Esse droht auf Straße zu stürzen

Der Nachbar einer Industriebrache in Neuclausnitz schlägt Alarm. Vorsorglich lässt die Gemeinde eine Straße sperren. Der Besitzer der Möbelfabrik ist nicht aufzutreiben.

Rechenberg-Bienenmühle.

Rathauschef Michael Funke (parteilos) gibt dem Kritiker Recht. "Die Esse droht auf die Straße zu stürzen", sagt der Bürgermeister. Der bewusste Schornstein gehört zu einer maroden Möbelfabrik im Ortsteil Neu-clausnitz, die seit Jahren vor sich hin rottet und deren in Berlin lebender Besitzer Funke zufolge Schreiben der Gemeindeverwaltung Rechenberg-Bienenmühle seit Jahren ignoriert. Auch für die "Freie Presse" war der Mann gestern nicht erreichbar.

Es war Anlieger Wolfgang L., der nun Alarm schlug. Er befürchtet, dass der Schornstein auf sein Grundstück fällt - und informierte Behörden und auch die Polizei. Daraufhin ließ die Gemeinde die angrenzende Straße Am Zeisingberg für Fahrzeuge komplett sperren. "Wir geben die Straße erst wieder frei, wenn die Gefahr beseitigt ist", stellte Funke gestern nochmals klar.

Der Bürgermeister steht bereits in Verhandlung mit der Kreisverwaltung. Wenn Gefahr droht und der Besitzer nicht eingreift, muss das Landratsamt handeln. Dessen Sprecher André Kaiser teilte gestern auf Anfrage mit: "Über einen Abriss der verbliebenen baulichen Anlagen gibt es noch keine abschließende Entscheidung."

Die Behörde ist nicht zum ersten Mal mit der Fabrik befasst. So hatte das Amt wegen "akuter Gefahrenlage" bereits 2015 einen Teil der einstigen Möbelfabrik abreißen lassen. "Auf Kosten des Eigentümers", versichert der zuständige Hauptamtsleiter Thomas Drechsel von Rechenberg-Bienenmühle. Auch damals sei von einzelnen Gebäudeteilen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgegangen. Laut Gemeinde drohte das komplette Dach einzustürzen. Dies hätte zur Folge gehabt, so die Sorge, dass der freistehende Giebel auf die Straße fällt.

Funke fragt sich, weshalb die Esse und der ebenfalls verbliebene Aufzugsschacht nicht gleich mit beseitigt wurden. Dabei hatte ein Experte schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass der Schornstein einsturzgefährdet ist. Das sagt jedenfalls Anlieger Wolfgang L.. Er präsentiert eine Expertise (eine Kopie liegt der Redaktion vor), die zu dem Schluss kommt, dass vom Schornstein "eine akute Gefahr für den öffentlichen Verkehrraum" ausgeht.

Bürgermeister Funke mahnt nun eine rasche Lösung an. Am liebsten wäre ihm, die Industriebrache würde sofort dem Erdboden gleichgemacht. Wie bei seinem Vorgänger Werner Sandig würden auch gegenwärtig sämtliche Kontaktversuche mit dem Besitzer ins Leere laufen. "Wir bleiben aber hartnäckig", betont Funke. Vom Gemeinderat hat er Rückendeckung. Das Gremium hat erst im Vorjahr beschlossen, das fragliche Gebiet "Am Zeisingberg" neu zu gestalten.

Ziel ist ein Bebauungsplan, wonach das gesamte Areal renaturiert werden könne. "Vor allem aber wollen wir dort die Löschwassersituation und den Hochwasserschutz verbessern", sagt Funke. Zudem reagiere die Gemeinde damit auf Kritik der Anlieger, die seit Längerem eine optische Aufwertung des Gebietes fordern.


Kommentar: Gesetzeverschärfen

Das Problem ist nicht neu: Kommunen müssen sich mit Industriebrachen herumschlagen, die in Privathand sind. Auch Rechenberg-Bienenmühle bleibt davon nicht verschont. Doch was nützt es, wenn zwar die Gemeinden und Städte den Besitzer einer Schrottimmobilie verpflichten dürfen, den Abbruch durchzuführen, aber der nicht reagiert. Das kostet der Verwaltung nur unnötig Zeit und Geld. Bleibt offenbar nur, die jeweiligen Gesetze zu verschärfen, damit Kommunen und Landkreise handlungsfähig sind. Denn Industriebrachen verschandeln das Ortsbild und wirken wertmindernd für die umliegende Grundstücke.

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