Buntes Haus: Kochen mit armen Kindern wieder gratis

Schüler sollten im Mehrgenerationentreff 70 Cent für das Mittagessen zahlen. Da kam keiner mehr. Nach einer Anfrage der "Freien Presse" schwenkte die Hausleitung um.

Freiberg.

Nudeln in allen Variationen - das essen die Kinder im "Bunten Haus" auf dem Freiberger Wasserberg am liebsten. Davon kann der leidenschaftliche Hobbykoch Frank Hentschel ein Lied singen. Der rüstige Rentner bereitet in dem Mehrgenerationenhaus einmal wöchentlich gemeinsam mit Kindern aus oft sozial schwachen Familien ein Mittagessen zu. Die Schüler brauchten für die leckere warme Mahlzeit nichts zu zahlen. Doch dann entschied die Leitung des "Bunten Hauses", das sich in Trägerschaft des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland (CJD) Sachsen mit Sitz in Heidenau befindet, dass die Kinder einen Obolus von 70 Cent entrichten müssen.

Folge: Nicht ein einziges Kind nahm mehr an der mittäglichen Kochstunde teil. "Dabei war das Interesse erst so groß, dass sich die Teilnehmer sogar abwechseln mussten, damit jeder mal mitmachen konnte", berichtet Ehrenamtler Hentschel.

Auf Nachfrage von "Freie Presse" schwenkte die Leitung des Hauses um. "Künftig wird kein finanzieller Beitrag mehr für das gemeinsame Kochen mit Herrn Hentschel erhoben", erklärt Corinna Thamm, Referentin für Unternehmenskommunikation im CJD Sachsen. Das CJD werde den Beitrag weiter aus anderen Quellen finanzieren. Das habe der Träger nach erneuter Betrachtung beschlossen. Dabei sei auch der finanzielle Hintergrund vieler Familien berücksichtigt worden.

Muaiad Ibrahim ist seit Ende Juni Koordinator des "Bunten Hauses". Der in Syrien geborene, promovierte Jurist trat die Nachfolge von Sylvia Richter an, die im April vom CJD versetzt worden war. Ibrahim sagt: "Die von uns eingeführte Regelung, dass die Kinder für das Mittagessen einen kleinen Betrag zahlen sollte, hatte einen pädagogischen Hintergrund: Wir wollten damit eine Wertschätzung für Lebensmittel und gesundes Essen erreichen." Dann ergänzt er: "Aber der soziale Zusammenhalt und das Miteinander von Jung und Alt ist uns wichtiger." Deshalb werde die Obolus-Regelung wieder abgeschafft.

Seit dem Weggang von Sylvia Richter stand die Leitung des Hauses wiederholt in der Kritik. Besucher befürchteten den Wegfall von Angeboten für Senioren. Ehrenamtler kritisierten, dass sie nicht zu Veranstaltungen eingeladen wurden. Der neue Leiter Ibrahim bekräftigte indes sein Bemühen um ein Miteinander. "Wir suchen nach Lösungen", sagte er. Bis zum nächsten Jahr läuft die Finanzierung über ein Bundesprogramm.

Unterdessen freut sich Frank Hentschel, dass er wieder mit den Mädchen und Jungen kochen kann und die Kinder dafür nichts bezahlen müssen: "Das ist auch für die Eltern eine gute Nachricht", sagt er. "Vielleicht kochen wir Nudeln mit Tomatensoße, mit Gemüse oder mit Hackfleischsoße."

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