Die letzten Blicke ins Paradies

Die Wanderausstellung "Back to Paradise" hat mehr als 6500 Besucher in die Zwickauer Kunstsammlungen gelockt. Schon ab heute werden die expressionistischen Meisterwerke wieder verpackt. Nächste Station: Stockholm.

Zwickau.

Annika Weise strahlt. "Wir sind überwältigt von dem großen Zuspruch", sagt die Kuratorin des Max-Pechstein-Museums Zwickau. Am Sonntag kann man diesen "großen Zuspruch" hautnah spüren: Am frühen Nachmittag ist Schlange stehen an der Museumskasse angesagt, so groß ist der Andrang am letzten Tag der Wanderausstellung "Back to Paradise". Expressionistische Meisterwerke sind zu sehen - die ganz großen Namen. Beckmann, Feininger, Felixmüller, Heckel, Jawlensky, Kandinsky, Kirchner, Macke, Marc, Münter, Nolde, Pechstein, Schmidt-Rottluff. So was gibt es in Zwickau nicht alle Tage - mehr als 6500 Besucher sind in den vergangenen Wochen in die Kunstsammlungen gekommen, um sich diese einzigartige Schau anzusehen.

"Was uns besonders freut: Es waren sehr viele Schulklassen hier", sagt Annika Weise. Klar: Expressionismus steht als Thema in den Lehrplänen. Viele Lehrer haben die Gelegenheit genutzt, ihren Schülern den Zugang zu der Kunst des frühen 20.Jahrhunderts zu ermöglichen. Ihnen zu erzählen, wie unpolitische Motive mit denen gebrochener Männer nach dem Ersten Weltkrieg zusammenpassen. Und zu erklären, woher die Sehnsucht vieler Expressionisten nach ebenjenem Paradies kam, das sie zwischen Industrialisierung und Krieg nicht mehr erkennen konnten.

Schon heute beginnen die Mitarbeiter mit dem Abbau der Ausstellung. Restauratoren begutachten die Werke, entscheiden, ob Arbeiten daran notwendig sind. Dann wird jedes einzelne Bild sicher verpackt und direkt von Zwickau in die Nähe von Stockholm gebracht, wo die Schau ihre nächste Station hat. Gastauftritte beispielsweise in Klagenfurt, Schweinfurt, Hamburg und Wien liegen bereits hinter "Back to Paradise". Die Bilder stammen aus Sammlungen des Osthaus Museums Hagen und des Aargauer Kunsthauses.

In Zwickau hinterlässt die Schau ihre Spuren. "Viele Besucher - jedenfalls die, die nicht aus Zwickau kamen - hatten zum Beispiel noch gar nicht von Max Pechstein gehört", sagt Annika Weise. Sie haben die Stadt mit der Erkenntnis verlassen, dass die große, weite Kunstwelt einem manchmal näher ist, als man glaubt.

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