Emotionaler Brief an einen Hühnerdieb

Züchter Toni Knorr aus Wechselburg sind nachts acht Rassehühner aus seinen Ställen gestohlen worden. Er hat einen ungewöhnlichen Weg gewählt, um seine Tiere eventuell wiederzubekommen.

Wechselburg.

Es ist der Morgen des Buß- und Bettages, als Toni Knorr wie immer die Tür zum Hühnerstall in seinem Garten öffnet. Doch an diesem 20. November ist etwas anders als sonst. "Ich sah nur noch zwei Hähne auf der Stange sitzen. Auch im nächsten Stall fehlten einige Hühner und im dritten Stall auch", erinnert sich der Züchter aus Wechselburg. Zwei Hähne und sechs Hennen der Rasse "Federfüßige Zwerghühner" in den Farben schwarz und porzellanfarbig hatte ein vermeintlicher Hühnerdieb in der Nacht aus den Ställen geholt, wie auch die Polizei bestätigt. Toni Knorr ist sauer, denn er hatte am Abend zuvor die Tiere extra für eine Ausstellung schick gemacht.

"Drei der Tiere wollte ich am Donnerstag bei einer Schau in der Nähe von Würzburg zeigen", sagt der 33-Jährige. So habe er leider nur die "B-Mannschaft" schicken können. Noch tiefer aber sitzt der Ärger, dass sich jemand unerlaubt Zutritt zu seinem Grundstück verschaffte. Er vermutet, dass der Täter bewusst aus jedem Stall einige Tiere entnahm, damit der Verlust nicht gleich bemerkt wird.

Aber der Diebstahl sei Toni Knorr sofort aufgefallen. Ihm gehe es nicht so sehr um den materiellen Wert, den ein solches Rassehuhn habe. Dieser liege bei ungefähr 50 Euro pro Tier.

Bedeutsamer sei der ideelle Wert. "1997 habe ich als Grundschüler mit der Zucht angefangen. Mein Großvater hatte mir damals einige Hühner geschenkt. Seitdem bin ich dabeigeblieben", so Toni Knorr, der auch Vorsitzender des Rassegeflügelzüchtervereins Wechselburg und Umgebung 1924 ist. Die gestohlenen Tiere hatten im April das Licht der Welt erblickt. Toni Knorr zog die Küken fachmännisch groß.

Der Begriff "groß" ist dabei relativ, denn die gestohlenen Tiere dieser Rasse sind eher klein von Wuchs, haben aber auffällige Merkmale: Federn an den Füßen und einen federnen Bart an jeder Wange. "Der Dieb war wohl kein versierter Züchter", vermutet Toni Knorr. Denn er habe nicht die besten Tiere mitgenommen. Da zum Essen nicht viel dran sei an solch einem Huhn, geht der Wechselburger davon aus, dass der Dieb die Tiere wohl für eine gewöhnliche Geflügelhaltung und nicht für Zuchtzwecke benötige. Am meisten aber ärgert ihn, dass seine kleine Tochter ihr Lieblingshuhn Heike, das besonders zutraulich war, verloren hat.

Auf Anraten eines Arbeitskollegen habe er dann einen emotional geschriebenen Brief auf seine Facebook-Seite gestellt.

Die Resonanz sei überwältigend gewesen, sagt er. Ein Zuchtfreund habe Toni Knorr drei Tiere verkauft, damit er seine Zucht fortsetzen kann. Denn von 20 Tieren seien ihm nur noch zwölf geblieben. Nun hofft der Züchter, dass er Hinweise bekommt, dass eventuell der Täter die Hühner zurückbringt oder die Polizei den Fall aufklären kann. Da einige der gestohlenen Hühner zur Rassegeflügelschau an diesem Wochenende in der Muldental Agrargesellschaft in Cossen gezeigt werden sollten, muss er sich mit Ersatz begnügen.

Wie Polizeisprecherin Doreen Göhler auf Anfrage der "Freien Presse" mitteilt, dauern die Ermittlungen zu diesem Fall noch an. "Aus der Erfahrung heraus lässt sich sagen, dass es im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz vereinzelt zu Anzeigen wegen Diebstählen von Tieren, zum Beispiel auch Hasen, kommt. Jedoch bildet das keinesfalls einen Schwerpunkt."

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