Welterbezentrum: "Einzelinteressen zurückstellen"

In der Diskussion um das Silbermannhaus melden sich täglich Freiberger zu Wort: Für Freie Wähler-Stadtrat Jens Grigoleit gibt es nur einen möglichen Standort.

Freiberg.

Mahnende Worte aus dem Stadtrat: Im Streit um einen Standort für ein Welterbezentrum erklärt der Freie-Wähler-Stadtrat Dr. Jens Grigoleit: "Das grundsätzliche Ausschließen von Kompromissen ist selten hilfreich." Damit spielt der 40-Jährige auf die Fronten zwischen Silbermann-Gesellschaft und Rathausspitze an.

Die Pläne der Stadtverwaltung, im Silbermann-Haus ein Welterbezentrum einzurichten, werden seit Wochen diskutiert. Denn dafür müsste die Silbermanngesellschaft umziehen. Der Verein aber möchte in der früheren Werkstatt Silbermanns bleiben. Die Stadt bietet alternative Standorte für sie und verweist etwa auf hohe Kosten, wenn sie nicht Synergieeffekte durch die Tourist-Information nutzen könne.

Grigoleit weist nun auf die Außenwirkung hin: So werde außer Acht gelassen, welche Verwirrung es bei Touristen verursachen würde, nebeneinander zwei Besucherzentren vorzufinden, deren Angebote sich weitgehend überlappen. "Aus meiner Sicht wäre das auch unabhängig von den zusätzlichen Kosten für den Unterhalt kaum vermittelbar", gibt der Bergstädter zu bedenken. Deshalb stehe fest, dass "Touristinformation und Welterbezentrum einen gemeinsamen Standort haben müssen". Da niemand ernsthaft fordern werde, die Touristinformation von ihrem nahezu idealen Standort wegzunehmen, stehe eigentlich fest, dass das Welterbezentrum auch nur dort sein kann. Geprüft werden müsse, "ob es möglich und sinnvoll ist, den zusätzlichen Raumbedarf für das Welterbezentrum im oder am Silbermannhaus bei gleichzeitigem Verbleib der Silbermann-Ausstellung zusätzlich bereitzustellen (etwa durch Überbauung des direkt an die Touristinformation angrenzenden Hinterhofs)", fordert das Vorstandsmitglied im Fremdenverkehrsverein. Bei einer Abwägung sollten Einzelinteressen zurückgestellt werden. Grigoleit: "Silbermann und Montanregion sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden, da beide gleichermaßen herausragende Bedeutung für Freiberg haben."

Jeder verstehe die Bedeutung des Silbermannhauses für die Silbermanngesellschaft, ebenso den Stolz auf die in langjähriger Arbeit und die mit Herzblut geschaffene, gut besuchte Ausstellung. Dass die Forderung nach Auszug als Zumutung empfunden wird, sei nur verständlich. Er fordert respektvollen Umgang und Entgegenkommen gegenüber dem Verein: Dass Silbermann im nach ihm benannten Gebäude weiter angemessen gewürdigt wird, sollte ebenso selbstverständlich sein wie, dass man dem Verein keinen objektiv schlechteren Standort anbieten kann, so Grigoleit.

Er spricht sich dafür aus, die von der Stadt angebotene Unterbringung der Silbermanngesellschaft in den Domherren-Häusern nicht von vornherein auszuschließen und wirbt dafür, die historisch wertvollen Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen: "Für Touristen könnte die Kombination von Dom, Silbermannorgel und -ausstellung an einem Ort attraktiv sein." Zudem weist er auf die besseren räumlichen Möglichkeiten hin. Im Interesse von Stadt und Besuchern hofft der Stadtrat, dass gemeinsam eine Lösung gefunden wird, die allen Beteiligten hilft und bei der sich niemand als Verlierer fühlen muss. (grit)

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    ChWtr
    22.10.2019

    Einem Stadtrat, der sich so ungeniert positioniert und damit offensichtlich im Konsens mit seinen Mitstreitern in der Stadtverwaltung ist, traut man alles zu. Ganz nach dem Motto: dem Weltkulturerbe ist alles unterzuordnen, egal was da komme und was einmal war. Ich finde dieses Auftreten und mögliches Handeln unwürdig. In Weimar wäre so eine Diskussion undenkbar.

  • 2
    1
    Juri
    22.10.2019

    Schuld allein ist Silbermann selber!

    Wäre er damals gleich in die Domherren-Häuser eingezogen, er wäre näher an seiner Arbeit im Dom gewesen und der Rat hätte heute dieses schmerzhafte Thema nicht auf dem Tisch.

    Aber sicher konnte er vorn, am gut frequentierten Schlossplatz, mit seinem Firmenschild besser für sich werben. Bestimmt ein guter Grund, weshalb es so viele Silbermann-Orgeln gibt.
    Also lieber Stadtrat, es ist nie zu spät einen (falschen) Fehler zu korrigieren. Silbermann hat nichts anderes verdient.
    Sperrt seine Gesellschaft nun endlich dort hin wo sie hingehört. Nämlich in die zweite Reihe.
    In unserer Stadt kann doch nicht jeder machen was er will. Schon gar nicht gegen den gesunden Menschenverstand.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...