Heimarbeit in der Corona-Zeit: Überlebens-Pack für Alltag "daheeme"

Neun Wochen ohne Schule, ohne Kindergarten, ohne Büroalltag. Eva-Maria und Frank Hommel haben mit ihren drei Kindern zu Hause gelernt, gearbeitet und gelebt. Und festgestellt, was man in einer solchen Situation (nicht) braucht.

Freiberg.

So, nun geht es also wieder los. Die Welt bekommt unsere Kinder wieder. Zugegeben, man hätte sich weniger Ratlosigkeit dabei gewünscht. Kühn war die Strategie des Freistaats, Gruppen und Klassen in Kita und Grundschule nicht zu teilen. Nun teilt ein Gericht Bedenken, ob das so gut ist. Und damit entscheiden jetzt die Eltern allein, ob der Nachwuchs in der Schule lernt oder daheim. Glücklich, wer nun nicht ins Grübeln kommt. Unsere Kinder aber sind seit einer Woche auf Kita und Schule eingestellt, das stoßen wir nicht wieder um. Und drücken die Daumen, dass all die Recht behalten, die sagen, dass es möglich ist. Die Zeit daheim mit Job und Kindern war trotzdem lehrreich. Und da niemand ausschließen kann, dass diese Zeit bald wiederkommt, haben wir eine Liste unserer Überlebenstools gemacht.

Flüssigseife: Dass diese heiße Ware zeitweise ausverkauft war, liegt auch an uns. Die Kinder waschen mit Leidenschaft ihre Hände und veranstalten eine Schaumparty im Badezimmer. "Händewaschen ist wichtig", sagte der Mittlere, "aber nicht zu wichtig".

Kaffee: Wenn zwei Leute zu Hause arbeiten, und nicht wie sonst nur einer, dann wird nicht doppelt so viel Kaffee getrunken. Sondern viermal so viel: "Trinkst du einen Kaffee mit?" "Najaaa, wenn du eh einen kochst ..."

Regenbogen: Gleich zu Beginn der Isolation malten Kinder in ganz Europa einen bunten Bogen aufs Fenster - ein Zeichen der Hoffnung. Unserer hat inzwischen ein paar Kratzer im Lack, aber wir nehmen ihn trotzdem mit in die "neue Normalität". Zumal er dafür sorgt, dass man beim Essen in der Küche nicht ganz so von der Sonne geblendet wird.

Nachrichtenpause: Was ist wichtiger - die Nachrichten oder die Ruhe davor? Für Journalisten eine schwierige Frage. Aber wenn schon ein Vierjähriger fragt, ob denn am Radio jetzt auch Corona ankommt, dann ist es Zeit zum Abschalten.

Lehrer: Und natürlich Lehrerinnen. Das sind Menschen, die Kindern nicht nur das Einmaleins beibringen. Sondern auch Strukturen zum Lernen schaffen und immer wieder für Motivation sorgen. Brauchen wir. Wer mal für ein paar Wochen mit Eltern als Hauslehrer klarkommen musste, der weiß das.

Erzieherinnen: Und natürlich Erzieher. Sie schickten Briefe mit Bastelideen und Rezepten. Macht nichts, dass die Kinder den Löwenzahnhonig nicht essen. Sie haben gemerkt: Jemand denkt an uns und gibt sich für uns Mühe.

Masken: Neudeutsch "Mund-und-Nasen-Schutz". Nach den ersten Einkaufstouren mit dem hässlichen Gesichtsschmuck schickte eine freundliche Leserin sechs selbstgenähte Masken. Später kam ein Paket aus Japan: Die Mutter unseres früheren Gastschülers hat die ganze Familie mit Atemschutz ausgestattet. Fernöstliche Rosenmuster und Fußbälle schmücken nun unsere Gesichter. Der Mittlere aber zieht sich seine Schlafanzughose über den Kopf und ruft: "Das ist eine Atemschutzmaske!"

Internet: Gerne meckern wir darüber, wie es unser Leben dominiert. Doch wenn es mal nicht funktioniert, vermissen wir es schmerzlich. Spieleabende und Geburtstagskaffee mit der weitverstreuten Familie - das wäre ohne Internet nicht möglich gewesen. Arbeit schon gar nicht. Also: "Daheeme" brauchen wir das Internet. In den Wald müssen wir es aber nicht mitnehmen.

Maus: Seit Corona gab es täglich eine Sendung mit ihr (und Elefant und Ente). Die Maus war für uns und unsere Kinder Lehrerin, Erzieherin, Nachrichtenpause, Regenbogen und Energieschub. Danke, Maus. Du bist die Größte. www.freiepresse.de/heimarbeit

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