Lebensretter trauern um geschlossene Spendezentrale

Mit einem symbolischen Trauergebinde und Blumen für die Schwestern ist Henning Pätz nach seiner 208. Blutspende noch einmal ins Kreiskrankenhaus gekommen. Der Anlass war ein trauriger.

Freiberg.

Wie oft Henning Pätz den Weg zur Blutspendestation im Kreiskrankenhaus gegangen ist, lässt sich genau beziffern. 208 Mal ließ sich der Freiberger Uhrmachermeister hier etwas von seinem Lebenssaft abnehmen, um damit ehrenamtlich, also unentgeltlich, zu helfen. Am Dienstag kam Pätz zum letzten Mal hierher, und diesmal nicht, um Blut zu spenden, sondern um seinem tiefen Bedauern darüber Ausdruck zu verleihen, dass an jenem Tag die Station wohl für immer ihre Pforten geschlossen hat - nach bald 65 Jahren.

Kathleen Weser, Medizinisch-Technische Laborassistentin, ist eine von ehemals zehn Mitarbeiterinnen der Blutspende im Krankenhaus. Sie wird weiterhin ihren Dienst im Labor verrichten. Auch sie ist sehr bewegt, als Henning Pätz ihr zum Dank für all die Jahre einen Blumenstrauß überreicht. "Das geht mir wie allen anderen von der Station sehr nahe", sagt sie.

Die Geschäftsleitung der Gesundheitseinrichtung hatte lange versucht, das Ende der Station zu verhindern. Es scheiterte daran, dass keine Nachfolge für die im März ausgeschiedene Leiterin gefunden wurde. Am 22. Juni wurden zum letzten Mal Blutspenden abgegeben, acht Tage die Zentrale geschlossen.

Mit einem Kondolenzgebinde zeigte Henning Pätz im Namen der rund 2000 Blutspender des Kreiskrankenhauses seinen Unmut darüber. "Wir waren Lebensretter mit Leidenschaft und gaben Blut von unserem Blut", steht auf einer der Schleifen. "Es bleibt eine letzte Hoffnung, dass es noch einmal wiederbelebt werden kann", sagt Pätz. In das Gesteck hat er seine Urkunden flechten lassen, die er in all den Jahren für seine Spenden erhalten hat. Aufhören will er auf keinen Fall, und am liebsten wäre ihm, könnte er, ebenso wie alle anderen Spender, nun beim Deutschen Roten Kreuz sein Blut abgeben. Dessen Blutspendedienst Nord-Ost hatte am Montag mitgeteilt, dass man künftig einmal im Monat in Freiberg zum DRK-Ausbildungs- und Technikstützpunkt an der Halsbrücker Straße kommen kann, um dort zu spenden. Erster Termin ist der 9. Juli.

"Das ist prinzipiell schon einmal gut", meint Pätz, der bemängelt hatte, dass das DRK in der Silberstadt keine ständige Blutspendeeinrichtung hat, sondern vielmehr über die Dörfer ziehe. "Aber einmal im Monat ist viel zu wenig, wenn man bedenkt, wie viele regelmäßige Spender nun eine neue Möglichkeit brauchen, nachdem das Kreiskrankenhaus als Anlaufpunkt fehlt."

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