Ehrenamtler: Man muss sein Herz sprechen lassen

Jan Uhlig aus Neukirchen singt im Posaunenchor, tritt bei Benefizkonzerten auf und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe. Nur bei einer Sache blieb ihm der Erfolg versagt.

Neukirchen.

Sucht man nach Synonymen für ehrenamtlich engagierte Menschen, fällt einem gern der Begriff "Helden des Alltags" ein. Der wird von den Betreffenden aber gar nicht so gerne gehört. Auch Jan Uhlig hebt abwehrend die Hände und sagt kopfschüttelnd: "Nein, das bin ich nun sicher nicht."

Allerdings muss er damit leben, dass andere das anders sehen. Etwa Bernd Hubricht (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Reinsberg, zu der Neukirchen gehört, wo Jan Uhlig lebt. "Herr Uhlig engagiert sich schon über zehn Jahre ehrenamtlich in vielen Bereichen für unsere Bevölkerung", schrieb Hubricht an das Landratsamt und schlug vor, Jan Uhlig in diesem Jahr im Sächsischen Landtag für sein Tun zu würdigen.

Anfang Dezember saß Jan Uhlig tatsächlich im Plenarsaal und bekam mit anderen Ehrenamtlern eine Urkunde überreicht. "Eine sehr schöne und gelungene Veranstaltung", sagt er. Aber noch immer sieht er es so, dass andere die Ehrung womöglich mehr verdient hätten als er.

Der 46-Jährige kommt aus einer christlich geprägten Familie. Sein Vater ist Kantor an der Kirche Neukirchen. Jan Uhlig arbeitet in Freiberg als Rettungsassistent beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Gelernt hat er aber etwas anderes. "Ich war zunächst Fußbekleidungskünstler, also Schuhmacher", sagt er. Das änderte sich mit der politischen Wende. Er leistete beim DRK seinen Zivildienst und entdeckte dabei, dass diese Arbeit für ihn die richtige ist.

Als eine wahre Leidenschaft begleitet ihn die Musik durch das Leben, die ihm zu guten Teilen sein Vater Rainer vermittelte. Im Posaunenchor spielt er mit, singt auch im Projektchor Neukirchen/Dittmannsdorf. Seine Gesangsausbildung erhielt er übrigens bei Peter Rülke, dem Leiter des Freiberger Stadtchores. Gemeinsam mit anderen oder als Solist tritt Jan Uhlig bei Benefizkonzerten auf, mit denen gemeinnützige, kirchliche Projekte unterstützt werden.

Hervorzuheben ist auch sein Engagement für zwei Flüchtlinge aus Syrien, Vater und Sohn, die seit Ende 2015 in Neukirchen untergebracht sind. Jan Uhlig unterstützt die beiden beispielsweise bei Einkäufen, Behördengängen oder der Beschaffung von Möbeln. Der offenherzige und freundliche Mann wird ernst und nachdenklich, wenn er davon spricht. "Ich stelle mir vor, wie es mir ginge, fern der Heimat in einem fremden Land", sagt der Neukirchener. "Man muss nur sein Herz sprechen lassen, um zu helfen." Und das tut er nicht allein, sondern er findet immer wieder Menschen, die ihn unterstützen.

Bei einer anderen Sache blieb Jan Uhlig der Erfolg versagt. Seit langem möchte Jan Uhlig das Gebäude der alten Schule Neukirchen retten, welches mehr und mehr verfällt. Trotz zahlreicher Unterstützer und einer guten Summe auf dem Spendenkonto kam nicht genug Geld zusammen, um Haus und Grund zu erwerben.

Das gesammelte Geld ging an die Spender zurück, und die alte Schule sieht weiter einem ungewissen Schicksal entgegen. "Falls der momentane Besitzer das Gespräch sucht, stehen ihm die Türen nach wie vor offen", sagt Jan Uhlig. Dennoch habe er den Traum, dass wieder Leben in das verwaiste Haus einzieht, noch nicht ganz aufgegeben hat.

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