Vom Sorgenkind zum Musterschüler

Kita, Turnhalle, Grundschule, Sportverein: Bei den Investitionen in Bobritzsch-Hilbersdorf 2019 kann wieder jeder Ortsteil bedacht werden. Auch dank der Entwicklung der jüngsten Zeit.

Bobritzsch-Hilbersdorf.

Kennen Sie noch die uralte Fernseh-Werbung mit den Färbetabletten für Zahnbelag? Ein Kind schluckte die Tablette, sah in den Spiegel, und jedes Mal wieder: Oooooh - alles rot! Gefährlicher Zahnbelag. Polieren dringend notwendig. Natürlich mit der richtigen Zahnpasta.

Es gab eine Zeit, da mag sich Sven Stebel gefühlt haben wie das Kind in der Werbung. Als nämlich im Frühwarnsystem des Freistaats Sachsen der Haushalt der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf nicht selten als "kritisch" eingestuft und mit der niedrigsten Stufe "D" bewertet wurde. Nur dass Stebel, als Kämmerer Herr über eben jenen Haushalt, nicht eben die Zahnbürste nehmen und die roten Zahlen rubbel-rubbel in schwarze verwandeln konnte. Eine passende Zahnpasta gab es sowieso nicht.

Nun, 2018, scheinen diese Tage einer fernen Vergangenheit anzugehören. Denn die Gemeinde fuhr einen harten Sparkurs, profitierte gleichzeitig von der insgesamt positiven Entwicklung im Gewerbegebiet Freiberg-Ost und in Muldenhütten sowie gestiegener Nachfrage an Bauland. Die alten, leerstehenden Schulen in Naundorf und Oberbo-britzsch wurden verkauft, dazu kam der Boom bei den Steuereinnahmen etwa im Bereich der Gewerbesteuer, aber auch beim Anteil an der Einkommens- und der Umsatzsteuer. Schließlich nutzen die derzeit niedrigen Zinsen bei den Krediten mehr, als die bei den Geldanlagen schaden.

Das Ergebnis all dessen: Der Schuldenstand wurde von 2005 bis heute von vier auf zwei Millionen Euro halbiert. Die Benotung des Haushalts erreichte mittlerweile zum zweiten Mal hintereinander die Bestnote A. Bis 2022 sollen die Schulden noch einmal von zwei auf dann eine Million Euro halbiert werden. Stebel: "Das gibt uns die Möglichkeit, Geld nicht in die Kapitaldienste zu stecken, sondern zu investieren."

Und so konnte der Finanzverwalter, als er nun den Gemeinderäten den Entwurf für den Haushalt 2019 vorstellte, auch wieder einige Vorhaben ankündigen, die die Gemeinde als Bildungsstandort stärken und gleichzeitig die Belange der vier großen Ortsteile möglichst gleichermaßen berücksichtigen sollen.

Wichtigste sicherlich: Abriss und Neubau des Altgebäudes der Kita Niederbobritzsch. Das meiste Geld kommt vom Bund, aber auch die Gemeinde muss 245.000 Euro beisteuern. Für nächstes Jahr ist der erste Bauabschnitt vorgesehen.

Weitere Vorhaben betreffen unter anderem: den zunächst unter den Gemeinderäten umstrittenen Anbau an die Turnhalle in Hilbersdorf, damit der Sportverein einen Raum in der Grundschule räumen kann, den der Hort dringend benötigt, die Sanierung der Pfarrgasse in Niederbobritzsch, die energetische Sanierung von Grundschule und Kita in Naundorf und die Fertigstellung der Sanierung des Funktionsgebäudes am Sportplatz Oberbobritzsch. Weiterhin schlägt die Gemeinde vor, Geld für den zweiten Bauabschnitt der Straße Am Bahnhof in Niederbobritzsch bereitzustellen, für die Erschließung von Wohnbauland, für Grunderwerb, Feuerwehrtechnik und technische Ausstattung des Bauhofs der Gemeinde.

Einen Wermutstropfen gibt es gleichwohl: Schüler und Nutzer der ebenfalls dringend sanierungsbedürftigen Turnhalle in Niederbobritzsch müssen sich noch etwas gedulden. Eigentlich wollte die Gemeinde dafür wieder einen Kredit aufnehmen, doch davon ist die Verwaltung vorerst abgerückt. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Im Haushalt taucht die Turnhalle dennoch auf: mit Planungskosten. Denn für jeden Fördermittelantrag, sagt Stebel, braucht es einen Planungsvorlauf. Der Haushaltsbeschluss ist für die nächste Sitzung der Räte am Donnerstag vorgesehen.

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