Ich nicht

Der ganz normale Schwansinn: Was Zwickau in dieser Woche bewegt hat

Hand aufs Herz, werden Sie etwas vermissen, wenn dieser Landtagswahlkampf zu Ende geht? Ich nicht. Wenn einem wildfremde Menschen auf der Straße Flugblätter in die Hand drücken, noch einen Schwatz über Gott und die Welt anfangen wollen und doch keine Mormonen sind; wenn einem Leute mit weißretuschiertem Zahnbelag von den Straßenlaternen entgegengrinsen, die man noch nie im Leben gesehen hat und die man eigentlich auch gar nicht näher kennenlernen will; wenn man die Zeitung vor lauter Wahlaufklebern und Wahlprospekten nicht mehr knicken kann, dann weiß man, dass es reicht. Sonntag ist Wahl. Ich bin froh, wenn es vorbei ist.

Er auch, hat mir ein Landtagskandidat neulich gesagt. Es geht an die Substanz. Vorher wolle er sich aber noch mit Politikerkollegen treffen und zum Ausklang noch einmal richtig feiern. Aber bloß nicht im Muldeparadies, habe ich ihm gesagt, nicht dass die SPD wieder mit ihrem Alkoholverbot anfängt und endgültig unter die Fünfprozenthürde fällt. Das wäre schlimm.


Die SPD und die Demokratie in Deutschland, das war lange so wie mit dem HSV und der Fußball-Bundesliga. Immer dabei, auch wenn man sich manchmal gefragt hat, welchen Sport die eigentlich machen. Wie es mit dem HSV geendet hat, wissen wir. Er ist nicht mehr dabei, und irgendwie fehlt er jetzt. Auch wenn sich die Frage nach der ausgeübten Sportart noch immer stellt.

Da müssen wir freilich noch kurz auf die Jugendwahl zu sprechen kommen. In Zwickau haben knapp 1000 Unter-18-Jährige ihre Stimme abgeben und ein ziemlich ulkiges Ergebnis fabriziert. Demnach hätten die Grünen mit knapp 30 Prozent gewonnen und könnten gemeinsam mit der Tierschutzpartei (elf Prozent) und der Juxpartei Die Partei (neun Prozent) eine Regierungskoalition bilden. Sie wissen schon, Letztere ist die mit den unzüchtigen Plakaten. Jugend, was hast du dir da nur schon wieder gedacht? Da würden die Grünen Windkraftanlagen bauen, die Tierschützer würden sie gleich wieder abreißen, weil die Rotorblätter Fledermäuse schreddern, und die Partei würde sich dabei totlachen. Wollen wir das? Ich nicht.

Ich würde mich lieber wieder den erfreulichen Seiten des Lebens zuwenden. Das heißt, mich an einem guten Buch aus einer der beiden neuen Zwickauer Büchertauschzellen erfreuen. Oder am Anblick des frischrenovierten Häuschens am Hauptmarkt, das zuletzt die Löwenapotheke beherbergt hat. Am Ende wird eben immer alles gut, wie uns nicht zuletzt die Arbeitsagentur vor Augen führt. Diese hat es geschafft, ihren Vermieter mit Geld so sehr zu besänftigen, dass er sie doch noch bis zur Fertigstellung des Neubaus im alten Gebäude an der Pölbitzer Straße bleiben lässt. Wie teuer diese Großherzigkeit erkauft ist, mag die Agentur natürlich nicht sagen. Verständlich, ist schließlich ja auch nicht ihr Geld. Sondern unseres. Verzwickt und zugenäht.

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