Dieses Mal wird es kein Jurist

Ein neuer Ombudsmann soll in Zwickau seine Arbeit aufnehmen. Keiner seiner Vorgänger hat einen Fall von Korruption aufgedeckt.

Zwickau.

Dass dieser Posten gebraucht wird, darüber herrscht bei den meisten Zwickauern sicher Einigkeit. Dass man ihn auch in Anspruch nimmt - das ist bisher kaum geschehen. Dennoch soll der Stadtrat am nächsten Donnerstag nach dem Rücktritt von Anwalt Axel Goller die ehrenamtliche Stelle des Antikorruptions-Beauftragten neu besetzen.

Die Verwaltung schlägt mit Uwe Kerzig einen 73 Jahre alten Mann vor. Der war einer von zwei Bewerbern, die sich auf die Ausschreibung gemeldet haben - und der einzige, der zum Vorstellungsgespräch erscheinen konnte, heißt es in der Begründung für diesen Beschlussvorschlag. Der zweite Bewerber sei zwar als Person bekannt, die Verwaltung setzt nach dem Gespräch dennoch auf Kerzig, den sie als ruhig und sachlich beschreibt. Zudem habe er einen Sinn für Ordnung und Gerechtigkeit. Alles Eigenschaften, die man von jemandem erwartet, der dafür sorgen soll, dass in Zwickau niemand unberechtigt die Hand aufhält, wenn es darum geht, Aufträge oder Geld zu verteilen.

Allerdings scheint das in Zwickau nicht zu passieren - oder so geschickt, dass es niemand merkt. Denn Fakt ist: Keiner der beiden bisherigen Ombudsmänner hatte einen Verdachtsfall auf Korruption zu bearbeiten. Jedenfalls keinen richtigen. Der ehemalige Landgerichtspräsident Jürgen Kränzlein, der das neu geschaffene Amt im Oktober 2009 übernahm, bilanzierte nach rund drei Jahren, dass sich ein konkreter Verdacht nie bestätigt habe. Lediglich von einem Geschmäckle sprach er nach den ersten 18 Monaten seiner Dienstzeit. Und legte der Verwaltung nahe, bei bestimmten Auftragsvergaben mehr in die Breite zu gehen.

Nachdem die Stadt nach Kränzleins Abschied auch auswärts nach einem Nachfolger suchte, bestätigte der Rat im Juni 2014 Axel Goller als Ombudsmann. Zuvor hatte eine Reihe von Kandidaten vor den Bürgervertretern keine Zustimmung gefunden. Doch ähnlich wie bei Kränzlein hielten sich auch bei Goller die Anfragen sehr überschaubar. Zuletzt erklärte er im April dieses Jahres, dass er für 2018 keinen offiziellen Bericht vorstellen wird - weil es nichts zu berichten gibt. Selbst im Zusammenhang mit anonymen Anschuldigungen gegen die Verwaltung, die zuletzt für Schlagzeilen sorgten, wurde er nicht bemüht.

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