Das sagt der Leiter des Krisenstabs

Das Landratsamt Zwickau läuft derzeit im Krisenmodus: Im Landkreis breitet sich das Coronavirus aus. Das Gesundheitsamt versucht, Infektionswege nachzuvollziehen und Menschen zu finden, die auch infiziert sein könnten.

Bernsdorf/Zwickau.

Nach einer Besorgnis erregenden Steigerung der aktenkundigen Infektionen im Landkreis Zwickau hat sich die Entwicklung über das Wochenende verlangsamt. Das sagte der Leiter des internen Krisenstabs am Zwickauer Landratsamt, Carsten Michaelis, am Montagnachmittag der "Freien Presse". Die Summe der festgestellten Erkrankungen habe mit 172 am Montag geringfügig über der vom Samstag (165) gelegen. Michaelis führt diese Entwicklung darauf zurück, dass die vor 14 Tagen im Landkreis ergriffenen Schutzmaßnahmen und die folgenden Einschränkungen auf Landesebene wirkten.

Bernsdorf liegt mit 34 Infizierten (zwei Personen sind mittlerweile verstorben) am Beginn des Infektionsgeschehens im Landkreis. Zwickau mit 45 Fällen, Werdau mit 20 und Lichtenstein mit zwölf sind am Montag die Schwerpunkte im Landkreis. In 30 weiteren Orten gibt es Infektionen, hier im einstelligen Bereich. Zu den genauen Infektionsketten sagte Carsten Michaelis: "Wir haben keine gesicherten Erkenntnisse, nur Vermutungen, und müssen das im Nachgang analysieren. Wir wissen von mindestens einer Stelle mit hohem Körper- und Kundenkontakt. Aber das sind keine gesicherten Erkenntnisse."

In der Nacht zum Montag ist die sächsische Allgemeinverfügung in Kraft getreten. "Wäre die nicht gekommen, waren wir auf eigene Maßnahmen in diesem Umfang vorbereitet. Nun beobachten wir auf Straßen und Plätzen, dass die soziale Distanzierung greift. Weitere Verschärfungen sind derzeit nicht vorgesehen, weder in Bernsdorf noch in den anderen Orten."


Zwei Corona-Ambulanzen

Es herrschte kein Ansturm, als am Montag auf dem Gelände der Zwickauer Paracelsus-Klinik in einem beheizten Zelt eine Corona-Ambulanz eröffnet wurde. "Insgesamt verhalten sich die Menschen sehr vernünftig", sagte Klinikmanagerin Uta Ranke. Wie viele Patienten sich testen lassen wollten, dazu machte die Klinik allerdings keine Angaben. Nur jeder Sechste habe die Kriterien für einen Test nicht erfüllt. "Eine spezielle Anlaufstelle für den Umgang mit Verdachtsfällen ermöglicht uns eine geordnete und sichere Begutachtung", sagte Ranke.

Die Wege der Patienten werden im Zelt strikt voneinander getrennt. Die Klinikleitung weist darauf hin, dass die Ambulanz nur für Corona-Verdachtsfälle geschaffen wurde. Als Verdachtsfall gilt, wer Symptome wie Husten in Verbindung mit Fieber oder Atemnot aufweist, wer Kontakt zu bestätigt Infizierten hatte und/oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Positiv getestete Patienten werden in die häusliche Isolation entlassen. Patienten, die bereits behandlungsbedürftige Symptome zeigen, werden stationär auf der Isolierstation der Paracelsus-Klinik aufgenommen. Die Ambulanz hat Montag bis Freitag von 8 bis 16.30 Uhr geöffnet.

Damit gibt es jetzt zwei Corona-Ambulanzen in Zwickau. Bereits seit dem 17. März steht am Heinrich-Braun-Klinikum eine Ambulanz zur Verfügung. In den ersten vier Tagen haben demnach täglich rund 100 Patienten diese Ambulanz aufgesucht. "Am Wochenende waren es deutlich weniger", sagte Kliniksprecherin Cathleen Schubert. In der Ambulanz sind immer vier Mitarbeiter beschäftigt. Personalnot sei nicht zu erwarten. "Durch die vorübergehende Schließung einzelner Bereiche wie dem Schlaflabor und weniger stationären Aufnahmen sind Personalressourcen freigeworden", sagte Schubert. Außerdem könnten Auszubildende zum Dienst in die Klinik geholt werden. (nkd)


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