Ein Opernthriller mit viel Gefühl

Menottis "Der Konsul" hat am Samstag Premiere in Freiberg. Ob Primadonna, Dirigent, Regisseur - er lässt keinen kalt.

269 Aufführungen hat die Oper "Der Konsul" des italo-amerikanischen Gian-Carlo Menotti einst 1950 am Broadway erlebt. Inzwischen wird die bewegende Geschichte eher selten aufgeführt. Dabei ist die Handlung überaus aktuell: Es geht um eine Familie auf der Flucht und ihr Ringen um die nötigen Formalitäten. Auch deshalb hat das Freiberger Theater den Opernthriller in sein Repertoire aufgenommen. Am Samstag, 19.30 Uhr hat "Der Konsul" Premiere.

Die Oper packt die Akteure. Das konnten die rund 60 Besucher zur Matinee am Sonntagvormittag erleben. Zum einen, als Intendant Ralf-Peter Schulze, musikalischer Leiter Juehon Han und Musikdramaturg Christoph Nieder den "Konsul" vorstellten. Zum anderen, als Hauptdarstellerin Leonora Weiß-del Rio (Magda Sorel), der neue Bariton Andrii Chakov (John Sorel), die Mezzosopranistin Dimitra Kalaitzi-Tilikidou (Sekretärin im Konsulat) und die gastierende Altistin Karin Goltz (Mutter) musikalische Kostproben boten.

Die Menschenwürde ist ein Hauptthema des "Konsuls", sagte Ralf-Peter Schulze, der selbst Regie führt. In einer Schlüsselszene stellt Hauptfigur Maria Sorel verzweifelt fest, dass man in einem Konsulat niemandem sein Herz erklären kann und Menschen zu einer Nummer werden. Juheon Han (Foto) nickte: "Ich selbst habe in der Ausländerbehörde solche Situationen erlebt - das ist wirklich so", sagte der 1. Kapellmeister, der 2009 aus Südkorea nach Deutschland kam. Und Menottis Musik, die an dessen Vorbilder Puccini, Debussy und Prokofjew angelehnt sei, strahle Wahrhaftigkeit aus. Musikdramaturg Nieder ergänzte, dass Kritiker Menotti auch als "Puccini für Arme" titulierten. Der Erfolgskomponist habe gekontert: "Besser ein Puccini für Arme als ein Boulez für Reiche."

Leonora Weiß-del Rio hat den Komponisten Gian-Carlo Menotti (1911-2007) einst selbst bei einem ersten Vorsingen als Opernsängerin für eine Rolle im internationalen Rahmen kennengelernt. "Ich erinnere mich, wie er mir sagte, dass meine Stimme schön sei und dass ich mir mehr Zeit für die Phrasierung lassen sollte", sagte die Sopranistin im Gespräch mit "Freie Presse". Menotti wollte mit seiner Musik die Gefühle der Zuhörer treffen. Dazu Weiß-del Rio: "Er war also ein Komponist des Verismo - dem gesteigerten Realismus. Ich bin in dieser Musik zu Hause, was durchaus kulturelle Hintergründe hat." Dennoch sei ihr das Lernen der Partie nicht leicht gefallen. "Ich dachte, diesen Berg niemals erklimmen zu können", sagte sie und ergänzte: "Doch nach und nach, mit der Hilfe von guten Korrepetitoren wie Juheon Han und Jörg Pitschmann fanden sich Musik, Text und Ausdruck zusammen." Die zweite große Herausforderung seien die Emotionen gewesen, denn die Partie gehe - im Gegensatz zu den klassischen Opernpartien - mehr in die Schauspielerei. In ihrer großen Szene schildert Magda Sorel verzweifelt, händeringend, aber auch vorwurfsvoll der Sekretärin des Konsulats ihr Schicksal. "Beim Lernen musste ich da die Partitur oft beiseite legen, weil das Schicksal der Magda Sorel mich persönlich auch berührt hat", erzählte die Primadonna. Sie habe aber mit der Zeit einen Weg gefunden, die Partie zu leben, ohne sie persönlich zu erleben.

Wechsel zwischen den Welten: Auch in der "Fledermaus" des Walzerkönigs Johann Strauss hat Weiß-del Rio eine Hauptrolle. Die gebürtige Argentinierin dazu: "Es ist nicht selbstverständlich, heute große Oper und morgen heitere Operette zu interpretieren." Und in einem Theater mit kleinem Ensemble habe man auch oft nicht viel Zeit, sich auf die nächste Oper vorzubereiten. "Aber wir haben Erfahrung und wissen, was wir an Vorbereitung für die nächste Vorstellung benötigen", so Weiß-del Rio. Und natürlich finde sie die Fledermaus und den Konsul "herausfordernd und interessant, die eine lustig, verführerisch und die andere tragisch und existenziell".

Am Wartenummer-Automaten im Theaterfoyer, den die Stadt Freiberg vor der Neuinszenierung des "Konsuls" zur Verfügung gestellt hat, konnten die Besucher Nummern ziehen. Wer die Nummern 171, 177 oder 198 gezogen hat, kann sich über je zwei Freikarten für die Premiere des "Konsul" am Sonnabend freuen und im Theater bei Sprecher Nieder melden.

Karten für die Premiere sind noch ab 11 Euro erhältlich. Nach der Vorstellung findet die Premierenfeier in der Weinbar im Theater statt.

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