Gert Fröbe - sehr private Einblicke

Zum 30. Mal jährte sich am Mittwoch der Todestag des Zwickauers. Bereits am Dienstag veranstaltete die Stadt ihm zu Ehren einen vergnüglicher Abend.

Zwickau.

Gert Fröbe, ein Zwickauer, der als Künstler weltweit bekannt geworden ist, war natürlich auch Privatmann. Diese Seite seines Lebens stand im Mittelpunkt des Abends im "Alten Gasometer" aus Anlass seines 30. Todestages. Dafür nach Zwickau gekommen waren unter anderem neben dem Autor der ersten Fröbe-Biografie Gregor von Mannstorff, der aus Wien angereist ist, auch Fröbes Tochter Beate Fröbe aus dem bayerischen Eurasburg und ihr Cousin Eckehart Baumann, der in Gert Fröbes Geburtshaus in Planitz wohnt.

Michael Löffler, Leiter des Kulturamtes der Stadt, der als Moderator fungierte, ist wie Gert Fröbe ein gebürtiger Planitzer. Seine tiefste Überzeugung: Zwickau ist nicht nur Robert-Schumann-, Automobil- und Max-Pechstein-Stadt, sondern auch Gert-Fröbe-Stadt. Löffler selbst hatte Fröbe als Steppke einige Male zu Gesicht bekommen, als sich der als "Goldfinger" weltberühmt gewordene Fröbe und Löfflers Vater, die früher zusammen Fußball spielten, bei Fröbes Besuchen in Planitz auf der Straße grüßten.

Gregor von Mannstorff, der 1982 unter seinem Pseudonym Gregor Ball das Buch "Gert Fröbe - seine Filme, sein Leben" veröffentlichte, berichtete, dass es in Fröbes Filmverträgen Klauseln gab, in denen an Samstagen Fußball-Spiel-Besuche fest vereinbart waren. Der Autor und sein Buch fielen in Fröbes Ungnade, weil im Buch stand, dass Fröbes Geburtsname Froeber sei. "Wenn Sie meinen Namen falsch schreiben, können Sie das Buch einstampfen", schimpfte seiner Zeit Fröbe. Das Buch wurde nicht eingestampft, sondern war schnell vergriffen. "Meine Information hatte ich aus dem wichtigsten und renommiertesten amerikanischen Nachschlagewerk. Durch den Eisernen Vorhang war es nicht so einfach, von München aus Informationen aus der DDR zu bekommen." Noch etwas stimme heute nicht mehr mit dem Buch überein: "Zwickau ist kein Rußzwicke mehr."

Beate Fröbe kam erstmals nach 47 Jahren wieder nach Zwickau. "Ich war als kleines Kind das letzte Mal hier und bin absolut überwältigt von dem herzlichen Empfang und der Verehrung, die meinem Vater entgegen gebracht wird. Der beste Beweis dafür ist das Gert-Fröbe-Haus. Es läuft mir gerade heiß und kalt den Rücken runter, denn für ihn, der die Kinder über alles liebte und immer das Kind im Manne geblieben ist, wäre es die größte Ehre, dass in seiner Heimat ein Kinder- und Jugendheim nach ihm benannt wurde", sagte die von Gert Fröbe über alles geliebte Adoptivtochter, deren Mutter Karen Fröbes fünfte und letzte Ehefrau war. "Das Wichtigste, was mir mein Vater beigebracht hat, ist, dass jeder Mensch wertig ist, egal was er macht und woher er kommt. Er hat nie gewertet, sondern die Menschen so angenommen wie sie sind", sagt die Mutter von zwei Kindern: Laura (25) und Patrick (22).

Patrick Baindl-Fröbe erlebte den Abend, bei dem auch ein Film aus dem Jahr 1973 gezeigt wurde, in dem Gert Fröbe auf seine unnachahmliche Art die Gedichte von Christian Morgenstern wie die legendäre "Schnecke" vortrug, aus der ersten Reihe. Obwohl er seinen Großvater nicht persönlich kennengelernt hat, wuchs er mit dem Gefühl auf, ihn stets neben sich zu haben. "Wir wohnen ja in seinem Haus. Omas Wohnung ist praktisch unser persönliches Gert-Fröbe-Museum, mit all seinen persönlichen Sachen, zu denen uns unsere Oma von klein auf immer Geschichten erzählt hat", sagte der junge Mann, der zwar gerade erst eine IT-Ausbildung abgeschlossen hat, doch gern in die großen Fußstapfen seines berühmten Großvaters treten würde. Beispielsweise drehte ein großer deutscher Autohersteller vor einiger Zeit mit ihm einen prämierten Videoclip mit einem fiktives Gespräch zwischen ihm und seinem Großvater.

Eckehart Baumann durfte in seinem Leben nicht nur viele echte Gespräche mit seinem großen Onkel führen. Er war sogar der Trauzeuge, als Gert Fröbe Patricks Oma Karin - geheim vor der Presse - ehelichte. Baumann erzählte, wie faszinierend es für ihn war, den Erzählungen seines Onkels vom fernen Japan und von Paris aus zu lauschen. Für Patricks Mutter hatte er eine Überraschung vorbereitet: Ein Umschlag mit Farbbildern, die sie als ein kleines Kind bei ihrem Besuch vor 47 Jahren zeigten.

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