Nach 28 Jahren als Bürgermeister: Volker Haupt kündigt Rückzug an

Anfang 2019 stehen in der größten Gemeinde im Raum Freiberg Bürgermeister-Wahlen an. Erstmals seit 1990 steht dann ein Name nicht auf dem Wahlzettel. Wer kann in seine Fußstapfen treten?

Niederbobritzsch.

Ein perfekter freier Tag, sagte Volker Haupt einmal im Interview, sehe für ihn so aus: "Früh aufstehen und durchs Revier pirschen. Danach ein ausgiebiges Frühstück mit meiner Frau, Zeitung lesen und den Rest des Tages mit der Familie auf unserem Grundstück verbringen." Die Zeit ist nicht mehr fern, da bekommt der langjährige Bürgermeister von Bobritzsch-Hilbersdorf viele Gelegenheiten für solche Tage. Bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend kündigte der 1960 geborene Haupt seinen Rückzug an. Bei der für 27. Januar anberaumten Bürgermeisterwahl steht der Name des CDU-Mannes nicht mehr auf dem Wahlzettel.

Seit 1990 sitzt er auf dem Chefsessel im Niederbobritzscher Rathaus. Zunächst nur für seinen Heimatort, ab 1994 für den Zusammenschluss mit Oberbobritzsch, Naundorf, Sohra. 2003 wurde er obendrein ehrenamtlicher Bürgermeister in Hilbersdorf - und führte auch diesen Ort in den Verbund. Wenn gleich unter Widerstand: Ein Bürgerentscheid, mit dem die Initiatoren die Selbstständigkeit Hilbersdorfs erhalten wollten, scheiterte nur knapp.

Als Bürgermeister erlebte Haupt zwei Kreisreformen, zwei Hochwasser sowie (bislang) drei Kanzler und vier Ministerpräsidenten. Mittelsachsens CDU-Chef Sven Liebhauser erinnert an sieben Bürgermeister-Wahlen, die Haupt gewann. "Seine Ausgeglichenheit und seine Heimatliebe haben die Dörfer östlich der Kreisstadt geeint und zu einem stabilen Faktor im ländlichen Raum gemacht", sagt Liebhauser.

Nicht nur in der nach Einwohnern drittgrößten Kommune der Altkreise Freiberg und Brand-Erbisdorf hinterließ Haupt Spuren, sondern auch im Kreistag, im Verwaltungsrat der Kreissparkasse, im Aufsichtsrat des Kreiskrankenhauses. Politisch macht der freundlich und verbindlich auftretende Politiker - Zitat: "Ich ärgere mich nicht über andere Menschen, sondern versuche, sie zu verstehen" - keinen Hehl aus seiner kritischen Haltung gegenüber der Bundespolitik unter Angela Merkel. Ähnlich wie Parteifreunde in Freiberg plädierte er nach der jüngsten Bundestagswahl dafür, mit den "klugen Köpfen", die es auch innerhalb der AfD gäbe, das Gespräch zu suchen.

Er sei in sein Amt hineingewachsen, sagte Haupt nun im Gemeinderat. "Als Bürgermeister musst du sehen, dass du die Stimmungen und Probleme aufnimmst." Seinen Abschied kommentierte er mit den Worten: "Jegliches hat seine Zeit."

Die Gemeinde schwimme in ruhigerem Fahrwasser. Das verdeutlichte auch ein Blick in die Finanzen. So sind die Schulden auf etwas unter 4 Millionen Euro, 693 Euro pro Kopf, deutlich gesenkt. So sei es ein guter Zeitpunkt, das Steuer zu übergeben, auch wenn zum Sentimental-Werden noch Zeit bleibe. Schließlich hofft er, im Frühjahr noch den ersten Spatenstich für den erhofften Kita-Neubau in Niederbobritzsch zu übernehmen.

Wer aber kann in diese Fußstapfen treten? CDU-Mann Liebhauser wollte keinen Namen nennen, sagte aber, dass die Partei einen jungen Mann ins Rennen schicken werde. Ins Profil passt der Oberbobritzscher CDU-Gemeinderat René Straßberger, der bereits als 2. Stellvertreter fungiert und jüngst bei der Organisation des Maibaum-Setzens den Hut mit aufhatte. Es gilt vielen im Ort als offenes Geheimnis, dass die CDU auf ihn setzt. Er selbst wollte dazu gestern offiziell nichts sagen und verwies auf die noch ausstehende Nominierungsveranstaltung.

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