Spritziges Löschfahrzeug rollt nach Mulda

Das reichlich 270.000 Euro teure Gefährt wurde von den Muldaer Feuerwehrleuten heiß ersehnt. Denn die Brandschützer mussten über zwei Jahre ohne einen Tanker auskommen. Das bisherige Einsatzfahrzeug hatte Totalschaden.

Mulda.

Freude und Erleichterung zugleich: Die Freiwillige Feuerwehr Mulda hat ihr neues Tanklöschfahrzeug erhalten. Unlängst rollte das reichlich 270.000 Euro teure Gefährt auf den Hof des Muldaer Feuerwehrgerätehauses. "Ab der Gemeindegrenze im Zethauer Oberdorf bis zu seiner neuen Heimat in Mulda hatten die Feuerwehrleute aus Helbigsdorf und Zethau das neue Löschfahrzeug eskortiert", berichtet Gemeindewehrleiter Gerd Saring. In Mulda wurde das neue Auto mit einer zünftigen Wassertaufe und einem kleinen Feuerwerk begrüßt. Bürgermeister Reiner Stiehl (Freie Wähler Mittelsachsen) und mehrere Brandschützer betonten, dass eine große Lücke im Fahrzeugbestand nun endlich wieder geschlossen ist.

Denn Muldas früheres Tanklöschfahrzeug war im April 2018 auf der B 101 zwischen Großvoigtsberg und Obergruna verunglückt. Zwei Kameraden der Muldaer Feuerwehr erlitten schwere Verletzungen. Die beiden Männer waren mit ihrem vollgetankten Löschfahrzeug in einer S-Kurve kurz vor Obergruna von der nassen Fahrbahn abgekommen - und das auf dem Weg nach Leipzig zu einem Fahrsicherheitstraining.

Ein Rettungshubschrauber musste den schwer verletzten 35-jährigen Fahrer in die Klinik nach Dresden fliegen. Der 45 Jahre alte Beifahrer wurde zunächst ins Freiberger Krankenhaus, später ebenfalls nach Dresden gebracht. Inzwischen sind die beiden Feuerwehrleute laut Recherchen der "Freien Presse" genesen und arbeiten wieder. Am Tanklöschfahrzeug entstand bei dem Unfall nach Polizeiangaben ein Sachschaden in Höhe von rund 200.000 Euro - Totalschaden.

Das neue Löschfahrzeug wurde von vier Muldaer Feuerwehrleuten aus der Nähe von Freiburg im Breisgau abgeholt. "Auf Grund der zeitweisen Reisebeschränkungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus konnte es nicht direkt aus dem Herstellerwerk in Italien abgeholt werden. Von dort bis zu einem Servicepartner der BAI Sonderfahrzeuge GmbH wurde es durch eine Spedition überführt", so Saring.

Das Löschfahrzeug wurde mit der Versicherungssumme für das Unfallfahrzeug, dem Erlös aus dem Verkauf des Unfallautos, Haushaltsmitteln der Gemeinde und Fördergeldern des Landes, die vom Landratsamt ausgereicht wurden, finanziert. Es hat einen Wassertank mit einem Volumen von 3000 Litern. Neben der Ausrüstung zur Brandbekämpfung sind in dem Auto Geräte zur technischen Hilfeleistung untergebracht: Nasssauger, Hochdrucklüfter und Notstromaggregat. In der Fahrzeugdoppelkabine ist Platz für sechs Einsatzkräfte, im Feuerwehrjargon ist das eine Staffel. Zwei Feuerwehrleute können sich bereits auf der Anfahrt zum Brandobjekt mit Atemschutzgeräten ausrüsten. Ein Wendestrahlrohr und ein pneumatisch ausfahrbarer Lichtmast runden die Ausstattung ab.

Mit Ankunft des neuen Löschfahrzeugs wurde der bis dahin in Mulda stationierte Mannschaftstransportwagen nach Zethau umgesetzt. "Die etwa 30 Kameradinnen und Kameraden der Zethauer Feuerwehr können also künftig mit ihrem Löschfahrzeug LF 10 und dem Mannschaftswagen zu Einsätzen ausrücken und brauchen ihre privaten Pkw nicht mehr zu nutzen", so Gemeindewehrleiter Saring.

Seit Mitte der 1930er-Jahre ist in Mulda durchgängig ein Tanklöschfahrzeug stationiert. Laut Saring stellte das Fehlen eines Fahrzeuges mit Wassertank in den vergangenen beiden Jahren eine große Herausforderung für die Feuerwehrleute dar. "Bei zahlreichen Bränden mussten die Nachbarwehren mit ihren Fahrzeugen zu uns ausrücken", so der Gemeindewehrleiter. Und er fügte hinzu: "Wollen wir alle hoffen, dass das Tanklöschfahrzeug möglichst wenig ausrücken muss und - wenn es benötigt wird - immer wieder heil nach Hause kommt." Machen Sie mit!Sachsens große Tageszeitungen und die Evangelische Hochschule Dresden möchten dem Lebensgefühl von Familien in Sachsen auf den Grund gehen. Bitte nehmen Sie sich Zeit für den Fragebogen. Ihre Daten werden streng vertraulich behandelt und ohne Personenzuordnung ausgewertet. Als Dankeschön können Sie Preise gewinnen. www.freiepresse.de/familienkompass


82 Aktive im Kampf gegen Flammen, Tod und Trockenheit

31 Retter gehören der Truppe der Muldaer Wehr an. Weitere 51 Frauen und Männer sind in den beiden Ortswehren Helbigsdorf und Zethau im Einsatz. Die Alters- und Ehrenabteilung besteht aus 31 und das zugehörige Blasorchester aus 10 Mitgliedern. Nachwuchs bilden die Muldaer ebenfalls aus: 17 Kinder und Jugendliche erhalten das Rüstzeug, Feuerwehrmann zu sein. "Aufgrund der guten Nachwuchsarbeit haben wir derzeit keinen Einsatzkräfte-Mangel", sagt Gemeindewehrleiter Gerd Saring. Neue Mitglieder seien bei den Aktiven und beim Nachwuchs dennoch gerne gesehen (ab 8 Jahren).

Zu 27 Einsätzen mussten die drei Ortswehren 2019 ausrücken; 23 entfielen auf die Muldaer. Die größten Einsätze: ein Wohnhausbrand in Zethau, die Brände eines Vierseitenhofes in Nassau und mehrerer Wohnwagen in Lichtenberg, in denen Monteure der Erdgastrasse wohnten. Die Kollision zweier Autos bei Dorfchemnitz, Sturmschäden, Ölspuren, Türnotöffnungen sowie kleinerer Einsätze riefen die Kameraden auf den Plan.

Aufgrund der trockenen Jahre ist es laut Feuerwehrchef Saring schwierig geworden, Löschwasser aus kleineren Bächen und Teichen zu zapfen - teils waren die Gewässer versiegt. "Gerade bei Wald und- Flächenbränden fehlte es schmerzlich." Ohne Hilfe der Nachbarwehren hätte Mulda ein Problem gehabt. (hh)

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.