Malerinnen treten aus Schatten der Männerwelt

Der zweite Teil der Trilogie "Nach dem Bild ist vor dem Bild" ist am Sonntag eröffnet worden. Die Schau vermittelt auch Aufbruchsstimmung.

Zwickau.

Diese Aufforderung warf Klaus Fischer mehrfach in die Runde: "Wenn Sie ein Werk betrachten und sich darüber mit der Künstlerin austauschen wollen, suchen Sie das Gespräch", sagte der Chef des Zwickauer Vereins "Freunde aktueller Kunst", der am Sonntag zur Eröffnung des zweiten Teils der Werkschau Leipziger Künstlerinnen eingeladen hatte. "Nach dem Bild ist vor dem Bild", so lautet der Titel der Ausstellung.

Auch Jeannette Stoschek, Chefkuratorin der Grafischen Sammlung am Leipziger Museum für bildende Künste, hatte während ihrer Rede an die gut 50 Vereinsmitglieder und Gäste appelliert, auf die anwesenden Malerinnen zuzugehen. Immerhin bekomme das Publikum "25autonome Handschriften" präsentiert. Stoschek wie Fischer beleuchteten die Rolle der Künstlerinnen. So ist die Kunsthistorikerin der Ansicht, dass zwar noch heute der Kunstbetrieb von Männern dominiert wird und dieselben oft an den Schlüsselpositionen sitzen, die Malerinnen sich aber allmählich befreiten, mit ihrer Lage auseinandersetzten - und zwar gemeinsam. "Inzwischen gibt es Netzwerke für Malerinnen", freut sich Stoschek, die am Ende ihrer Rede klarstellte: "Malerei ist nicht nur Jungssache!"

Das unterstrich auch die Leipzigerin Heidi Baudrich, deren Vorfahren mütterlicherseits aus Zwickau stammen. "Es gehört Mut dazu, sich mit der Malerei selbstständig zu machen, damit den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen", sagte die 39-Jährige, die genau dieses Ziel konsequent verfolgt. Tiere und Landschaften, ob einzeln oder in Kombination, gehören zu ihren beliebten Motiven. "Tieren kann man Eigenschaften zuordnen", begründete Baudrich.

Damit steht sie nicht allein. Auch Malerin Anija Seedler fühlt sich von der Natur im Allgemeinen angezogen. "Tiere und Menschen stehen bei mir ganz vorn", so die 43-Jährige, die sich aber auch mit Schönheit, Vergänglichkeit, Wahrnehmung und Identität auseinandersetzt. Das Projekt ist nicht das erste Aufeinandertreffen mit Vereinschef Klaus Fischer. Schon bei der Ausstellung "Hin und weg", die Künstlerinnen und Künstler aus Zwickau und Umgebung zusammenbrachte, war Seedler mit von der Partie.


Ausstellungsprojekt holt 75 Künstlerinnen in die Muldestadt

Zu seinem 20. Jubiläum präsentiert der Zwickauer Verein "Freunde aktueller Kunst" 75 Malerinnen aus Leipzig in drei Ausstellungen. Das vom Vereinsvorsitzenden Klaus Fischer kuratierte Projekt zeigt Positionen bekannter Künstlerinnen wie Grit Hachmeister, Rosa Loy oder Franziska Möbius - aber auch weniger bekannter Malerinnen, die die Szene von Leipzig aus mitprägen. Zum 100-prozentigen Frauenanteil der Ausstellung erklärte Klaus Fischer: "Wir wollten damit die Quotengeschichte in der männerdominierten Kunstszene ad absurdum führen und zeigen, dass es in der Malerei so viele gute Frauen gibt, die zu Unrecht wenig beachtet werden."

Die zweite Ausstellung ist am Sonntag im Kunstverein an der Hauptstraße 60/62 eröffnet worden. Die dritte folgt ab 27. November. (jwa/mz)

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