Kein Respekt: Blumendiebe suchen auch Friedhöfe heim

Angehörige von Verstorbenen stellen immer wieder fest, dass frische Blumen und Einpflanzungen von den Gräbern spurlos verschwinden.

Zwickau.

Das Urnengrab seiner Familie auf dem Matthäusfriedhof in Zwickau-Bockwa liegt Frank Bemmann am Herzen. Mehrfach im Jahr ehrt er seine verstorbenen Angehörigen mit frischem Blumenschmuck und der Jahreszeit angepassten Einpflanzungen. Im August stellte der Wilkau-Haßlauer einen Strauß Rosen sowie eine Schale mit Grünpflanzen auf die Grabstätte. Doch schon kurz danach war beides verschwunden. Nachdem er weder die Blumen noch die Einpflanzung auf einem der Gräber finden konnte, kam ihm die Erkenntnis: Es handelt sich um einen Diebstahl.

"Ich hätte nie gedacht, dass Blumenschmuck auf öffentlichen Friedhöfen einfach gestohlen wird", sagt er sichtlich verärgert. "Wie pietätlos muss ein Mensch sein, um Einpflanzungen von Gräbern zu stehlen." Bei der Friedhofsverwaltung erlebte er die nächste Überraschung. Bemmann erfuhr, dass derartige Straftaten kein Einzelfall sind. Der Verwalter des Friedhofes habe ihm bestätigt, dass sich zahlreiche Angehörige deswegen beschwert hätten. Nur seien ihm die Hände gebunden. Wird der Täter nicht auf frischer Tat ertappt, stehen die Chancen schlecht, ihn jemals zu finden. Tatsächlich ist das Phänomen auch von anderen Friedhöfen bekannt. Auch Friedhofsmeister Burkhard Viertel, unter anderem zuständig für den Friedhof im Zwickauer Stadtteil Planitz, kennt das Problem.


In den vergangenen Jahren hielten sich in seinem Zuständigkeitsbereich die Diebstähle auf einem konstanten Niveau. "Ein höheres Aufkommen ist bisher in diesem Jahr nicht bekannt geworden", sagt Viertel. Das sehen auch die Friedhofsgärtner der städtischen Friedhöfe in Zwickau so. "Es ist leider an der Tagesordnung, dass Blumendiebstähle stattfinden", sagt Heike Reinke von der Pressestelle der Zwickauer Stadtverwaltung. Die Diebstähle zögen sich über das gesamte Jahr hin. Burkhard Viertel ergänzt: "In den Pflanzperioden in den Monaten April und Mai kommt es vermehrt zu solchen Meldungen." Statistisch allerdings werden die Diebstähle in der Verwaltung, ebenso wie auf den meisten kirchlichen Friedhöfen nicht erfasst. Daher können weder Angaben zum Umfang noch zum finanziellen Schaden gemacht werden.

Grundsätzlich wird von den Verwaltungen empfohlen, die Taten bei der Polizei anzuzeigen. Doch das tut offenbar kaum jemand. "Das Garten- und Friedhofsamt geht davon aus, dass die meisten Diebstähle nicht angezeigt werden", sagte Reinke. Im Landkreis Zwickau gingen in diesem Jahr lediglich zwei entsprechende Anzeigen ein, wie Polizeisprecherin Claudia Friedrich sagte. "Aus polizeilicher Sicht, können wir daher nicht von einer Häufung solcher Delikte sprechen", sagt sie. Allerdings verschwinde auf den Friedhöfen nicht nur Blumenschmuck. Anzeigen bei der Polizei wurden auch erstattet, weil Dachrinnen von Gebäuden abgebaut und dort abgestellte Fahrräder gestohlen wurden. Damit erhöhe sich die Zahl der Anzeigen nach Angaben der Beamten auf insgesamt 17.

Zu den Gründen für die Blumendiebstähle können weder die Friedhofsverwalter, noch die Polizei etwas Konkretes sagen. Auf den Friedhöfen neigt man allerdings inzwischen nicht mehr dazu, den Sachverhalt als Streiche von Jugendlichen abzutun. Eine Mutmaßung: Der Schmuck könnte auf Gräbern anderer Friedhöfe wieder auftauchen. Für Blumendiebe hat Frank Bemmann nur eine Botschaft: "Wer nicht einmal vor Gräbern Respekt hat, sollte vor Scham im Erdboden versinken." Er hat das Grab inzwischen neu geschmückt.

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4Kommentare
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  • 5
    0
    Tokeah
    11.09.2019

    Mit solcherlei Aktionen graben die Diebe ihre Nichtachtung vor den ruhenden Toten ein ganzes Stück tiefer. Und sollten sie das Diebesgut auf dem selben Friedhof bei ihren Angehörigen ablegen, nur um billig an Grabschmuck zu kommen, treten sie ihre Toten mit Füssen. Das ist dann nicht mehr zu fassen, geschweige denn zu begreifen.

  • 13
    0
    Grizzlybär
    11.09.2019

    Unterste Schublade....da fehlen einem echt die Worte für so viel Charakterlosigkeit, anderen Menschen so etwas anzutun

  • 6
    0
    MuellerF
    11.09.2019

    Zitat: " Eine Mutmaßung: Der Schmuck könnte auf Gräbern anderer Friedhöfe wieder auftauchen. "

    Hmm..ob sich die Blumendiebe wirklich diesen Aufwand machen?
    Ist es nicht wahrscheinlicher, dass die Blumen auf anderen Gräbern auf demselben Friedhof abgelegt oder eingepflanzt werden?

  • 19
    0
    Hinterfragt
    11.09.2019

    So etwas ist einfach abartig und asozial!
    Auch in Chemnitz ist dies leider Gang und Gäbe.



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