Brander Kultur braucht neues Zugpferd

Hans-Jürgen Fischer will sich als Stadtvereinschef in Brand-Erbisdorf zurückziehen. Es droht eine riesige Lücke.

Brand-Erbisdorf.

Keine Seniorenveranstaltungen, keine Ausstellung "Hobby & Vereinsarbeit", kein Stollenmarkt, kein Stadt- und Haldenfest? Wie sich all das für die Stadt Brand-Erbisdorf anfühlen würde, davon hat das vergangene Jahr einen Vorgeschmack gegeben. Der Grund dafür: die Coronakrise. Doch es brauen sich Wolken zusammen, die dieses Szenario auch für eine virenfreie Zukunft in Aussicht stellen. Anlass dafür könnte der Rückzug von Hans-Jürgen Fischer vom Amt des Vorsitzenden des Stadtvereins Brand-Erbisdorf sein.

Diesen hatte der umtriebige Organisator, seit 2004 federführend, bereits im Oktober angekündigt, was im zweiten Lockdown aber unterging. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, warum das Thema im derzeitigen Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters der Bergstadt kaum eine Rolle spielte. In den Händen des Stadtvereins ruht die Koordination der oben aufgeführten Veranstaltungen, zu denen sich weitere Aktivitäten gesellen. Über einen Vertrag mit der Stadt, der bislang alle fünf Jahre verlängert wurde, regelte sich die finanzielle und praktische Unterstützung. Die letzte Vertragsverlängerung läuft am 31. Dezember 2022 aus. "Bis dahin erfüllen wir unseren Teil", so Fischer. Womöglich will er auch bis dahin Vereinschef bleiben. Doch eigentlich möchte er sich der in diesem Jahr anstehenden Wiederwahl nicht stellen. Aber ein Nachfolger bietet sich bislang nicht an.

Die Gründe für Fischers Rückzug sind vielschichtig. Zum einen wird er im kommenden Jahr 70 Jahre alt. Zum anderen läuft manches unrund. "Ich bin mittlerweile nicht mehr dazu da, dass die Dinge funktionieren, sondern um zu verhindern, dass sie nicht funktionieren", macht er seinem Unmut Luft. "Das kostet alles viel zu viel Kraft." Ein entscheidender Knackpunkt sei, dass im Rathaus inzwischen kein ordentlicher Ansprechpartner existiere, mit dem man die Organisation von Stadtfest oder Stollenmarkt anpacken könne. "Oberbürgermeister Antonow bemüht sich sehr und hilft, wo er kann", betont Fischer. Aber ein Kontakt für die kurzen Wege und Entscheidungen fehle.

Martin Antonow sagt dazu, dass er bereits gehandelt habe. "Anfang Februar stellte ich eine Mitarbeiterin im Bereich Soziales ein, die gleichfalls neue Ansprechpartnerin für kulturelle Belange der Stadt sein soll", sagt er. "Die institutionelle wie auch projektbezogene Vereinsförderung und Abrechnung selbst stehen seit letztem Jahr stabil auf personell neuen Füßen. Bewährter Partner soll und muss unter meiner Ägide der städtische Bauhof bleiben." Er stellt zudem das Geleistete des Vereinsvorsitzenden heraus. Dessen frühzeitige Ankündigung, das Amt abzugeben, nennt Antonow fair und verantwortungsvoll, ist sich aber der Probleme bei der Nachfolgesuche bewusst. "Wer nur versucht, in Herrn Fischers Fußstapfen zu treten, wird darin versinken!", stellt er fest. Feste, davon sei er überzeugt, wird es auch nach 2022 weiter geben.

"Der Verein muss mit weiteren Mitteln und Personal ausgestattet werden, damit er auch weitere Funktionen übernehmen kann", sagt OB-Kandidat Mirko Espig. "Meine Vorstellung ist, dass er nicht nur Veranstaltungen organisiert und durchführt, sondern auch das Stadtmarketing übernimmt." Um Planungssicherheit zu erreichen, würde er, im Falle eines Wahlsieges, darauf drängen, den Vertrag zwischen Stadt und Verein vorfristig zu verlängern. Die Nachfolgersuche wolle er aktiv unterstützen und eine Schnittstelle im Rathaus einrichten.

Sein Mitbewerber Michel Franz will noch mehr, indem er die Lokalitäten für Feste ausbaut und attraktiver machen möchte. Dazu gehört für ihn das Theater der Freundschaft als Begegnungsstätte oder der Ausbau der Reußenhalde als Eventstätte. "Es muss umgehend ein Nachfolger für Herrn Fischer gefunden und langfristig eingearbeitet werden", so Franz. "Ein Ansprechpartner in der Verwaltung ist für alle Vereine enorm wichtig. Dieser muss der Oberbürgermeister sein." Den Stellenwert der Kultur heben alle drei Bewerber hervor. Die zentrale Rolle des Stadtvereins ist ihnen bewusst. Ob die drohende Lücke rechtzeitig verhindert werden kann, muss sich noch erweisen.

www.freiepresse.de/ob-brand

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