Waldzustand: Frauenstein muss Geld ausgeben statt einzunehmen

Trockenjahre, Stürme und Borkenkäfer haben dem Wald der Stadt zugesetzt. Es musste viel mehr Holz eingeschlagen werden als im Zehn-Jahres-Plan konzipiert. Laut Förster Steffen Frohs ist kein Ende in Sicht.

Frauenstein.

Ein guter Erlös aus dem Holzverkauf für Frauenstein? Fehlanzeige. Im Gegenteil: die Erzgebirgsstadt muss 40.000 Euro zusätzlich in die Waldbewirtschaftung investieren. Der Stadtrat gab das Geld frei.

Etwa 100 Hektar Wald nennt Frauenstein sein eigen. Um die Fläche nachhaltig zu bewirtschaften, sollten eigentlich 700 Kubikmeter Holz jedes Jahr eingeschlagen werden. "Das war der reale Plan", sagt Förster Steffen Frohs, der den Frauensteiner Wald im Auftrag der Stadt betreut, jetzt im Stadtrat. Doch dieser Plan geht schon lange nicht mehr auf. So mussten nach seinen Worten im Jahr 2019 aufgrund von Stürmen etwa 880 Kubikmeter Holz eingeschlagen werden. In diesem Jahr habe sich die Menge schon auf etwa 2500 Kubikmeter erhöht. "Es wird auch kommendes Jahr keine Entlastung geben, denn der Borkenkäfer macht uns weiter zu schaffen", sagte Steffen Frohs.

Trotz der getroffenen Maßnahmen wie Käferfallen habe der Forstschädling ein so hohes Niveau erreicht, dass weitere Bäume fallen müssten. Damit liege Frauenstein schon jetzt weit über der Holzmenge, die im Zehnjahresplan als Einschlag vorgesehen sei, resümierte der Förster. "Außerdem kann das Holz nur zu Preisen verkauft werden, die nicht mehr kostendeckend sind", sagt er. Normalerweise liege der Preis bei 80 bis 85 Euro je Kubikmeter, derzeit könnten jeweils nur 20 Euro erzielt werden.

Stadtrat Steffen Kwak, der selbst eine Tischlerei besitzt, hielt entgegen, dass der Preis beim Einkauf von Holz dem keineswegs gleich gegenüberstehe. "Die Preise sind hoch", sagte der Frauensteiner und erhielt Zustimmung von Steffen Frohs. Die Monopolstellung der Holzverkäufer sei dafür der Grund. Deshalb klaffe eine finanzielle Lücke zwischen der Stadt als Veräußerer und dem erneuten Verkauf des Holzes nach Durchlaufen der Sägewerke.

Die derzeitige Situation bringe insgesamt nur einen geringen Gesamterlös beziehungsweise ein Ergebnis von plus minus null. Dennoch sprach der Förster von einem Lichtblick für Frauenstein. So bekomme die Stadt für das Aufbereiten des Schadholzes im kommenden Jahr 35.000 Euro an Fördermitteln vom Freistaat. Die Höhe weiterer Fördermittel und die daran geknüpften Bedingungen für deren Erhalt 2021 seien aber noch unklar.

Die weiterhin angespannte Situation für den Stadtwald beschrieb der Förster auch damit, dass selbst die jüngsten intensiven Niederschläge das Wasserdefizit im Waldboden nicht ausgleichen können. Demnach sind die ohnehin sehr geschwächten und ausgelichteten Waldflächen auch weiterhin angreifbar - durch Stürme wie auch durch die Borkenkäferbelastung.

Steffen Frohs schwor die Stadträte darauf ein, in den nächsten Jahren eher mit Kostenbelastungen als mit Erlösen aus dem Wald zu rechnen. Er sagte: "Ich weiß noch nicht, was im Frauensteiner Wald geplant werden soll."

Die Waldwege dienten zuerst der Bewirtschaftung, erklärte Steffen Frohs Stadtrat Frieder Göhler, der den Zustand einzelner Wege kritisierte. Erst wenn die Schadholzbearbeitung abgeschlossen sei, könnten die Wege wieder hergerichtet werden. "Anders ist das finanziell und zeitlich nicht machbar", warb der Förster um Verständnis.

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