Neues Wohnbauprojekt umstritten

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

An der Leipziger Straße in Freiberg sollen Wohnhäuser entstehen. Gut 40 Stellungnahmen dazu gibt es. Der Naturschutzverband droht mit Klage.

Freiberg.

Der Ruf nach Wohnraum, speziell nach Wohneigentum, ist in Freiberg groß. An der Leipziger Straße, nahe dem Ortsausgang an der Bundesstraße 101, planen Investoren den Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Doch der Bebauungsplan ist umstritten. Der Naturschutzverband Sachsen lehnt das Projekt aus Biotop- und Artenschutzgründen ab und will dies möglicherweise auch gerichtlich durchsetzen. Nach Ansicht des Verbandes werde "die Grundstruktur eines Biotops völlig zerstört", wie Verbandsvorsitzender Tobias Mehnert erklärt.

Das Gebiet umfasst insgesamt 19.638 Quadratmeter. Davon gehören - so weist es der Entwurf des Bebauungsplanes aus - 19.100 Quadratmeter den Investoren, 538 Quadratmeter der Stadt Freiberg.

Seit November vergangenen Jahres existiert die überarbeitete Entwurfsplanung, eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen. Derzeit, so heißt es aus der Stadtverwaltung, liegen etwa 40 Stellungnahmen zum Planentwurf vor. Dies sind nach den Worten von Martin Seltmann, Leiter des Stadtentwicklungsamtes, sowohl private als auch Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange. In dieser Woche sollen, nach Fristverlängerung, die letzten Meinungsäußerungen eingehen.

Der Naturschutzverband Sachsen lehnt das Bauvorhaben ab. Die Gründe dafür hatte der Verband bereits im Mai 2019 dargelegt und sie Anfang April dieses Jahres erneuert. Das Dokument liegt der "Freien Presse" vor. Über allem stehe der Biotop- und Artenschutz in dem Gebiet, wie Verbandsvorsitzender Tobias Mehnert erklärt. Zudem führt der Verband weitere Fakten an, die einer Bebauung entgegenstünden.

So sei eine großflächige Versiegelung auf etwa zwei Hektar geplant, wodurch sich die Hochwassergefahr für das unterhalb liegende Münzbachtal verschärfe. "Der Abfluss ins Münzbachtal wird bei Niederschlagereignissen erhöht - ohne Alternative", erläutert Tobias Mehnert mit Blick auf aus seiner Sicht schon bestehende Probleme in der Hochwasservorsorge der Stadt Freiberg. Außerdem werde durch eine Bebauung Wald im Grüngürtel von Freiberg zerstört, was aus Gründen des Klimaschutzes kontraproduktiv sei. "Die im Planentwurf angeführten Ausgleichspflanzungen in Gränitz, einem Stadtteil von Brand-Erbisdorf, haben nichts mit Freiberg zu tun. Sie sind für die Stadt nicht von Nutzen", so Tobias Mehnert weiter. Auch das Angebot des Hammerberges als Eingriffsausgleich könne nicht angerechnet werden. Dort habe ein erheblicher Eingriff in Natur und Landschaft stattgefunden. So seien 15.000 Quadratmeter Wald und Gehölz zerstört worden, außerdem ein etwa 1500 Quadratmeter umfassendes Amphibienlaichgewässer mit Bauschutt von abgerissenen Garagen verfüllt worden, wie es in der Stellungnahme des Verbandes heißt. "Wir regen an, das Bauvorhaben zurückzuziehen. Im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung werden wir die Argumente weiter vertiefen", fasst Tobias Mehnert die Stellungnahme zusammen.

Aus Sicht der Stadt ist es nun Ziel, über den Sommer gemeinsam mit dem Planungsbüro die Einwände und Stellungnahmen zu prüfen und auszuwerten. "Wir versuchen, alle Belange zu berücksichtigen", kündigt Stadtentwicklungschef Martin Seltmann an. "Danach werden wir entscheiden, wie der weitere Weg aussieht", sagt er. Die Planungshoheit für das Vorhaben liege bei der Stadt. Wenn alle Einwände geprüft seien, Abwägungen vorlägen und in die Unterlagen eingearbeitet seien, werde dem Stadtrat die Planung erneut vorgelegt. Die Investoren äußerten sich auf Nachfrage der "Freien Presse" zum Vorhaben nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    gelöschter Nutzer
    06.05.2021

    Hat die Stadt Freiberg ihre Bringeschuld zu Eingriffsausgleichmaßnahmen aus vorangegangenen Projekten eigentlich schon eingelöst, oder ist man da noch im Hintertreffen?
    Bevor man hier ein neues Projekt in Angriff nimmt, sollte man sich doch erst einmal von seinen alten Schulden befreien und nicht noch mehr oben drauf setzen. Man könnte sonst den Überblick verlieren. Bei der Bilanzierung der Eingriffsausgleichmaßnahmen für die Stadt, im Rahmen des Arten- und Biotopschutz, ist ein erhebliches Defizit festzustellen. Was gedenkt hier Freiberg zu unternehmen?
    Inwieweit hat der Planungsträger für dieses Bauprojekt einen ordentlichen Artenschutzbeitrag vorgelegt?
    Hat der Pl.tr. eine komplexe Biotopstrukturierung vorgenommen?
    Hat der Pl.tr. sich über die dort vorkommenden geschützten Vogelarten eingelassen?
    Und was gedenkt der Pl.tr. für den Artenschutz zu unternehmen?
    usw..
    Falls nicht, wird es richtig eng für dieses Projekt, um nicht zu sagen aussichtslos.