neu gebauten Eckhauses Mönchsstraße 36. Sie sind großzügig gestaltet und hell eingerichtet; in der Mitte befindet sich ein mit Glas umgebener Empfangsbereich. Das Konzept des Ehepaares ist ein besonderes: "Früher haben Allgemeinmediziner Patienten von der Geburt bis zum Lebensende betreut. Da wollen wir ansetzen. So verstehen wir unsere Familienpraxis", erklärt Anne Münch (33). Die Ärzte bieten an, Familien als Ganzes zu betreuen. "Das verschafft uns viel Vorwissen über Vorerkrankungen oder Häufungen in der Familie." Hatte die Oma schon Rheuma, Arthrose oder Probleme mit der Schilddrüse, habe man bei den Nachfahren zumindest einen Anhaltspunkt und fängt nicht bei Null an. "Datenschutz und Schweigepflicht werden natürlich ganz genau eingehalten", betont Anne Münch. Während Marcus Münch eine Zusatzqualifikation in manueller Medizin hat, hat Anne Münch in ihrer Ausbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin viel mit Kindern gearbeitet, unter anderem in der Kinderklinik. Deshalb bietet sie nun auch Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen bei Kindern an und behandelt akute Fälle. Das kommt all jenen Eltern entgegen, die in Freiberg händeringend einen Kinderarzt suchen.

Um mehr Kinderärzte nach Freiberg zu holen, bietet die Stadt seit Jahren eine Ansiedlungsprämie von 10.000 Euro. Zunächst zeigte das Wirkung. Laut Stadtverwaltung hat 2010 Kinderärztin Evelyn Rehwald davon profitiert, 2014 dann auch Andrea Wagner. Wagner praktiziert jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr. Seit 2020 ist die Praxis geschlossen. Zwar werden Akutpatienten von anderen Freiberger Kinderärzten behandelt; für Vorsorge und Impfungen müssen Eltern allerdings nach Mittweida in die Facharztpraxis von Tom Geißler fahren. "Ich denke, dass wir die Freiberger Eltern entlasten können", sagt Anne Münch.

Weil auch etliche Hausärzte fehlen, unterstützt die Stadt seit 2019 Ärzte aller Fachrichtungen mit einer Ansiedlungsprämie von 5000 Euro pro Praxis. Ausgezahlt wurde der Zuschuss 2019 an den Hals-Nasen-Ohren-Arzt Daniel May sowie an die Allgemeinmedizinerin Stephanie Warnecke. Zudem werde Hilfe bei der Suche nach Praxisräumen, Wohnraum oder einem Kita-Platz geboten, heißt es.

"Dass wir uns in Freiberg niederlassen wollen, steht für uns schon lange fest", sagt Marcus Münch. Seit 2017 - da steckten beide noch in der Facharztausbildung - habe er sich verschiedene Immobilien angeschaut. Nichts passte. Eine bestehende Praxis zu übernehmen sei schwierig gewesen, sagt er, weil sie eben zu zweit praktizieren wollen.

Jetzt steht das Paar - Eltern von zwei Kindern im Grundschulalter - in den Startlöchern; zwei volle Facharztstellen wollen sie ausfüllen und perspektivisch bis zu 3000 Patienten im Quartal versorgen.


Nahezu überall offene Stellen

In Mittelsachsen drohen die Regionen Freiberg, Döbeln, Frankenberg und Hainichen mit Hausärzten unterversorgt zu sein. In Freiberg fehlen 21 Hausärzte, in Döbeln sowie Frankenberg und Hainichen fehlen jeweils acht Ärzte. Der Planungsbereich Mittweida steht gut da: Laut Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen (KVS) ist keine Stelle frei.Ansonsten seien in nahezu allen Planungsbereichen im Direktionsbezirk Chemnitz aktuell offene Hausarztstellen zu besetzen.

Bei den Kinderärzten sieht es vor allem in Freiberg kritisch aus. Laut KVS praktizieren fünf Ärzte. Drei mehr werden gebraucht, um die rund 20.000 Kinder und Jugendlichen im Planungsbereich adäquat versorgen zu können. Während Freiberg mit einem Versorgungsgrad von 72,3 Prozent zu kämpfen hat, sind im Planungsbereich Mittweida elf Kinderärzte tätig; das ergibt laut KVS einen Versorgungsgrad von 169,1 Prozent. (cor)

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    1
    FP1
    19.09.2020

    Ärztemangel ist Politikversagen. Man braucht nicht ein 1er Abbi um Medizin zu studieren.