Der Kampf um Häuslebauer

In Bobritzsch-Hilbersdorf und Großschirma sollen neue Baugebiete entstehen. Doch dagegen regt sich in Freiberg Widerstand. Denn wegen des billigen Baulands im Umland könnte die Kreisstadt ins Hintertreffen geraten.

Freiberg.

In der Region buhlen die Kommunen offenbar verstärkt um Häuslebauer. Die Stadt Freiberg hat sich binnen kurzer Zeit gegen zwei Vorhaben von Nachbarorten ausgesprochen, die neues Bauland ausweisen wollen und dafür zunächst den Flächennutzungsplan ändern müssen. Baubürgermeister Holger Reuter führte jetzt im Bau- und Betriebsausschuss des Stadtrats am Beispiel der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf schwere Geschütze ins Feld. Er sprach von einer drohenden Abwanderung der Freiberger Bevölkerung und davon, dass die Stadt als Mittelzentrum dadurch geschwächt werden würde.

"Den Umlandgemeinden fällt es relativ einfach, Bauwillige abzuwerben", sagte Reuter. Mit diesem Satz zielte er auf das bestehende Preisgefälle. Während für einen Quadratmeter Bauland in der Bergstadt zum Teil sogar weit mehr als 100 Euro aufgerufen werden, sind es in den Nachbarorten deutlich weniger. An die 60 Euro dürften es im Schnitt nach Schätzungen des Großschirmaer Bürgermeisters Volkmar Schreiter (FDP) in seiner Kommune sein. Ähnlich die Lage in Bobritzsch-Hilbersdorf. Doch das Umland kann auch anderweitig punkten: Die Fahrtwege nach Freiberg mit seinen tausenden Arbeitsplätzen sind kurz. Vom nur acht Kilometer entfernten Niederbobritzsch braucht man kaum eine Viertelstunde hierher.

"Wir haben eine unheimlich hohe Nachfrage nach Bauland. Es vergeht wirklich keine Woche ohne einen Interessenten", erklärte Bürgermeister René Straßberger auf Nachfrage. "Wir müssen deshalb neue Gebiete ausweisen", fuhr der CDU-Politiker fort. In Summe sollen an neun Standorten, die sich auf die vier Ortsteile Naundorf, Hilbersdorf, Niederbobritzsch und Oberbobritzsch verteilen, rund 8,6 Hektar Bauland ausgewiesen werden. Somit wäre Platz für bis zu 90 Parzellen. Das geht aus den Unterlagen für den Freiberger Bau- und Betriebsausschuss hervor.

Bis die ersten Bagger anrollen und die Areale erschlossen werden, dauert es. Straßberger spricht von zwei bis drei Jahren, bis die Flächen vermarktet werden können. Ausnahme: In der Nähe der Gaststätte "Goldener Löwe". Hier entwickelt ein Privatinvestor gut 0,8 Hektar. Das soll schneller gehen.

Dass die Bergstadt den Nachbarkommunen nun Steine in den Weg legt, sieht René Straßberger gelassen. "Aus Freiberger Sicht habe ich dafür vollstes Verständnis. Aber wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Bauland zu schaffen." Der Stadtchef von Großschirma hingegen betont: "Ich weiß nicht, was die Freunde in Freiberg da reitet." Es handele sich, so Volkmar Schreiter weiter, nur um 20 neue Parzellen.

"Es geht nicht darum, Wohnbebauung im Umland zu verhindern", bemerkte Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) im Ausschuss. Allerdings biete Freiberg mit dem Theater, dem Johannisbad, den weiterführenden Schulen und weit mehr den Menschen eine Infrastruktur, die auch koste. Es gelte nur ein Stadt-Land-Gefälle zu verhindern.

Darüber, wie sich die Stellungnahme der Stadt Freiberg zu den Flächennutzungsplanen der Umlandgemeinden auswirkt, liegt dem Landratsamt eine Anfrage vor.

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