Als wären die Arbeiter nur mal kurz Mittag essen

Im Technischen Museum "Alte Stuhlfabrik" demon-strieren Uwe und Jürgen Löschner seit 20 Jahren die Geschichte der Stuhlindustrie im Erzgebirge. Das Jubiläum ging ganz still vorüber.

Neuhausen.

15. August, ein ganz normaler Samstag, 120 Besucher steuern den Museumskomplex aus Nussknackermuseum und Technischem Museum "Alte Stuhlfabrik" in Neuhausen an. Dabei war es ein besonderer Tag: Vor exakt 20 Jahren wurde das Technische Museum eingeweiht. "Wir haben das Jubiläum nicht groß begangen", erzählt Museumschef Uwe Löschner. Zum einen habe die Familie erst kürzlich den 75. Geburtstag von Vater Jürgen Löschner und anschließend dessen 120-jähriges Betriebsbestehen gefeiert. Zum anderen stehe die Coronakrise im Raum, so der 49-Jährige.

In den 20 Jahren schufen Löschners neben ihrem Nussknackermuseum einen technischen Komplex, der in der Region seinesgleichen sucht. Dafür hatten sie 1998 einen an das Museum angrenzende leerstehende Industriebrache gekauft und wollten diese eigentlich für eine Erweiterung nutzen. "Wir merkten aber schnell, dass die Gebäude viel zu groß sind", erinnert sich Uwe Löschner. So setzte er sich mit seinem Vater zusammen, um über eine sinnvolle Nutzung nachzudenken.

Es dauerte nicht lange, und Vater und Sohn hatten ein Konzept in der Tasche. So sollte in dem Komplex vor allem die Geschichte Neuhausens als Zentrum der Stuhlindustrie für die Nachwelt erhalten bleiben.

Auf zwei Etagen wurde ein Produktionsablauf "Vom Brett bis zum fertigen Stuhl" aufgebaut. Dafür kauften die Löschners alte historische Holzbearbeitungsmaschinen zurück, die in drei Generationen in ihrem Maschinenbaubetrieb einmal produziert worden waren.

Speziell aus der Stuhlfabrikation sammelte die Familie bis zum Jahr 2000 insgesamt rund 200 verschiedene Stuhlmodelle. Sie dokumentieren die Stuhlproduktion von 1848 bis 2010. "Hier sieht es so aus, als wären die Arbeiter nur einmal zur Mittagspause gegangen", sagte Sigrid Israel aus Hüllhorst in Nordrhein-Westfalen. Sie ist eine von rund 25.000 Besuchern, die jährlich in dem Museumskomplex zu Gast sind.

"Im Ort gab es in den 1920er-Jahren 14 Stuhlfabriken, die zwischen 30 und 150 Mitarbeiter beschäftigten", weiß Vater Jürgen Löschner. Den 75-Jährigen freut ganz besonders, dass sein Sohn Uwe eine alte Maschinenbauwerkstatt in das Technische Museum eingliederte - mit Maschinen, die er, sein Vater und Großvater einst produziert haben. Bis 2003 sammelte Uwe Löschner zudem aus Abrisshäusern oder Haushaltsauflösungen Möbel, die ebenfalls im Technischen Museum an der Bahnhofstraße einen Platz fanden.

Seit 2011 bot ihm der ehemalige Neuhausener Harald Dittrich Modelle an, die die Historie des Ortes dokumentieren. Schloss, Brauerei, Stuhlfabriken - Harald Dittrich hat sie alle im Maßstab 1:100 gebaut. Zusammen sind es 30 Gebäude, die Harald Dittrich, der wegen einer Kinderlähmung, die ihn vor 71 Jahren befiel, im Rollstuhl sitzt. "Ich bin Harald Dittrich sehr dankbar. Seine Modelle sind für das Museum eine große Bereicherung, stellen sie doch ein Stück Geschichte unserer gemeinsamen Heimat Neuhausen dar", sagt Uwe Löschner.

Im vergangenen Jahr konnte eine Dampfmaschine eingeweiht werden, ein weiteres Zugpferd des Museums. Als jüngste Ausstellungsstücke sind 87 Zweiräder zu sehen, die von 1949 bis 1989 in der DDR hergestellt wurden. Sie sind eine Leihgabe der Familie Schwarz aus Warmbad.

"Mit dem Nussknackermuseum und dem Technischen Museum haben wir versucht, ein Ensemble zusammenzustellen, das die Holzkunst des Erzgebirges auf verschiedene Weise widerspiegelt", sagt Uwe Löschner.

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