"Man sieht auch VW-Modelle"

Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Die Linke) über ein Hilfsprojekt im afrikanischen Ruanda

Die Bundestagabgeordnete Sabine Zimmermann (Die Linke), die Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses der IHK und Mitglied im Berufsbildungsausschuss der Handwerkskammer ist, macht sich mit einem neuartigen Projekt für junge Leute im ostafrikanischen Ruanda stark. Uta Pasler verriet sie, was dahinter steckt.

Freie Presse: Frau Zimmermann, wieso Ruanda?


Sabine Zimmermann: Anfang 2016 war ich dort im Rahmen meiner Mitgliedschaft in der Parlamentariergruppe Östliches Afrika. Wir haben in Nyanza, einer rund 56.000-Einwohner-Stadt 100 Kilometer von der Hauptstadt Kigali entfernt, ein Ausbildungszentrum besucht, das auch mit Hilfe der deutschen Entwicklungshilfe 2005 aufgebaut wurde. Die Einrichtung dort ist recht spartanisch, für mich sah es aus wie ein Elektrokabinett aus den 60er-, 70er-Jahren.

Wie stellen Sie sich dort eine Zusammenarbeit vor?

Die jungen Leute lernen Kfz-Mechaniker, Zimmermann, Schweißer, Bürokaufmann, sie beschäftigen sich mit Elektronik und Telekommunikation. Da fiel mir gleich eine Zusammenarbeit mit der Fortbildungsakademie der Wirtschaft ein. Wir könnten die Lehrer bei uns coachen, aber auch technische Hilfen geben. Noch fahren in Ruanda ganz alte Autos herum, in der Hauptstadt sogar sehr viele, aber mehr und mehr sieht man auch Volkswagen-Modelle. Die Entwicklungshelfer nutzen diese, aber auch in der langsam aufkommenden Tourismusbranche ziehen Neuwagen ein. Und die müssen gewartet und repariert werden. Das braucht ein neues Werkstattsystem und bietet insbesondere der Jugend neue Jobchancen. Wir könnten den Berufsschülern Anschauungsmaterial besorgen, zeigen, wie so ein Motor aussieht. Im Umkehrschluss sollten wir dort auch junge Menschen hinschicken, die vielleicht in einem vierwöchigen Aufenthalt eine andere Kultur kennenlernen und sich austauschen.

Ruanda - ein Tourismusland?

Das ist ein Ziel der Menschen dort. In der Region, in der wir waren, gibt es schon jetzt rund 20.000 deutsche Touristen im Jahr. Die Landschaft ist herrlich, ein bezaubernder See in der Nähe. Und Sie glauben gar nicht, wie sauber es auf den Straßen Ruandas aussieht. Die Regierung hat alle Plastetüten verboten.

Wie ist der aktuelle Stand des Projekts?

Wir stehen am Anfang, bis Jahresende wollen wir das Projekt festzurren, dann schauen, woher wir Geld dafür bekommen, und nach den Sommerferien könnte es losgehen. Unser Schwerpunkt liegt ja auf der Berufsausbildung, nicht auf der Entwicklung von Gesundheitszentren, wie es jahrelang erklärte Förderpraxis war. Bundestagsmitglied Frank Heinrich aus Chemnitz hilft dabei mit.

Ein CDU-Mann und eine Linke machen gemeinsame Sache?

Warum nicht - wenn es um die Sache geht? Für uns geht es darum, Fluchtursachen zu bekämpfen. Es sind zwar nicht die Menschen aus Ruanda, die hauptsächlich zu uns kommen, wohl aber viele Afrikaner. Außerdem habe ich auch schon mit der FDP prima zusammengearbeitet, als es um das Schicksal der afghanischen Familie Nurzai ging, die in Zwickau integriert ist und abgeschoben werden sollte.

Wer ist bei dem Projekt noch mit im Boot?

Neben der Fortbildungsakademie der Wirtschaft und dem Bundestagsmitglied Frank Heinrich sind das noch das Berufliche Schulzentrum für Technik "August Horch" in Zwickau und das Berufliche Fortbildungszentrum der Wirtschaft in Hof. Jetzt war auch der Botschafter der Republik Ruanda, Igor Cesar, in Zwickau. Er hat sich sehr positiv dazu geäußert.

Ist das kleine Ruanda heute wirklich so friedlich? 1994 versuchten die Hutu das Volk der Tutsi auf brutalste Art auszulöschen.

Da muss man der Welt heute noch den Vorwurf machen, bei diesem Völkermord weggeschaut zu haben. Ruanda gilt heute aber als stabiles Land. Korruption ist dort fast kein Thema. Es ist ein kleines, sehr armes, aber dicht besiedeltes Land mit sehr vielen jungen Leuten, denen Perspektiven fehlen. Unser Engagement zielt darauf ab, dort eine Art Mittelstand aufzubauen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...