Blick in 150 Jahre Bädergeschichte

16 interessante Objekte luden zum Tag des offenen Denkmals in Zwickau zum Besuch ein. Im Johannisbad waren einige Räume erstmals bei Führungen zu sehen.

Zwickau.

Während im Becken des Zwickauer Johannisbades am Sonntagvormittag Kinder auf blauen Wassernudeln Schwimmversuche unternahmen, wurde eine Etage höher bei einer Feierstunde das Jubiläum "150 Jahre Johannisbad" begangen. Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) informierte, dass das Bad eins von 16 Objekten in der Stadt ist, die zum Tag des offenen Denkmals besichtigt werden können. Denkmalschutz habe eine hohe Priorität in der Stadt. "So wurde vor fünf Jahren im Kornhaus die Stadtbibliothek eröffnet. Derzeit wird das Gewandhaus saniert", zählte sie auf. Die Herausforderung bestehe darin, den Denkmalschutz mit einer modernen zeitgemäßen Nutzung zu kombinieren. Das sei auch im Johannisbad gelungen.

Werner Beuschel, Vorsitzender des Fördervereins "Johannisbad Zwickau", überreichte der Baubürgermeisterin eine Kopie des wahrscheinlich ältesten noch existierenden Plakates vom Johannisbad von 1890. Außerdem ließ der Verein ein Erinnerungsblatt an die Feierlichkeit vom Sonntag in einer Auflage von 100 Exemplaren drucken. Es zeigt die Planzeichnung des Architekten Ludwig Möckel vom Johannisbad, die nahezu komplett realisiert wurde. "Nicht gebaut wurde allerdings der kleine Pavillon, der auf der Zeichnung zu sehen ist", sagte Beuschel. Er betonte, dass das Bad, das als "Orthopädische Heilanstalt und Badeanstalt" gegründet wurde, stets als Gesundheitseinrichtung gedient hat. "Das ist auch heute noch so. Schließlich gibt es neben Schwimmhalle und Sauna einen Fitness- und einen Wellness-Bereich, nutzen Physiotherapeuten die Schwimmhalle, beispielsweise zur Wassergymnastik."


Erstmals seit 75 Jahren wieder ins Johannisbad gekommen war Wolfgang Behrendt. "Ich bin keine Wasserratte. Aber damals musste ich als 13-jähriger Pimpf bei einer Mutprobe aus der Galerie ins Wasser springen. Das hat mich viel Überwindung gekostet", erinnerte er sich.

Viele nutzten den Sonntag, um sich im Johannisbad umzusehen. "Allein zu unseren drei Führungen sind insgesamt 195 Leute gekommen. So viele wie noch nie", resümierte Werner Beuschel am späten Nachmittag. Bei den Führungen wurde den Besuchern vom Team des Fitness-Studios zwar nicht der rote, aber der weiße Teppich ausgerollt. Die Einrichtung befindet sich in den Räumen, in denen früher die Privatpatienten von Dr. Schlobig untergebracht waren. Erstmals ging es auch durch den Sauna-Bereich. Im früheren Frigidarium, das heute als Sauna-Ruheraum dient, machte Beuschel auf das Gewölbe aufmerksam, dessen Holz noch das von 1869 ist. Und wie vor 150 Jahren gelangt das Tageslicht durch die drei Dachfenster in den Raum.

Heike Thiele aus Aue, die mit ihrem Lebensgefährten, der im Johannisbad schwimmen gelernt hatte, gekommen war, zeigte sich überwältigt von der Schönheit des Baus. "Ich finde es gut, dass Zwickau das herrliche Bad erhalten hat", sagte sie.


Blick in die 150-jährige Geschichte des Johannisbades

Das Johannisbad ist am 14. September 1869 als "Orthopädische Heilanstalt und Badeanstalt" eröffnet worden. Auftraggeber war Dr. Samuel Friedrich Julius Schlobig, Architekt Gotthilf Ludwig Möckel. Kosten der Gesamtanlage: 56.000 Thaler.

Am 29. April 1887 gab es nach dem Tod von Dr. Schlobig den Grundsatzbeschluss der Stadt Zwickau zur Übernahme des Johannisbades und der Fortführung als "Städtische Heil- und Badeanstalt Johannisbad". Mit der Eröffnung des Schwimmhallenanbaus 1904 wird das Johannisbad zur "Städtischen Bade- und Schwimmanstalt". Die Kosten betrugen 515.000Mark.

1916 fuhr das Bad erstmals Verluste ein. Nachdem Reserven aufgebraucht waren, musste die Stadt Zwickau ab 1920 Zuschüsse beisteuern. Im Herbst 1991 schloss das Johannisbad. Bereits ab 1988 hatten einzelne Abteilungen im Schlobigbau zu gemacht. Es gab den Plan, die Anlage bis 1994 großzügig zu rekonstruieren.

Nachdem sich dieser Plan zunächst zerschlagen hatte und keine Perspektive erkennbar war, gründete sich am 20. September 1995 der Förderverein "Rettet das Johannisbad".

Am 5. Mai 2000 wurde das Johannisbad rekonstruiert wiedereröffnet. Die Kosten betrugen 20 Millionen Euro.

Ausführliche Informationen zur Geschichte des Johannisbades gibt es im Buch "Zwickauer Bäderkultur und Schwimmsportgeschichte" der Autoren Werner Beuschel und Norbert Peschke.

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