Die Schule war ihr zweites Zuhause - mindestens

Nach 43 Jahren im Schuldienst, davon 26 Jahre als Leiterin in Sayda, geht Ute Fichtner in den wohlverdienten Ruhestand. Nicht nur Schülern und Lehrern fällt der Abschied schwer.

Sayda/Dorfchemnitz.

Gründlich und konzentriert räumt Ute Fichtner ihr Schulleiterzimmer mit den vielen Akten und Büchern in der Saydaer "Max Rennau" Grundschule aus ihren Regalen. Immer wieder hält sie inne und blättert in diesem oder jenen Ordner. Es sind ihre letzten Tage als Leiterin der kleinen, aber feinen Grundschule in der Bergstadt. "Es ist unglaublich, was sich in diesen 26 Jahren hier angesammelt hat und vieles, an was ich mich sehr gern erinnere", so die scheidende Schulleiterin.

Deshalb bleibt sie auch an der von ihr geschaffenen und einer Kollegin weitergeführten Chronik länger hängen. Schließlich widerspiegelt die Chronik über zwei Jahrzehnte Zeitgeschichte der Schule. Hier wurde dokumentiert, wie Schulleiterin und Kollegium den Schülern eine gute Bildung und Erziehung vermitteln. Neben den vielen Ereignissen an der Schule spielt die Arbeit des Fördervereines eine große Rolle. Dessen Mitglieder sind seit mehr als 15 Jahren Partner der Schule und der Stadt. So hat der Verein einen entscheidenden Anteil bei der Ein- und Durchführung der Ganztagsangebote.

Die Namensgebung der Schule 2005, verbunden mit den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen der Bildungseinrichtung, wird Ute Fichtner noch lange im Gedächtnis bleiben. "Für uns alle war dies ein ganz tiefgreifendes Erlebnis. Max Rennau war für die Stadt Sayda als Kantor, Lehrer und Chronist ein ganz verdienstvoller Mensch - und Gottfried Kröner, der ebenso verdienstvolle Saydaer, der diesen Namen vorschlug, ein enger Vertrauter und Mutmacher für mich", erzählt Ute Fichtner.

Das "Wir" sei für ihre Leitungstätigkeit ganz wichtig gewesen. Eltern-Schüler-Lehrer, das sei bei der Dorfchemnitzerin der Grundsatz gewesen. "Alle, ob Jung oder Alt, ob Schüler, Lehrer oder technisches Personal: Alle wurden bei ihr ernst genommen", würdigt Diana Richter ihre scheidende Vorgesetzte. Wie sie auch alles sehr ernst genommen habe und dabei Perfektionistin sein wollte, versichert die Lehrerin.

Sie kam 1988 als Praktikantin zu Ute Fichter die Schule. "Ich hatte damals schon große Achtung vor ihr. Die Achtung ist geblieben, zudem hat sich ein schönes kollegiales Verhältnis entwickelt. Wir waren nicht immer mit allem einverstanden, was sie uns offerierte, doch am Ende wurde immer ein Kompromiss gefunden. Die Schule war ihr zweites zuhause", erzählt die Frau aus Friedebach. So habe Ute Fichtner vor sieben Jahren für die Erneuerung der Fassade sogar Geld gesammelt. Und wenn es am Schulhaus etwas zu tun gab, sogar selbst ins Portemonnaie gegriffen, berichtet Diana Richter.

Gerade in diesem Schulhaus hatten am letzten Tag Schüler. Lehrer, ehemalige Kollegen und technisches Personal Spalier gestanden, um so ihrer scheidenden Schulleiterin Danke zu sagen. Auch der Zustand des Gebäudes außen und innen gehörte für Ute Fichtner zu den positiven Lernbedingungen. Dinge zu erhalten, zu schonen, darauf legte die Schulleiterin besonderen Wert.

Bis 1975 studierte Ute Fichtner am Institut für Lehrerbildung in Löbau. 1983 fing sie als Unterstufenlehrerin an der Mittelschule Sayda an. Ihr Mann wollte damals als Tierarzt aufs Land, berichtet sie. Sie folgte dem Wunsch. 1992 wurde sie zur Schulleiterin berufen. Es war ihr immer wichtig, dass sie zu einem Zeitpunkt ihre Schüler und Lehrer verlässt, wenn sie noch fit ist. "Ich habe drei erwachsene Kinder und zehn Enkel. Nun kann ich mehr für sie da sein. Die körperliche Betätigung ist in der Vergangenheit immer zu kurz gekommen. Ich habe mir vorgenommen, mit meinem Mann gemeinsam zu wandern und meiner zweiten Leidenschaft, dem Fotografieren zu frönen. Ob ich die 43 Jahre Schule so schnell aus meinem Kopf bekomme, wage ich zu bezweifeln", erzählt die 63-Jährige doch ein wenig wehmütig.

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