Waferproduzent investiert in die Zukunft

Das Unternehmen FCM hat 7 Millionen Euro in den Kauf und Ausbau einer ehemaligen Lagerhalle von Solarworld gesteckt. Und das ist erst der Anfang.

Freiberg.

Die markante Halle mit orangefarbener Ecke dominiert seit Jahren eine Einfahrt im Freiberger Gewerbegebiet Süd. In der Vergangenheit lagerte Solarworld hier Materialien und Technik. Mit der ersten Insolvenz des Unternehmens Mitte 2017 war das 2800 Quadratmeter große Objekt eines der ersten, das fortan nicht mehr benötigt wurde.

Das kam der in direkter Nachbarschaft angesiedelten Freiberger Compound Materials GmbH (FCM) gerade recht. "Es war sozusagen ein Gelegenheitskauf", sagt Dr. Michael Harz, der als Manager das operative Geschäft des Unternehmens leitet. Im Oktober 2017 kaufte FCM die Halle, im April 2018 begann der Umbau. Derzeit wird das für die Produktion nötige technische Ausrüstung schrittweise eingebaut.

Der Grund für die Erweiterung der Produktionskapazitäten ist ein einfacher. Freiberger Compound Materials stellt Wafer - also dünne Scheiben - aus Galliumarsenid her, ein Material, das in Smartphones benötigt wird, um auf den derzeit gängigen Frequenzen senden und empfangen zu können. Mit einem Marktanteil von zwei Dritteln ist FCM auf diesem Gebiet Weltmarktführer. Und der Bedarf ist groß. Doch dabei bleibt es nicht. "Wir haben bislang vom Handygeschäft gelebt", sagt Michael Harz. "Doch wir sehen darüber hinaus ein großes Interesse an Optoelektronik." Die Optoelektronik umfasst Produkte und Verfahren, die die Umwandlung von elektronisch erzeugten Daten und Energien in Lichtemission ermöglichen und umgekehrt.

Galliumarsenid ist notwendig, wenn man etwa in der LED-Technik rotes Licht erzeugen will. Rücklichter von Autos benötigen dieses Material, aber auch große Displays wie die Leuchtwerbewände etwa am Times Square in New York. Infrarote Laser werden ebenfalls mit Galliumarsenid erzeugt und beispielsweise für das 3D-Imagingeingesetzt. Prominentestes Beispiel ist das iPhone X mit seiner Gesichtserkennung. Auch beim autonomen Fahren sind diese Laser unerlässlich.

Der Markt wächst und mit ihm das Unternehmen. "In den vergangenen zehn Jahren haben wir 60Millionen Euro in den Standort Freiberg investiert", sagt Harz. Für Erwerb und Umbau der neuen Halle nahm das Unternehmen bislang 7Millionen Euro in die Hand. "Für das Equipment kommt noch einmal ein hoher Betrag dazu", sagt Harz. Von derzeit 800.000 Wafern im Jahr kommt man dann auf 1,2 Millionen.

Noch wird nicht die gesamte Fläche der früheren Lagerhalle zur Nutzung vorbereitet. Vielmehr hat sich die Firma für ein flexibles Modell entschieden, mit dem man auf die Erfordernisse der Zukunft reagieren kann. Man hat eine Halle in die Halle gebaut. In einem ersten Raum wird derzeit Technik zur Züchtung von Galliumarsenidkristallen errichtet. In einem abgetrennten Teil arbeitet man an der Zukunft. Für den neuen Mobilfunkstandard 5G genügt Galliumarsenid nicht mehr, sondern es wird der Einsatz von Indiumphosphid nötig. Beide Elemente werden sich in künftigen Smartphones ergänzen. In der Entwicklung sei man sehr weit, bestätigt Michael Harz.

In einem anderen Bereich befindet sich Technik, über die Klima und Lüftung geregelt werden. Lediglich ein kleiner Raum dient nach wie vor als Lagerfläche für Materialien. Darunter auch solche, die beim Produktionsprozess als Müll anfallen, hier aber in einem steten Kreislauf recycelt und neu genutzt werden. Dafür erhielt FCM 2013 den Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis.

Seit 1995, so Michael Harz, also mit Gründung des Unternehmens aus dem früheren VEB Spurenmetalle heraus, habe es eine stetige Entwicklung gegeben. FCM ist seither Teil der israelischen Firma Federmann Enterprises Ltd., deren Inhaber Michael Federmann den Standort Freiberg unterstützt. 288Mitarbeiter sind bei FCM beschäftigt. Mit dem Zuwachs an Produktionsfläche könnte die Anzahl weiter wachsen.

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